Keine Spur von Müdigkeit: Tommy Engel erntet Begeisterung für neue Songs

Keine Spur von Müdigkeit : Tommy Engel erntet Begeisterung für neue Songs

„Eiiiischwiele“, er lernt die richtige Aussprache noch, der Stammgast aus Köln, der urkölsche Troubadour aus Sülz, der Musiker aus Leib und Seele. Keine Frage, Tommy Engel kommt gerne an die Inde, wo seine Hits Wort für Wort mitgesunden werden, er aber auch auf offene Ohren für seine neuen Werke wie „Dat kölsche Songbook“ trifft.

Mit seiner Band präsentierte Engel am Freitagabend in der Realschule Patternhof ein abwechslungsreiches Repertoire aus eingekölschten Coversongs und Evergreens aus Bläck Fööss-, LSE- und natürlich Solo-Zeiten.

Dass Tommy Engel über scheinbare Belanglosigkeiten wie das Wetter plaudert, verzieh ihm sein Publikum in der ausverkauften Realschul-Aula schnell, schließlich hat er es nun einmal lieber „wenn et Sommer ess“. Überhaupt lässt der Bühnenroutinier, keine Spur von Müdigkeit aufkommen, sondern scheint einen Abend wie diesen regelrecht aufzusaugen. Da darf es gerne auch ein augenzwinkerndes Wortgefecht mit der Dame aus der ersten Reihe sein, die ihrem Idol mitteilte: „Spell ens jet von de Bläck Fööss!“. Keine Sorge, die Klassiker „Ming eetste Fründin“ und „En unserem Veedel“ sollten zu Gehör gebracht werden.

Doch zuvor gönnte sich der Musiker mehrere Ausflüge zu Song-Meilensteinen des Rock, Pop und auch Jazz, aber alles natürlich im kölschen Sprachgewand: Ben E. Kings „Stand by me“ wird dann zu „Noh bei mir“ und Tina Turners „I cane_SSRqt stand the rain“ zu „Isch stonn he im Rään“. Dank des dynamischen Beats seines Schlagzeugers Alex Vesper und Bassisten Hans Maahn gehen die Songs des aktuellen Albums direkt in Bauch und Beine.

Tommy Engel ist ein musikalischer Weltbürger im Minikosmos Köln und seine Hit-Cover gelten seit jeher als Ritterschlag für Musikerkollegen. Doch eine Musikerkollegin verehrt Engel bis heute ganz besonders. Bei Trude Herrs „Die Stadt“ merkte man, wie sehr der begnadete Sänger seine verstorbene Musikerfreundin vermisst. Sie sei stets unbequem gewesen, ließ Engel wissen.

Und auch er selber hat mit musikalischen Statements wie „Dummer nit esu“ oft genug politisch Stellung bezogen. Doch diese Facette scheint dem Songwriter mittlerweile zu kompliziert zu werden, erschien seine Bemerkung über die auf ihn als Kölner befremdlich wirkende Großmoschee-Einweihung durch den Ministerpräsidenten der Türkei etwas unbeholfen und ein Vergleich mit der Wiener Türkenbelagerung nicht sonderlich witzig. Dennoch erfuhr Engel mit seinen Aussagen Verständnis, mit seinen Songs hingegen pure Begeisterung aus seinem Publikum.

(vr)
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