Eschweiler: Unzertrennlich - nicht nur im Reitstall

Eschweiler: Unzertrennlich - nicht nur im Reitstall

Wenn Martina Mainz-Ketteniss und Brigitte Mainz Kinderfotos von sich betrachten, dann wissen sie manchmal selbst nicht, wer wer ist. So ähnlich sahen sich die eineiigen Zwillinge damals. Auch heute werden sie noch regelmäßig verwechselt. „Ist eben so“, sagt Martina Mainz-Ketteniss trocken und lacht.

Allgemein seien sie sich sehr ähnlich, „wir haben einfach den gleichen Geschmack.“ Einen Unterschied sieht sie dann aber doch: „Ich glaube Brigitte ist direkter als ich. Gerade heraus.“ Da bricht ihre Schwester in Gelächter aus. „Ich hätte das jetzt genau umgekehrt gesagt“, sagt Brigitte.

Am Sonntag ist Welt-Geschwister-Tag. Es ist ein junger Feiertag, der 1997 von der Amerikanerin Claudia Evart vorgestellt wurde. Die Amerikanerin hat ihre damals 19-jährige Schwester 1972 durch Autounfall verloren und wenige Jahre später, 1987, ihren Bruder ihren 36-jährigen Bruder durch einen Haushaltsunfall. Mit einer gemeinnützigen Organisation, der „Siblings Day Foundation“, bemüht sich Evart seitdem, dass der Geschwistertag in Amerika politisch anerkannt wird — so wie Mutter- und Vatertag. Der Tag soll Anlass geben, sich zu erinnern und auf die Bedeutung der Geschwister zu besinnen, oder sogar zu Familientreffen.

Einen besonderen Anlass, sich zu treffen, den brauchen Martina und Brigitte Mainz nicht. Brigitte arbeitet täglich mit auf Martinas Reiterhof am Neu-Broicher-Weg in Dürwiß. „Und abends wird immer noch mal telefoniert“, sagt Brigitte Mainz. Whats-App gebe es ja auch noch. Das klingt näher, als sich viele Geschwister sind. Als etwas Außergewöhnliches verstehe sie das nicht, „wir waren einfach immer zusammen.“

Auf den ersten Blick erfüllen die Schwestern weder die Klischees, wie sie etwa von Geschichten wie Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ in die Welt getragen wurden, noch jenen, die Zwillingen sonst so unterstellt werden. Sie haben in der Schule nicht heimlich die Plätze getauscht, um Lehrer zu verwirren, oder sich die Haare gefärbt, um sich von ihrem Zwilling deutlich zu unterscheiden. Trotzdem: Ohne einander zu sein, das könnten sie sich nicht vorstellen, das sagen beide. Und obwohl sie noch zwei weitere Schwestern haben, sie waren sich immer am nächsten. „Das ist kein Geheimnis. Das weiß jeder, auch in unserer Familie“, sagt Martina Mainz-Ketteniss.

Als sie noch klein war, wurde Martina Mainz-Ketteniss von Bekannten und Verwandten oft am Kinn gepackt und ihr Kopf wurde zur Seite gedreht. So konnte überprüft werden, ob sie nun der Zwilling mit oder ohne Leberfleck am seitlichen Kiefer ist. Ihre Zweisamkeit haben die beiden einfach so angenommen. In der Schule saßen sie nebeneinander und sie teilen bis heute ihre Liebe zu den Pferden. Die liege in der Familie, erzählt Brigitte Mainz. Schon der Vater habe Pferde gezüchtet. Als junge Mädchen hätten sie die meiste Zeit im Stall verbracht. „Unsere Eltern hatten es da einfach“, erinnert sie sich daran, dass viele typische Teenager-Phasen, wie etwa erste Party-Erlebnisse, bei den Zwillingen einfach ausblieben: „Wir waren immer im Stall — morgens, mittags, abends.“

Nur fünf Jahre lang habe man sich nicht regelmäßig gesehen. Brigitte Mainz hat von 1991 bis 1996 mit ihrem Mann in Belgien gelebt. Aber so ganz ohne Kontakt — das war nicht möglich. Damals hätten sie jeden Tag telefoniert, um sich über alles, was in ihrem Leben passiert, auf dem Laufenden zu halten: „Für die Zeit war das auch in Ordnung so.“ Aber heute könne sie sich nicht mehr vorstellen, ihre Schwester nicht täglich zu sehen.

Und auch auf dem Hof sei sie nicht zu ersetzen. Martina Mainz-Ketteniss führt den Reitstall mit ihrem Mann, und sie hat auch eine Hilfe eingestellt. Aber wenn ihr Zwilling nicht mitarbeiten würde, dann müsste vieles liegen bleiben. 40 Pferde leben derzeit in ihrem Stall. Sechs gehören ihr, zwei ihrer Mutter und zwei ihrer Zwillingsschwester. Die anderen Tiere sind eingemietet.

Mit einem Fremden könne sie sich eine so enge Zusammenarbeit wie mit Brigitte nicht vorstellen: „Ich denke schon, dass es mit anderen öfter mal Probleme gäbe. Und ich weiß, wie meine Schwester mit den Pferden umgeht.“ Zu der Arbeit mit den Tieren gehöre schließlich viel Vertrauen.

Sicherlich gebe es auch mal Streit. „Und der kann schon heftiger ausfallen, je näher man sich steht“, sagt Brigitte Mainz. Dann würden die Nachrichten per Handy nur so hin und her geschickt. Probleme mit der Arbeit auf dem Hof habe das aber nicht zur Folge.

Den Geschwistertag am 10. April haben die beiden noch nie gefeiert. Was nicht heißt, dass sie sich die Möglichkeit entgehen lassen wollen: „Wir wussten nicht, dass es einen Geschwistertag gibt“, sagt Martina Mainz-Ketteniss. „Dieses Jahr stoßen wir darauf an.“ Und auch die beiden weiteren Schwestern Susanne und Irmgard werden dazu eingeladen. Denn, auch wenn sich die beiden besonders nahe seien, die ganze Familie ist ihnen wichtig.