Eschweiler - Tiefe Trauer: Päulchen schwenkt Fahne nun im Himmel

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Tiefe Trauer: Päulchen schwenkt Fahne nun im Himmel

Von: Patrick Nowicki
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Paul Bonn an der Spitze des Rathaussturms am Karnevalssamstag 2017: Das Eschweiler Original starb nun mit 89 Jahren. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Noch vor wenigen Wochen haben wir beide darüber gesprochen, wie er den Rosenmontagszug als Fahnenschwenker anführt. „Jong, vüür disch donn isch dat jäär“, sagte er. So wie seit Jahrzehnten. Immer an der Spitze, auch in hohem Alter. Er gehörte zum Rosenmontagszug und zu Eschweiler wie der Dom zu Köln.

Doch Paul Bonn, von allen nur liebevoll Päulchen genannt, lebt nicht mehr. Sein Herz hörte am Donnerstag im Alter von 89 Jahren auf zu schlagen.

Päulchen erblickte an der Hüttenstraße in Röthgen das Licht der Welt. Mit zwei weiteren Geschwistern wuchs er auf, der Zweite Weltkrieg riss auch seine Familie auseinander. Sein Bruder fiel, er selbst geriet in Gefangenschaft, kehrte jedoch früh wieder nach Eschweiler zurück. Von seinem Vater übernahm er den Job beim Eschweiler Bergwerks-Verein. In Alsdorf arbeitete er in Anna 1 unter Tage. Viereinhalb Jahre lang, ehe er als EBV-Arbeiter am Ofen stand. Im Jahr 1987 ging er in den Ruhestand.

Doch untätig war Päulchen nie: In der Eishalle half er aus, schliff den Eishockey-Cracks die Kufen ihrer Schlittschuhe. „Der Amerikaner, der wollte nur zu mir“, erzählt er stolz. Der „Amerikaner“, das war Kerry Goulet, der kanadische Publikumsliebling der Grizzlys, als die Mannschaft noch Woche für Woche über 1000 Zuschauer in die Eishalle lockte.

Ein Foto zeigte Goulet mit Päulchen. Arm in Arm. Damals, als Jugendlicher, lernte ich Paul in der Eishalle kennen. Verschmitzt grinste er mich an und reichte mir meine Schlittschuhe nach dem Schleifen mit den Worten: „En die ierschte Kurv mosste oppasse, isch han die extra schärep jemaat.“

Viele Erinnerungen hütete er in seinem Zimmer im Senotel, wo er jahrelang wohnte: Bilder zeigten ihn mit der Kölner Mundart-Band „De Räuber“ und natürlich bei zahlreichen Auftritten mit der Fahne, seinem Wahrzeichen. Unmittelbar nach dem Krieg hatte er mit diesem Hobby bei der St.-Rochus-Schützenbruderschaft Röthgen begonnen. Päulchen übte fleißig, fast täglich packte er seine Fahne aus und trainierte Tricks.

„Man muss den Leuten ja was bieten“, sagte er. Die Mühe lohnte sich, denn er war schnell gefragt bei Festen und vor allem bei Umzügen. Seit den 50er Jahren marschierte er im Rosenmontagszug mit – immer vorneweg. Seit Jahrzehnten zierte das Stadtwappen seine Fahne. Sie stand in seinem Zimmer im Senotel, fast täglich nahm er sie in die Hand.

Der Tod seiner Frau Elisabeth im Jahr 2007 hat ihn schwer getroffen. „Die war immer für mich da, kümmerte sich um alle Schreiben und regelte alles zu Hause“, sagte er. 55 Jahre lang waren die beiden verheiratet. Liebevoll blickte er auf ihr Bild, das eingerahmt in seinem Zimmer stand, wenn er über sie sprach.

In den vergangenen Monaten war es um Päulchen gesundheitlich nicht mehr gut bestellt – aber wenn man ihn auf Karneval ansprach, funkelten seine Augen auf. „Jong, maach disch kenn Sorje, isch ben Ruusemondach doh“, waren seine letzten Worte zu mir kurz vor Weihnachten. Paulchen wird an Rosenmontag vom Himmel aus auf seine Stadt hinabblicken, die ihm so viel bedeutet und der er so viel gegeben hat.

Wer Päulchen auf seinem letzten Weg begleiten möchte: Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul am 31. Januar um 12.15 Uhr wird er auf dem Friedhof Dürener Straße beigesetzt.

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