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Traditionsfirma Dohle in Eschweiler produziert Industrienähmaschinen

Weltmarktführer aus Eschweiler : Traditionsfirma Dohle senkt Altersschnitt um 20 Jahre

Vor gut zehn Jahren hat die Firma Dohle erkannt, dass sie vor einem großen Problem steht. Die Belegschaft war schlicht zu alt, viele Arbeiter standen kurz vor der Rente. Dann kam dem Unternehmen aus Nothberg, das ein Weltmarktführer ist, eine clevere Idee.

Die industriellen Nähmaschinen der Firma Dohle schaffen es, große Teppiche und Kunstrasen ohne erkennbare Naht zusammenzuführen. Nahtlos eben. Das zeichnet das Nothberger Traditionsunternehmen aus, auch im übertragenen Sinne. Dohle hat es nämlich geschafft, dass die Firma nach rund 150 Jahren nicht plötzlich ohne genügend Mitarbeiter dasteht. „Wir haben gemerkt, dass wir auf ein großes Problem zusteuern“, sagt Hendrik Dohle.

Der 50-Jährige ist seit 2000 der Geschäftsführer. In der Dohle-Dynastie ist er die siebte Generation, die das Unternehmen führt, das 1870 in Aachen entstanden ist. Seit 1955 ist es an der Zechenstraße. Auf der Welt hat es wenige, in Deutschland keine Konkurrenten. Auch das zeichnet Dohle aus. Das Problem, das der Chef meint, war das durchschnittliche Alter der Belegschaft, vor gut zehn Jahren ist das Thema geworden. Damals war es so, dass viele Angestellte es nicht mehr weit bis zum 63. Geburtstag hatten. Rentenalter. „Das hat unsere Lage anfangs erschwert“, sagt Hendrik Dohle, „aber dann hat uns die Rente mit 63 nur Vorteile gebracht.“

Das Unternehmen hat Nachwuchs gesucht, was nicht immer einfach war, aber noch nicht so schwierig wie heute, findet Hendrik Dohle. Anstatt zu wenig Personal, hatte die Firma zwischenzeitlich sogar zu viele – ein nahtloser Übergang der Generationen. Grund: „Wir haben die Älteren noch auf 450-Euro-Basis angestellt, damit sie die Neuen beim Wissenstransfer begleiten“, erklärt Dohle. Das habe auch dazu geführt, dass die jungen Mitarbeiter schneller selbstständig geworden seien. Zwei, drei Jahre Zeit hat sich das Unternehmen gegeben. Das Konzept habe die Belegschaft selbst erstellt, ohne externer Berater. Die letzten drei Auszubildenden hat Dohle übernommen, heute verdienen 30 Beschäftigte dort ihr Geld. Das sind mehr als vor zehn Jahren, geplant war das aber nicht.

Industrielle Nähmaschinen der Traditionsfirma Dohle aus Nothberg schaffen es, große Teppiche ohne erkennbare Naht zusammenzuführen. Foto: ZVA/Carsten Rose

„Den Altersschnitt haben wir quasi um 20 Jahre nach vorn verschoben“, sagt Rainer Müller. Der gelernte Feinwerkmechaniker ist mit 37 Jahren einer derjenigen, der Teil des Umbruchs war. Mit den computergesteuerten Fräsmaschinen fertigt Dohle – wo nur in der Frühschicht gearbeitet wird – sowohl Teile für neue Nähmaschinen als auch Ersatzteile für bereits ausgelieferte. Es kann sogar vorkommen, dass die Nothberger Firma Ersatzteile für Maschinen in die Welt verschickt, die weit vor der Jahrtausendwende gebaut wurden. „Unsere Maschinen halten eher Jahrzehnte als Jahre“, sagt Rainer Müller. „Und sie werden wartungsärmer.“ Es sei wie bei Autos: Die Lebensdauer der Maschinen hängt vom Gebrauch ab. Es gibt welche, die machen nur 30 Stiche am Tag, andere machen bis zu 1000.

Seinen Chef macht es natürlich stolz, dass sich die Firma mit seinem Familiennamen Weltmarktführer nennen darf. Über den Umsatz möchte Hendrik Dohle aber nicht reden. Es ist aber nicht so, dass es der Firma an der Zechenstraße anzusehen ist, dass sie ein Weltmarktführer ist. Das Gebäude hat noch den Charme der 50er, die Einrichtung ist schlicht und rustikal, in der Fertigungshalle stehen unter anderem noch Fräsmaschinen aus den 90er Jahren. Ist eine Expansion denn nie Thema gewesen? „Nun, der weltweite Markt ist nicht so groß, um expandieren zu müssen“, sagt Hendrik Dohle leicht schmunzelnd. „Daher diversifizieren wir unsere Produkte stetig im kleinen Rahmen und schauen nach neuen Märkten.“

Wenn der Geschäftsführer über seine Firma spricht, dann fällt auf, dass er über deren Stellung und Größe nur dann redet, wenn er danach gefragt wird. Er betont lieber, dass er die Stärken seines Unternehmens in der „individuellen Kundenbetreuung“ von Beratung bis Lieferung einer Nähmaschine sieht und in der Belegschaft. „Ich lege unglaublich viel Wert auf unsere Mannschaftsstärke“, sagt Dohle. Die hat, so zeigt die jüngste Geschichte, zum Erfolg und Bestand der Firma beigetragen. Außerdem hat er die jetzige Belegschaft noch länger um sich. Bis zum Rentenalter dauert es bei den meisten noch viele Jahre.