Eschweiler: „Toleranz“ wird am Berufskolleg großgeschrieben

Eschweiler : „Toleranz“ wird am Berufskolleg großgeschrieben

Respekt und Toleranz — zwei Begriffe, denen in den aktuell in vielfacher Hinsicht aufgeregten Zeiten wohl noch mehr Bedeutung zukommen muss als ohnehin. Doch was bedeuten diese Worte konkret und wie lassen sie sich mit Leben füllen? Fragen, mit denen sich zahlreiche Schüler des Berufskollegs Eschweiler bildungsgang-übergreifend beschäftigten und beschäftigen.

Doch mit im Boot des Projekts, das Lehrerin Christina Knott bereits vor Jahren ins Leben rief, als rechtsradikale Gruppierungen in Eschweiler Fuß zu fassen drohten und sich ein breites Bündnis dagegen bildete, sitzt die gesamte Schulfamilie des BKE.

„Toleranter Umgang“

Im vergangenen Jahr übergab Christina Knott die Projektleitung an ihre Kollegin Daniela Pütz, die unterstützt von der Schulleitung mit Schulleiter Thomas Gurdon und dessen Stellvertreter Christoph Happe sowie unter anderem Lehrerin Melanie Sawizki und Alexandra Redder aus der Verwaltung das Ziel verfolgt, „mit der Realisation verschiedenster Aktionen einen fortbestehenden respektvollen und toleranten Umgang am Berufskolleg in Eschweiler zu fördern“. Eine dieser Aktionen, die nun unmittelbar vor dem Abschluss steht, ist die kreative Visualisierung der Begriffe „Respekt“ und „Toleranz“ in Form großformatiger Schriftzüge, die in Zukunft die Eingangsbereiche des Haupt- und des Nebengebäudes zieren und weithin sichtbar sein werden.

Doch was verbinden die Schüler des Berufskollegs mit den Begriffen? Der gebürtige Afghane Homayou Moradi, der im Iran aufwuchs und vor drei Jahren nach Deutschland kam, erklärt, dass sich sein Verständnis des Wortes „Respekt“ in jüngerer Vergangenheit verändert habe: „Ich verstehe nun, dass Menschen unterschiedlichster Kulturen, verschiedenster Sprachen, Religionen und Weltanschauungen Respekt verdienen. Und zwar unabhängig von Geschlecht oder Alter. Auch Kinder haben Rechte!“

Mitschülerin Maria-Eirini Kourzoglou fühlt sich am Berufskolleg respektiert und vertritt die Auffassung, dass jeder seine Mitmenschen zunächst so akzeptieren solle, wie sie sind. Und Toleranz? Daniela Pütz macht deutlich, dass die wörtliche Übersetzung dieses Begriffs „erdulden“ laute. „Ich muss meinem Gegenüber eine eigene Meinung zubilligen, diese aber keinesfalls teilen“, erklärt die Pädagogin, für die die Toleranz der Türöffner in Richtung Respekt darstellt. „Toleranz ist die Grundlage jeder Gesellschaft.

Ohne sie ist eine Gesellschaft nicht überlebensfähig“, ergänzt Schüler André Bunke. Alexandra Redder versteht unter Respekt auch die Achtung aller Lebewesen und ist bemüht, jedem Mitmenschen zunächst einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Eine Sichtweise, der sich Thomas Gurdon vorbehaltlos anschließt: „Wir erwarten von unseren Schülern Toleranz und schenken ihnen Grundrespekt.

Darüber hinaus kann man sich durch bestimmte Verhaltensweisen Respekt verdienen, ihn durch eigenes respektloses Verhalten aber auch wieder verlieren“, unterstreicht der Schulleiter. Somit sei der Umgang mit den Begriffen Respekt und Toleranz „eine durchaus schwierige Kiste“. Homayou Moradi bringt schließlich einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Jedem Menschen sollte bewusst sein, dass er von anderen Meinungen auch lernen kann!“

(ran)