Eschweiler-Kinzweiler: Therapiehund: Tierisch gut sprechen lernen mit Higgins

Eschweiler-Kinzweiler: Therapiehund: Tierisch gut sprechen lernen mit Higgins

Er geht regelmäßig in die Kindertagesstätte. Nichts Besonderes — Higgins ist ja auch erst 20 Monate alt. Doch was Besonderes. Denn Higgins ist ein Australian Shepherd. Und die Kita Katharina Fey in Kinzweiler ist sein Arbeitsplatz. Higgins ist ein Logopädiehund.

Der Vierbeiner ist dabei, wenn Frauchen Petra Laven ihren Schützlingen beim Sprechenlernen hilft. Aber, so viel stellt Logopädin Laven gleich klar: Higgins ist ein Therapie-Begleithund, „die Logopädin bin ich immer noch selbst“. Seinen Job macht der Hund trotzdem richtig gut: Er erleichtert ihr die Arbeit ungemein. Wenn er dabei ist, dann ist er für Laven so etwas wie eine „Brücke“, Therapeutin und Kind können sich über ihn unterhalten. „Die Sprechbereitschaft ist viel höher. Die Kinder fragen ganz viel von sich aus“, sagt sie.

Die Leiterin der Kita Katharina Fey: Gabriele Joswig.

So vergehen die logopädischen Sitzungen wie im Fluge. Die Kinder merken kaum, dass das, was sie gerade machen, eigentlich ein Therapiesitzung ist. In der heilpädagogischen Kita Katharina Fey sind viele Kinder, die schon seit ihrer Geburt in logopädischer Behandlung sind. Einer Therapie verweigern sie sich, sie sind der Sache überdrüssig. Ein Beispiel: Zur Stärkung der Mundmotorik und um zu lernen, wie man Luftströme richtig lenkt, müssen die Kinder oft „Watte pusten“. Ein Mädchen habe sich immer verweigert. Als sie nun Hundeleckerchen über den Tisch pusten sollte, damit Higgins rankommt, legte sie sich plötzlich richtig ins Zeug. „Die Kinder tun das dann nicht mehr für die Therapie, sondern für den Hund. Sie kommen in die Rolle des Versorgers“, sagt Laven. „Die Kinder denken gar nicht darüber nach, ob sie eine logopädische Übung machen. Sie wissen nur, dass der Hund versorgt werden muss.“ Und um Higgins kümmern sie sich immer gern.

Das alles funktioniert natürlich längst nicht mit jedem Vierbeiner. Petra Laven hat sich den Hund schon aus einem Wurf Welpen ausgesucht. Dann haben Hund und Halterin sich beim Münsteraner Institut für tiergestützte Therapie ausbilden lassen. Zwei Blöcke Theorie hat Laven allein gemeistert, bei zwei Praxisblöcken war Higgins dabei. Am Ende standen schriftliche und praktische Prüfungen. Jetzt sind Petra Laven und ihr Hund ein zertifiziertes Therapie-Duo. Wichtig ist nicht nur, was Higgins während der Therapie macht, sondern auch, was er nicht macht. Sind Kinder ängstlich oder haben sie einen schlechten Zugang zu dem Tier, dann liegt er einfach still da und lässt Laven in Ruhe arbeiten. Gute Erziehung eben.

Petra Laven verbringt viel Zeit mit Higgins — auch nach Dienstschluss. Denn Australian Shepherds wollen gefordert werden. Eigentlich für die Hütearbeit gezüchtet, brauchen sie geistige und körperliche Herausforderungen. „Higgins nimmt meine ganze Freizeit in Anspruch“, sagt Laven. Nach der Arbeit geht es raus — und dann ist die Ausdauer des Hundes gefordert.

In der Kita ist der sportliche Vierbeiner dann friedlich. „Manchmal merkt man gar nicht, dass er da ist. Er stellt hier nicht alles auf den Kopf“, sagt Kita-Leiterin Gabriele Joswig. Higgins ist meistens mit Petra Laven im Logopädieraum. Da kann er auch mal alleine bleiben. Kinder mit Allergien oder Angst vor Hunden brauchen sich also nicht extra in Acht zu nehmen.

Und im Logopädieraum ist es meistens auch ziemlich ruhig. „Wenn man den Kindern sagt, dass sie nicht so laut sein sollen, weil das dem Higgins sonst in den Ohren wehtut, dann sind sie ruhig“, sagt Joswig. Und überhaupt — ein Hund bringt noch ein paar praktische Vorteile mit sich. In Sachen Wahrnehmung lernen die Kinder etwas, wenn sie mit Fell, Sabber und Futterkrümel in Berührung kommen. „Sonst sind viele sehr empfindlich, aber das macht ihnen nichts aus“, sagt Laven. Auch Präpositionen lernen die Kinder mit Higgins tierisch gut. Laven braucht nur zu fragen, ob der Hund auf, neben oder unter dem Stuhl sitzt — die richtige Antwort kommt bestimmt.

Seit Juni kommt der Hund nun in die Kita. „Das ist ein totaler Erfolg, schon nach so kurzer Zeit“, sagt Laven. Und dabei steht immer die logogpädische Arbeit im Mittelpunkt. Laven: „Es geht nicht darum, jemanden zu bespaßen, sondern darum, die Therapieziele zu erreichen. Und die erreiche ich mit Higgins leichter und schneller.“

Mehr von Aachener Zeitung