Eschweiler: Urologie: Vater und Sohn prägen Abteilung seit 50 Jahren

Eschweiler: Urologie: Vater und Sohn prägen Abteilung seit 50 Jahren

Als am 1. Oktober 1963 unter der Leitung von Professor Dr. Ludwig Steffens die „urologische Belegabteilung“ Einzug in das St.-Antonius-Hospital Eschweiler hielt, war die gesamte Region in diesem medizinischen Fachbereich noch vollkommen unterversorgt.

Bereits vier Jahre später erfolgte auf Grund des hohen Patientenzuspruchs die Umwandlung in eine Hauptabteilung mit großer Bettenzahl (87). Ein wichtiger Schritt zur Weiter- und Fortentwicklung der Urologie und des gesamten Hospitals. Fünf Jahrzehnte nach der Gründung der Abteilung reicht die Strahlkraft der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St.-Antonius-Hospital inzwischen weit über die Region hinaus.

Prägten die Urologie in Eschweiler: Klinikgründer Professor Dr. Ludwig Steffens (l.) und sein Nachfolger als Chefarzt, Professor Dr. Joachim Steffens (r.), mit dem Geschäftsführenden Vorstand Elmar Wagenbach.

Grund genug für die Verantwortlichen um Chefarzt Professor Dr. Joachim Steffens, der im Jahr 1995 die Nachfolge seines Vaters und Klinikgründers antrat, anlässlich des 50-jährigen Bestehens die Bürger zu einem Tag der offenen Tür einzuladen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und Rückschau zu halten, aber auch einen Blick in die Zukunft zu wagen.

„Das Ziel aller Mitarbeiter dieser Abteilung und Klinik war und ist stets, Medizin auf höchstem Niveau anzubieten“, betonte der Geschäftsführende Vorstand Elmar Wagenbach, bevor er mit Professor Dr. Ludwig Steffens und Professor Dr. Joachim Steffens das Vater-Sohn-Gespann begrüßte, dass die Entwicklung der Urologie und Kinderurologie in Eschweiler maßgeblich geprägt hat und prägt.

So wurde bereits im Jahr 1972 ein urologischer Behandlungstrakt mit vier Operationssälen, Röntgenarbeitsplätzen, einem urodynamischen Messplatz, einem Speziallabor und Diagnostikräumen in Dienst gestellt, der bis heute beste Rahmenbedingungen für die moderne Urologie bereitstellt.

Heute bietet die Klinik für Urologie und Kinderurologie ein umfassendes Spektrum an Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten an, wobei die Behandlung des Prostatakarzinoms einen der Schwerpunkte darstellt. Orientiert an den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft hat die Klinik ein zertifiziertes Prostatakarzinom-Zentrum etabliert.

„Viele Hürden waren zu überwinden“, erinnerte sich Professor Dr. Ludwig Steffens zu Beginn des Tages der offenen Tür. „Ohne die hervorragenden Mitarbeiter, aber auch die Unterstützung von den Bürgern und Patienten könnten wir den Alltag nicht erfolgreich gestalten“, ergänzte Professor Dr. Joachim Steffens. In einem relativ kleinen Ort seien die Wege kürzer, um Probleme zu bewältigen.

„Wir fühlen uns innerhalb des St.-Antonius-Hospitals frei in unserem Wirken und Handeln und sind in einem katholischen Krankenhaus gut aufgehoben“, sprach der Chefarzt lobende Worte in Richtung Geschäftsführung und Krankenhausträger.

Sprechstunden bis 21.30 Uhr

In Gesprächen mit Gästen blickte der Klinikgründer natürlich auch auf die Anfänge der Abteilung zurück. „Ich war seit dem 1. Juni 1962 als leitender Oberarzt der urologischen Klinik des Städtischen Krankenhauses Kempten tätig, als mich ein Schreiben von Dechant Heinrich Kirschbaum, damals Kuratoriumsvorsitzender des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler, erreichte, in dem er ein Angebot zur Gründung der Urologie als vierte Fachabteilung nach der Inneren Medizin, der Chirurgie sowie der Gynäkologie unterbreitete“, so Professor Dr. Ludwig Steffens.

„Ich nahm das Angebot an und der Zustrom an Patienten war immens. Der notwendige Anbau entsprach für damalige Verhältnisse dann auch höchsten Ansprüchen, selbst Verantwortliche von Universitätskliniken haben sich diesen angesehen“, berichtete der Mediziner, dessen Sprechstunden zu dieser Zeit auch schon mal bis 21.30 Uhr dauerten.

Elmar Wagenbach machte deutlich, dass die Klinik für Urologie und Kinderurologie mit ihrem überregionalen Ruf einen wichtigen Baustein des „Gesamtgebäudes St.-Antonius-Hospital“ darstelle. „Ein großer Mosaikstein mit Leuchtkraft“, so der Diplom-Betriebswirt.

Doch vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kliniken mache den Erfolg des Eschweiler Hospitals aus. Die Frage müsse deshalb auch lauten, was das Hospital für die Urologie bedeute, nicht umgekehrt. Nach dem rasanten Fortschreiten der medizinischen Entwicklung in den zurückliegenden Jahrzehnten sei nun jede weitere Nuance in Sachen Weiterentwicklung ein großer Erfolg.

Medizinischer Fortschritt

Was medizinischer Fortschritt bedeutet, konnten die Gäste des Tages der offenen Tür beim Rundgang durch die Klinikräume mit eigenen Augen feststellen. So zeigte eine Ausstellung unter anderem Medizinische Instrumente der Vergangenheit, bei deren Anblick es dem einen oder anderen Betrachter wohl etwas mulmig geworden sein dürfte.

„Die Entwicklung miniaturisierter Instrumente, mit deren Hilfe ein anatomiegerechteres Operieren möglich ist, sowie das bessere Verstehen der Anatomie des Menschen sind wichtige Bausteine des medizinischen Fortschritts“, erklärte Professor Dr. Joachim Steffens. Dieser Fortschritt führe auch zu einer großen Anspruchshaltung der Patienten.

Die Zertifizierung des Prostatakarzinomzentrums durch die Deutsche Krebsgesellschaft sei auch deshalb ein sehr wichtiger Schritt für die Klinik gewesen. „Wer sich dieser Qualitätsprüfung nicht stellt, wird untergehen. Qualität ist heutzutage nämlich messbar“, ist der Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie überzeugt.

(ran)
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