Eschweiler: Tommy Engel: Ein Stück Kölle zu Gast in der Realschule

Eschweiler : Tommy Engel: Ein Stück Kölle zu Gast in der Realschule

Wenn Tommy Engel auf Einladung des Talbahnhof- Teams nach Eschweiler kommt, dann bedeutet das in der Regel eine ausverkaufte Realschul-Aula, ein im wahrsten Wortsinne begeistertes Publikum und die immer wieder gern erlebte Wiederauflage der vielbeschworenen Seelenverwandtschaft zwischen Dom- und Indestadt.

Vor einer wie bereits im Vorjahr komplett ausverkauften Kulisse sang sich Engel am Samstag über zwei Stunden lang durch sein reichhaltiges Repertoire. Eigentlich war es dabei völlig gleich, ob er bekannte Bläck-Fööss-Standards zum Besten gab, die legendären Songs seines „LSE“-Projektes oder Nummern aus der Feder völlig anderer Komponisten. Der Charme und die Gesangsqualitäten Engels sind die konzeptionelle Klammer, die ein derart breites Spektrum spielerisch zusammenhält.

Mit der kölschen Version von Ben E. Kings Evergreen „Stand by me“ eröffneten Tommy Engel und seine Band den Abend. In dieser Combo bewegen sich seit Jahren ausnahmslos hochgradige Instrumentalisten und Sänger, die sich authentisch an so gut wie jedes musikalische Material heranwagen können. Selbst an einen Song wie „Ävver et Hätz bliev he in Kölle“, das ja bekanntlich ursprünglich von den Höhnern und Stefan Raab eingespielt wurde.

Zu dem mittlerweile aus der Medienlandschaft verschwundenen Metzgerssohn und TV-Vermarktungsexperten hat Tommy Engel offensichtlich ein ganz besonderes Verhältnis. Und Fernsehen mag er nach eigenem Bekunden auch nicht so sehr. Immerhin sei man ja nicht wegen des schnöden Mammons nach Eschweiler gekommen: „Wir sind die Menschen, die Musik machen und Spaß haben wollen.“ Das klang trotz des Engel‘schen Augenzwinkerns und der Lacher im Publikum irgendwie glaubhaft.

Mit einem Augenzwinkern

Engel machte von Anfang an auch deutlich, wie sehr er es mag, zwischen den Songs mit seinem Publikum zu sprechen. Hier eine süffisante Anekdote, da ein kleiner Seitenhieb auf die aktuelle Kölschrock-Inflation im Musikgewerbe: „Nein, denen überlasse ich die Bühne noch lange nicht.“ Aber es waren eben nicht nur die amüsanten Hintergründe, die gut ankamen, sondern auch die bewegende Geschichte von Willi Ostermann, der 1936 im Sterbebett die Kölsche Nationalhymne „Heimweh nach Kölle“ hinterließ.

Ähnliches galt auch für Lieder wie „Ming Stadt“ oder „Niemals geht man so ganz“ von Trude Herr, die aus dem Leben gerissen wurde, bevor sie wie geplant im Kölner Millowitsch-Theater eine mehrwöchige Show mit den Bläck Fööss realisieren konnte. Das war einfach nur sehr gefühlvoll, ohne jedes Anzeichen von Klebrigkeit und der eine oder andere Zuschauer am Samstag verdrückte sich an dieser Stelle des Programmes schon ein Tränchen.

Aber es ging natürlich auch anders. Wie etwa die mit jeder Menge Rock‘n‘Roll aufgeladene Version von Hans Knipps legendärem „Ne Besuch im Zoo“ oder „Dummer nit esu“, wobei die Zuschauer beherzt mitklatschten. Wie Tommy Engel es mehrfach sagte, Kölsch ist eine tolle Sprache mit eigener Grammatik und einem unerreichten emotionalen Ausdrucksvermögen.

Da bleibt auch der Eschweiler nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen, obwohl er aus Kölner Sicht ja geradezu im „Outback“ lebt. Nun gut, Kängurus und Eukalyptusbäume gibt es in unserem Hinterland nicht, aber da war sie schließlich wieder, die auf eine bestimmte Art magische Verbundenheit zwischen den Dom- und Indestädtern, in der man sich vom großen rheinischen Nachbarn ohne Groll auch mal eine verbale Spitze gefallen lässt.

Puccini-Parodie

Derweil steuerte Tommy Engel sicher auf die musikalischen Höhepunkte des Abends zu. Ob mit Bademantel als halbseidener „Sauna Boy“ oder als „Kölsche Zucchero“ mit einer Mordsvariante von „Senza una donna“. Längst hatte der Entertainer vom Rhein sein Publikum um den Finger gewickelt. Von der Walzer-Seeligkeit des Bläck-Fööss-Klassikers „Ming eetste Fründin“ bis in den Bonus-Teil mit John Miles „Music was my first love“ und der Puccini-Parodie „Een Tässche Doornkaat“ blieb Tommy Engel seinem Konzept treu: toll gesungen, unterhaltsam vorgetragen und immer mit dem ehrlichen Blick auf das Publikum.

Das stand spätestens seit der ersten Zugabe euphorisiert aufrecht, sang lauthals mit und entschwand schließlich zu später Stunde mit dem emotionalen „In unserem Veedel“ in den Ohren glückselig in einen erneut hoch unterhaltsamen Köln-Eschweiler Herbstabend.

(psi)