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Eschweiler: Väterchen Frost hält die Eschweiler Betriebe nicht auf

Eschweiler : Väterchen Frost hält die Eschweiler Betriebe nicht auf

Kalt ist es in Eschweiler, bitterkalt. Auch in der Nacht sanken die Temperaturen wieder weit unter den Gefrierpunkt. Etwa Minus 10 Grad Celsius wurden am Dienstagmorgen im Tagebau Inden gemessen. Während sich viele Menschen in beheizten Räumen aufhalten, wird dort natürlich durchgearbeitet. Bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur.

„Der Frost ist nicht so unangenehm wie starker Regen“, meint RWE-Sprecher Guido Steffen. Bei dauerhaftem Niederschlag verwandelt sich der Tagebau nämlich in eine morastige Sumpflandschaft. Dennoch macht den Mitarbeitern die klirrende Kälte zu schaffen.

Bisher haben die Wintertemperaturen in Eschweiler keine Opfer gefordert — zum Glück. Laut Stadtsprecher René Costantini besteht hier nicht das Problem, Obdachlose von der Straße zu holen und vor der Kälte zu schützen. „Dieser Personenkreis ist in Eschweiler in städtischen Unterkünften untergebracht“, teilt er mit. In Großstädten waren sogenannte Kältebusse unterwegs, um Wohnungslose vor dem Kältetod zu schützen.

Keine Verletzten

Auch die Eschweiler Feuerwehr bestätigt, dass bisher noch keine kältebedingte Verletzte gemeldet wurden. Für die Einsatzleitung bedeuten auch extreme Minustemperaturen zunächst kein Problem. Die Einsatzfahrzeuge mit ihren Wassertanks stehen in beheizten Garagen. Auch bei Notfällen ändert sich die übliche Vorgehensweise kaum.

Starker Schneefall führt hingegen eher zu Schwierigkeiten: Nicht nur die Anfahrt wird erschwert, auch der nächstgelegene Hydrant wird vom Schnee verdeckt. „Es ist schon vorgekommen, dass mehrere Feuerwehrleute bei einem Feuereinsatz zunächst nach dem Hydrant suchen mussten“, berichtet Wachleiter Axel Johnen. Die Stellen sind nur grob in Karten markiert.

Damit das Wasser in den Leitungen bei einem Einsatz nicht gefriert, werde es bei starken Minusgraden in Bewegung gehalten. Größere Sorgen bereitet Johnen, dass die Eisschicht auf manchem Gewässer zu Leichtsinn verleitet: „Die Eisdecke ist wegen der schwankenden Temperaturen nicht ausreichend“, warnt er davor, sie zu betreten.

Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler müssen ihre Arbeitspläne deutlich an die Witterung anpassen. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist an Straßenbau nicht zu denken. „Die Mitarbeiter in der Straßenunterhaltung werden bei dieser Witterung in anderen Bereichen der Wirtschaftsbetriebe eingesetzt“, sagt Marie-Antoinette Breil von den WBE. Gearbeitet wird auch bei kalter Witterung draußen in den Grünanlagen, bei der Müllabfuhr oder in der Kanalunterhaltung. Joachim Langner und Kristian Dondorf kontrollieren die Kanäle und Sammler. Schäden werden sofort gemeldet und — wenn möglich — sofort ausgebessert. Gegen die Witterung schützen sie sich mit Wetterkleidung. „Kälte macht uns nichts aus, dagegen kann man sich besser kleiden als gegen Regen“, sagt Langner. In den Kanälen sei es ohnehin von der Temperatur her angenehmer, allerdings rieche es nicht so gut. „Aber auch daran gewöhnt man sich“, sagt er.

Im Tagebau Inden herrscht wie immer Hochbetrieb: Der Bagger mit der Nummer 286 hat seine Antriebskette verloren, dort arbeiten zahlreiche Arbeiter daran, den Stahlkoloss wieder in Betrieb zu bringen. Vor einigen Tagen waren auch wichtige Reparaturen am Bandsammelpunkt zu erledigen. Egal ob Minusgrade, Hitze oder strömender Regen: Die Braunkohle muss im 24-Stunden-Betrieb weiter gefördert werden.

Schichtleiter Dieter Krahe weiß, welche Belastungen bei eisiger Witterung auf sein Team zukommen. Vor allem in der Nacht purzeln die Temperaturen weiter, und der Wind pfeift oft erbarmungslos durch den Tagebau. Das Unternehmen RWE stattet die Mitarbeiter zwar mit Funktionskleidung aus, allerdings dringt auch dort irgendwann die Kälte durch. „Ich bringe dann schon einmal heiße Getränke für die Mannschaft — natürlich ohne Alkohol“, sagt Krahe. Er kümmert sich mit seinen Leuten um die Bandanlagen im Tagebau Inden. Insgesamt 25 Kilometer lang sind sie. Die Trassen bringen Abraum zum Absetzer und transportieren Braunkohle zum Kraftwerk Weisweiler. Zu den Kontrollgängen des Teams um Dieter Krahe zählt auch der Blick auf die zahlreichen Wasserleitungen. Platzt ein Rohr in der Kälte, wird es sofort ersetzt. Um solche Schäden zu vermeiden, lassen die Mitarbeiter nicht-genutzte Rohre leer laufen. In anderen Leitungen hält man das Wasser in Bewegung, damit es nicht zu Eis wird. „Alles lässt sich natürlich nicht verhindern“, berichtet Krahe.

Den Eschweiler Landwirten bereitet die Frostperiode kein Kopfzerbrechen. Zwar ruhen bei Starkfrost die Arbeiten auf dem Feld, „dafür können wir im Innendienst einige Sachen erledigen und die bald beginnenden Arbeiten auf den Äckern vorbereiten“, schildert Landwirt Hubert Mock aus Dürwiß. Er kann dem kalten Winter viel Positives abgewinnen: „Bei diesem Wetter bricht der tiefgefrorene Boden auf und erleichtert uns so die Arbeiten im Frühjahr“, sagt er. Dass die im Herbst gesäte Gerste auf manchen Feldern gelblich schimmert, zeugt zwar von dem Starkfrost, muss aber keinen Ernteeinbruch bedeuten. Wenn wieder Plusgrade erreicht würden, erhole sich das Getreide schnell wieder, ist sich Mock sicher.

Temperaturen steigen

Ob Zeitungsboten, Postmitarbeiter, Müllwerker — sie alle müssen bei Wind und Wetter draußen bleiben. Für sie ist es nur ein schwacher Trost, dass der Kälterekord in diesem Winter offensichtlich schon erledigt ist. In der Nacht auf Dienstag wurde bis zu Minus zehn Grad Celsius gemessen — die Prognosen für die kommenden Tage sagen zwar weiterhin Frost voraus, allerdings steigen die Temperaturen stetig. Allerdings wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass es regnet.