St.-Sebastianus-Schützen: Über 200 Teilnehmer beim Dorfpokalschießen

St.-Sebastianus-Schützen : Über 200 Teilnehmer beim Dorfpokalschießen

Langsam surrt die Schießkarte durch den speziellen Drucker, Bernd Kleemann notiert die Ergebnisse und lehnt sich kurz zurück, bevor die nächsten Teilnehmer des Dürwisser Dorfpokalschießens vom Schießstand zurückkommen. Über 200 dieser Ergebniskarten gehen dieser Tage durch die Hände des erfahrenen Schießmeisters der St.-Sebastianus-Bruderschaft.

Einen offenen Wettbewerb für Jedermann gab es schon lange bei den Dürwisser Schützen, das Dorfpokalschießen in dieser Form findet nun zum 28. Mal statt. Und es hat sich zum Erfolgskonzept für den Verein entwickelt: Aus rund 40 Teilnehmern am Anfang wurden mittlerweile über 200, davon ist immerhin ein Viertel unter 21 Jahre alt. Bemerkenswert, leiden doch viele Schützenbruderschaften unter Nachwuchsmangel. „Wir haben hier meistens Wiederholungstäter“, erklärt Kleemann. Bis zu sechs Teilnehmer befinden sich in einer Mannschaft, die besten Vier kommen in die Wertung, bei der Jugend die besten Drei. Zudem werden alle Einzelergebnisse gemessen.

Für die Vereine aus Dürwiß ist es ein alljährliches Zusammenkommen. Karnevalisten, Fußballer, Läufer, Kegler, Schwimmer, Tennisspieler, Feuerwehrmänner und -frauen, Freundesgruppen und wohltätige Vereine – sie alle sind Kleemann bestens bekannt und werden Wochen vor dem Traditionsschießen eingeladen. Über mehrere Abende haben sie die Möglichkeit, ihre zehn Schüsse mit dem Luftgewehr abzugeben. Da kommt Traditionsflair auf, denn die Seitenspanner sind bereits bis zu 50 Jahre alt.

Ehrgeiz trotz Geselligkeit

Für Sicherheit ist am Schießstand natürlich stets gesorgt: Aktive Mitglieder der Bruderschaft, die selbst von der Teilnahme ausgeschlossen sind, überwachen den Schussbetrieb und helfen besonders Anfängern mit Rat und Tat, damit der Wettbewerb nicht zum Frust wird. „Viele kommen gerne zu ihren traditionellen Zeiten, das planen wir dann mit ein“, so Kleemann. Zwar liegen die verfügbaren Zeiten generell von Montag bis Freitag zwischen 18 und 22 Uhr, „das Licht geht jedoch selten vor Mitternacht aus. Es geht für viele um Geselligkeit und interne Wettbewerbe.“ So ist es beispielsweise bei den Läufern von Germania Dürwiß üblich, dass sie gemeinsam zum Wettbewerb laufen. Die familiäre Atmosphäre bedeute aber nicht, dass der sportliche Ehrgeiz nicht für starke Ergebnisse bei den Amateuren sorgt.

Im Mittelpunkt bleibt aber schlussendlich das Zusammensein im Vereinsheim. Da muss auch mal der ein oder andere Verein einem Mitglied auf dem Heimweg etwas stützend unter die Arme greifen, wie Kleemann und Brudermeister Peter-Heinz Arnolds mit Lächeln und ohne Namensnennung erzählen.

Werbung für das Schützenfest

Gleichzeitig ist das Dorfpokalschießen beste Werbung für das Schützenfest (siehe Info-Box) auf dem dann weitergefeiert werden soll und wo auch am Sonntag die offizielle Ehrung des Wettbewerbs stattfinden wird. Die Sieger kommen auf respektable Ergebnisse: „Wer gewinnen soll, sollte schon auf über 90 Ringe kommen“, so Kleemann, der allerdings auch bestätigte, dass noch nie jemand die perfekte Punktzahl von 100 erreichen konnte. Und so wechseln die Sieger, je nach Tagesform, munter durch. Das sorgt für große Motivation, besonders wenn die Teilnehmer ihren eigenen Fortschritt sehen.

Den ein oder anderen Amateurschützen zieht es dann auch mal zum Probetraining, trotzdem können sich die Sebastianus-Schützen nicht vom bundesweiten Trend befreien. „Wir haben einfach relativ wenig neue Mitglieder. Meistens stützen die Vereine auf Familien: Der Opa war Schütze, dann der Vater, dann der Sohn. Den Nachwuchs aus externen Quellen zu gewinnen funktioniert einfach nicht mehr. Zudem wird das Waffengesetz immer enger geschnürt“, muss Kleemann zugeben. Davon lassen er und sein fest eingespieltes Team sich jedoch nicht demotivieren. „Wir haben eben nicht die Lobby der Karnevalsvereine. Man muss mit denen hinkommen, die da sind. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen“, macht auch Peter-Heinz Arnolds klar. Ein großer Vorteil sei, dass ein großer Teil der Wiese und das Schützenheim Eigentum des Vereins sind. Zudem lässt sich durch die Beteiligung beim Bewerb für Arnolds feststellen: „Das Vereinsleben in Dürwiß funktioniert!“ Und den eigenen Beitrag will die St.-Sebastianus-Bruderschaft noch auf lange Sicht leisten.

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