Eschweiler: Um 17.25 Uhr kommt der erste Bus an

Eschweiler: Um 17.25 Uhr kommt der erste Bus an

Um 17.25 Uhr kamen am Freitag die ersten beiden von drei Bussen aus Hamm an der Steinstraße an. Darin saßen 50 Menschen, davon 26 Kinder, die in Deutschland Zuflucht suchen und in Eschweiler kurzzeitig untergebracht sind.

Sie haben eine Odyssee hinter sich, kamen aus dem Senegal, aus Aserbaidschan, Serbien, Syrien und vielen weiteren Ländern. Nach einer ärztlichen Untersuchung ging es für sie in die eigens dafür hergerichtete Sporthalle Jahnstraße, wo 150 Feldbetten vom Katastrophenschutz der Städteregion aufgestellt sind. Kurzfristig mussten weitere Kinderbetten geordert werden.

wdfwedf Foto: Patrick Nowicki

Mit der Ankunft der Hilfesuchenden in Eschweiler verbinden viele Indestädter Fragen, die nicht nur bei der Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung am Donnerstagabend gestellt wurden. Im folgenden geben wir Antworten.

Seit Dienstag wurde die Jahnhalle zu einer Übergangsstation für Flüchtlinge umfunktioniert: 150 Feldbetten stellten die Hilfsorganisationen und Verwaltungsmitarbeiter dort auf (oben). Im Keller präsentiert Verwaltungssprecher René Costantini den Waschraum mit zwei Trocknern und sieben Waschmaschinen (rechts). Gestern um 17.25 Uhr kam der erste Bus mit Flüchtlingen aus Hamm in Eschweiler an. Foto: Patrick Nowicki

Wieso wird in Eschweiler eine Erstaufnahmestelle eingerichtet?

Die Landeseinrichtungen sind durch die hohe Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, überlastet. Städte über 40.000 Einwohner sind im Zuge der Amtshilfe aufgefordert, 150 Plätze für die Erstaufnahme von Flüchtlingen einzurichten. Die Sachkosten übernimmt das Land NRW. Inwieweit die Personalkosten beglichen werden, wird noch zwischen den Kommunen und dem Land verhandelt.

Wie lange bleiben die Flüchtlinge in Eschweiler?

Dezernent Stefan Kaever geht davon aus, dass die Menschen maximal zwei Wochen in der Jahnhalle Obdach finden. Anschließend werden sie in eine andere Kommune gebracht, wo sie während des Asylverfahrens länger bleiben. In Eschweiler folgt im ehemaligen Gesundheitsamt an der Steinstraße eine ärztliche Untersuchung, die derzeit von Medizinern des St.-Antonius-Hospitals übernommen wird. Die Betroffenen werden der Ausländerbehörde gemelden, erhalten einen Ausweis und das Asylverfahren wird in Gang gesetzt. Wo sie die nächste Zeit verbringen, wird nach dem Verteilschlüssel des Landes und Bundes geregelt, der sich nach der Einwohnerzahl und der Wirtschaftskraft einer Kommune richtet. Eschweiler muss derzeit 0,3 Prozent aller Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen aufnehmen. Für die Dauer der Erstaufnahmestelle werden allerdings keine weiteren Flüchtlinge nach Eschweiler kommen.

Wie werden die Menschen in der Jahnhalle betreut?

Dort sind rund um die Uhr Vertreter der Stadtverwaltung und der Hilfsorganisationen vor Ort. Ein externes Unternehmen wurde beauftragt, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Auch eine soziale und psychologische Erstbetreuung ist gewährleistet. Da die sanitären Anlagen in der Sporthalle nicht ausreichen, wurden zusätzlich vier WC- und Dusch-Container geordert. Im Keller befindet sich ein Waschraum mit zwei Trocknern und sieben Waschmaschinen. Jeden Tag liefert die Küche des Senioren- und Betreuungszentrums drei Mal 180 Essen. Auch die Bediensteten der Stadt werden verköstigt. „Alle haben sich freiwillig gemeldet“, betont Bürgermeister Rudi Bertram. Zur Erstausstattung der Flüchtlinge gehören ein Kopfkissen, eine Decke und Hygieneartikel.

Wo besteht Bedarf an Unterstützung für die Menschen?

Zahlreiche Institutionen sind bereits mit im Boot. In der nächsten Woche sollen weitere Gespräche stattfinden. So kündigte der Kinderschutzbund an, sich um die Kinder und Jugendlichen zu kümmern, die Eschweiler erreichen. Kleidung, Möbel und Spielsachen werden natürlich benötigt. Unterstützung können Ehrenamtler auch als Begleiter zu Behörden oder als Übersetzer leisten. Wer helfen möchte: In der Stadtverwaltung wurde eine Koordinierungsstelle eingerichtet: Telefon 71-524 und 71-508 (zu den Öffnungszeiten des Rathauses).

Wie lange betreibt die Stadt eine Erstunterbringung von Flüchtlingen?

Einen Zeitpunkt kann aktuell niemand nennen. Das Land baut derzeit weitere Einrichtungen, unter anderem auch in Köln. Der Städte- und Gemeindebund fordert das Land dazu auf, 40.000 Plätze zu schaffen, derzeit sind es 12500.

Warum wurde die Jahnhalle als Ort der Erstunterbringung gewählt?

Die Stadtverwaltung entschied sich zu der Lösung, weil dort weniger Vereine und Schulen betroffen sind als in anderen Sporthallen. Zudem sprachen die Nähe zu Schulen, zum ehemaligen Gesundheitsamt, die zentrale Lage und die Ausstattung der Halle dafür. Die betroffenen Sportvereine und Schulen werden übergangsweise in anderen Hallen trainieren und Unterricht halten müssen. „Wir werden schnell Lösungen finden, alle zeigen Verständnis“, sagt Stefan Kaever.

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