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Eschweiler: Tödlicher Unfall könnte sich wiederholen

Eschweiler : Tödlicher Unfall könnte sich wiederholen

An Heiligabend vor zwei Jahren starb in der Siedlung Vöckelsberg ein 78-jähriger Rentner an Kohlenmonoxidvergiftung.

Das Badezimmer in seinem Reihenhäuschen an der Danziger Straße war nicht ausreichend belüftet - möglicherweise ein Baufehler, den der Schornsteinfeger hätte bemerken müssen. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft läuft immer noch.

Gibt es weitere Häuser, die nach der gleichen Art gebaut sind? Wo die Bewohner ebenfalls in Lebensgefahr schweben? Was hat die Stadt seit dem tragischen Tod des Mannes getan?

Bei dem Unglücksfall am 24. Dezember 2001 hatte sich ein Ehepaar im Badezimmer seines Hauses aufgehalten. Die Gastherme lief, um Badewasser zu erhitzen. Durch einen nicht ausreichenden Lüftungsverbund, so der bisherige Kenntnisstand, drang das geruchlose Kohlenmonoxid in das Badezimmer ein. Die Frau konnte noch gerettet werden, sie lag mit dem Kopf dichter an den Lufteinlass in der Badezimmertür. Ihr Mann starb.

Wie konnte das Unglück passieren? Nach Ansicht von Hinterbliebenen waren die Lüftungsschlitze in der Badezimmertür zu gering bemessen, auch die Schornsteine seien nicht hoch genug gewesen. Die Stadt spricht von einem Zusammentreffen mehrerer verhängnisvoller Umstände.

80 Häuser gefunden

Seitdem hat die Stadt Eschweiler sich intensiv bemüht, ähnliche Häuser ausfindig zu machen und die Eigentümer zu warnen. Dennoch gibt es immer noch Häuser, bei denen sich ein solches Unglück wiederholen könnte, weiß die Bauaufsicht der Stadt.

Gleich nach dem Unfall, am 12. Januar 2002, hatte die Bauaufsicht alle Bewohner ähnlich gebauter Häuser im Bereich Vöckelsberg angeschrieben, vor der Gefahr gewarnt: „Im Bad dieses Gebäudes ist noch eine ältere Gastherme ohne Rückschlagventil im Abgaskanal vorhanden.” Bei baugleichen Häusern - die Siedlung war von der „Treufinanz” errichtet worden - sei unbedingt auf ausreichende Lüftung zu achten. Außerdem sei es ratsam, alle Anlagen von Fachleuten überprüfen zu lassen.

Die Resonanz war eher mager. Daraufhin suchte die Stadt das Gespräch mit der Schornsteinfeger-Innung, baten um Mithilfe. Die Schornsteinfeger sollen alle Häuser mit baugleichen oder ähnlichen Anlagen ermitteln, nicht nur in der Siedlung Vöckelsberg.

Es seien 80 Häuser im Stadtgebiet gemeldet worden, teilte Stadtsprecher Stefan Kaever mit. Die Eigentümer dieser Häuser wurden angeschrieben, Begehungen mit einem Schornsteinfeger oder einem Installateur vereinbart.

Bestandsschutz

Zu einem Umbau zwingen kann man die Eigentümer aber nicht. Denn für die alten Anlagen gibt es Bestandsschutz. Deswegen hat die Stadt Eschweiler sich im September 2003 an das zuständige Landesministerium gewandt, mit der Bitte, die Richtlinien zu ändern.

Die Schornsteinfeger stellten im Stadtgebiet drei Häuser fest, bei denen sie eine deutliche Gefahr sehen. Alle drei Eigentümer lehnten bisher einen Umbau ab, obwohl es Mängelmeldungen der Schornsteinfeger gab. Gegen diese drei Hauseigentümer will die Stadt jetzt mit Ordnungsverfügungen vorgehen.

Die Hinterbliebenen wissen bis heute nicht, ob die Gastheme und die Bauart des Hauses den 2001 gültigen Bestimmungen entsprach. Hätte die zuständigen Schornsteinfeger damals wissen müssen, dass die Anlagen gefährlich sind?

Noch sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in dieser Sache nicht abgeschlossen. Zwischendurch sei überlegt worden, das Verfahren einzustellen, versichert die Tochter des damals Verstorbenen. Sie habe das als Nebenklägerin abgelehnt.