Trotz Umweltzone weiter hohe Stickoxidwerte in Eschweiler

Grenzwerte werden weiter überschritten: Trotz Umweltzone weiter hohe Stickoxidwerte in Eschweiler

Der Luftreinhalteplan für Eschweiler ist seit Mitte 2016 in Kraft. Allerdings haben sich die Werte an der Messstation an der Indestraße nicht verbessert. Nach wie vor wird der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid in einem Kubikmeter Luft überschritten, wie die vom Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz veröffentlichten Zahlen zeigen.

Zwischen dem 28. Juni und dem 26. Juli dieses Jahres wurde ein Durchschnittwert in Höhe von 47,6 Mikrogramm ermittelt.

Der Technische Beigeordnete Hermann Gödde führt die Zahlen auch auf die Tatsache zurück, dass es im Sommer zu Staus auf der Autobahn 4 gekommen ist und der Verkehr die nicht mehr aktuelle Umleitung über die Indestraße nutzte. Zumindest die Lkw dürfen diese Route seit dem Oktober 2016 gar nicht mehr nutzen, denn für sie gilt ein Fahrverbot auf der Indestraße. Parallel trat auch die Umweltzone in Kraft, die es lediglich Fahrzeugen mit grüner Plakette erlaubt, in das Gebiet zu fahren. „Wir haben auch schon einige Maßnahmen umgesetzt, die der Luftreinhalteplan uns vorgibt“, teilt Gödde mit.

Im Rathaus rechnet zwar derzeit niemand damit, dass es zu Fahrverboten in Eschweiler kommen wird, aber der Maßnahmenkatalog, der langfristig zu einer besseren Luft führen soll wächst. Der Luftreinhalteplan umfasst 17 Maßnahmen. Dazu zählen das Car-Sharing, die Fahrradboxen an den Bahnhöfen und das Mobilitätskonzept. Letzteres trägt den Namen Esklimo (Eschweiler Klimaschutzteilkonzept Mobilität) und soll im kommenden Jahr auf dem Tisch liegen. Erst vor wenigen Tagen wurde es von den Kommunalpolitikern um den Aspekt des Öffentlichen Personennahverkehrs erweitert. Im Herbst wurde der Radverkehr unter die Lupe genommen. Die dort von Bürgern genannten Wünsche sollen zum Teil in die weitere Planung zum Radwegenetz einfließen.

Zahlreiche Fördertöpfe

In dieser Woche hat die Bunderregierung den betroffenen Städten fast eine Milliarde Euro zusätzlich für den Kampf gegenLuftverschmutzung und Diesel-Fahrverbote zugesagt. Schon jetzt greift Eschweiler in zahlreiche Fördertöpfe. Die Stelle der Klimaschutzmanagerin Katharina Schulz wurde mit Mitteln aus der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums finanziert. Sie beschäftigt sich im Rathaus intensiv mit dem Mobilitätskonzept.

Vor allem die Elektromobilität will man in Eschweiler weiter voranbringen. Die Stadt will sich am Projekt „Flottenwende“ beteiligen, in dessen Zug der Baubetriebshof mit elektrobetriebenen Nutzfahrzeugen ausgestattet wird. Parallel soll die Zahl der Ladestationen erhöht werden. „Dazu haben wir auch Partner mit ins Boot geholt“, sagt Gödde. Gemeint sind Energieunternehmen, die sich nicht nur finanziell, sondern auch mit Knowhow beteiligen. Anfang des kommenden Jahres sollen fünf weitere Stationen in Auftrag gegeben werden.

Die Aseag habe zugesagt, ab 2019 auch E-Busse einzusetzen. Die Messstelle des Lanuv befindet sich nur etwa 100 Meter vom Bushof entfernt. Allerdings schränkt Gödde ein, dass es Lieferprobleme gebe und nicht mit Sicherheit gesagt werden könne, wann das Aachener Verkehrsunternehmen die Fahrzeuge erhalte. Verbesserungen verspricht man sich auch vom neuen digitalen Fahrgastinformationssystem und dem nun vollständig barrierfrei gestalteten Bushof. „Dies alles trägt dazu bei, dass die Nutzung der Busse attraktiver wird“, ist sich der Beigeordnete sicher.

Umweltschonende Antriebstechnik

Auch eine andere umweltschonende Antriebstechnik soll in Eschweiler installiert werden. Laut Gödde plant man, sich an einem Landesprogramm zur Beschaffung von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen zu beteiligen. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Reise zu Wasserstoff als Antriebstechnik der Zukunft geht“, meint Gödde. Es bestehe allerdings noch Nachholbedarf bei der technischen Entwicklung.

Konkreter sind die Pläne für die Verbesserung der Radverbindungen. An Rathaus und Hauptbahnhof ist vorgesehen, jeweils eine Mobilstation zu errichten. Sie verbindet verschiedene Wege der Fortbewegung. Am Bahnhof ist ein Fahrradparkhaus vorgesehen, auch E-Zapfsäulen sind in der Planung. Dafür hofft man auf weitere Fördermittel.

Klingt vielversprechend, wenn nicht die Messergebnisse des Landesamtes wären. Die regelmäßigen Werte von über 40 Mikrogramm Stickoxide in der Luft lassen die Hoffnung schwinden, dass die Umweltzone wieder abgeschafft werden kann. Stickstoffdioxid gilt als Reizgas und dringt in die Lunge ein. Dort kann die Schleimhaut gereizt und eine Entzündung ausgelöst werden. Vor allem Kinder, ältere Menschen und Kranke wie Asthmatiker sind betroffen. Außerdem steigt das Risiko, dass sich Lungenerkrankungen verschärfen.

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