Eschweiler: Ulrich Nersinger im Dreierpack: Papstaudienz für einen Schimmel

Eschweiler: Ulrich Nersinger im Dreierpack: Papstaudienz für einen Schimmel

Er kennt sich im Vatikan aus, wie kaum ein anderer: Der Eschweiler Theologe Ulrich Nersinger gehört zu den gefragtesten Interviewpartnern, wenn es um den kleinsten allgemein anerkannten Staat der Welt geht.

Nersinger, Jahrgang 1957, studierte Philosophie und Theologie in Bonn, St. Augustin, Wien und Rom und absolvierte ein Studium am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie und bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Das Mitglied der „Pontificia Accademia Cultorum Martyrum“ ist heute vorwiegend journalistisch und schriftstellerisch tätig.

Tiere im Vatikan

Jetzt hat der unermüdliche Schriftsteller sein jüngstes Werk vorgelegt: „Die Arche Petri. Von großen und kleinen Tieren im Vatikan“ lautet der markante Titel. Auf 96 Seiten erzählt der Theologe aus dem Fundus seiner Kenntnisse des Papsttums und der Kirchengeschichte Historien über große und kleine Tiere im Vatikan. Ob Elefanten, Krokodile und Pferde oder Schlangen, Läuse und Rüsselkäfer — bei Ulrich Nersinger kommen sie alle zum Zug.

Sei es ein Dickhäuter, der Furore macht, eine Audienz für einen Schimmel oder päpstliche Kühe gegen radioaktiven Fallout. Manche der Geschichten sind lustig, andere skurril, überraschend oder erstaunlich. In jedem Falle aber informativ und historisch genau. So erfährt der Tierfreund — und nicht nur dieser — vieles über eine weitgehend unbekannte Seite der Papstgeschichte.

Doch damit nicht genug. Die nächsten Werke Nersingers stehen schon in der Warteschleife. Ende September erscheint sein 120 Seiten starkes Werk „Attentat auf den Glauben. Das Martyrium des Óscar A. Romero”, das bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorgestellt wird.

Das Buch handelt von Óscar Romero, dem Erzbischof von San Salvador, der am 24. März 1980 bei der Feier der Messe getötet wird. Die Tat erschütterte ganz Lateinamerika. Óscar Romero war für die Bewohner San Salvadors ein Mann Gottes, der den Glauben, ob gelegen oder ungelegen, verkündete, ein Hirte, der für sie und ihre Rechte eintrat.

Für sie alle steht fest: Er ist ein Heiliger. Die Kirche El Salvadors ist bemüht, ein offizielles kirchliches Verfahren einzuleiten. Doch der Seligsprechungsprozess stößt auf viele Schwierigkeiten. Fragen nach den Motiven des Mörders und seiner Auftraggeber tauchen auf, kirchliche Kreise sorgen sich um die politische Vereinnahmung eines künftigen Seligen.

Ulrich Nersinger, der selbst an Selig- und Heiligsprechungsverfahren mitgearbeitet hat, führt den Leser kurz und prägnant durch die Geschichte des christlichen Blutzeugnisses und gibt Auskunft darüber, wie das Martyrium in der katholischen Kirche für eine offizielle Anerkennung durch einen Prozess verhandelt wird. Verständlich versucht er den schwierigen Weg aufzuzeichnen, den das Seligsprechungsverfahren Romeros zu bewältigen hatte — und warum der Erzbischof von San Salvador zu Recht als Märtyrer verehrt wird.

Die dritte Neuerscheinung Nersingers folgt im Oktober. In „Dem Glauben auf der Spur. Auf Pilgerschaft in der Ewigen Stadt“ führt der Eschweiler Theologe die Rompilger des kommenden Heiligen Jahres — aber auch diejenigen, die zu Hause das Jubiläumsjahr mitfeiern möchten — an ungewöhnliche Orte der Glaubensgeschichte. Große Kunstwerke und bedeutende Künstler sucht der Leser in diesem Führer vergeblich.

Stattdessen stehen Kirchen und Heiligtümer im Vordergrund, die auf die eine oder andere Weise das Evangelium verlebendigt haben — und es noch immer tun. Nersinger stellt Orte ungewöhnlicher Wunder und bedeutende Reliquien vor, darunter ein antikes Mietshaus, ein Schatz im Untergrund, Hinrichtungsstätten und Kirchen von Bruderschaften. So erfährt der Leser zum Beispiel, warum Polizisten auf päpstlichem Befehl die Türschwelle einer römischen Kirche küssen mussten.