Eschweiler-Bergrath: Theatergesellschaft „Fröhlichkeit“: Zu Hochzeiten besser als der FC Bayern

Eschweiler-Bergrath: Theatergesellschaft „Fröhlichkeit“: Zu Hochzeiten besser als der FC Bayern

Sascha Krauß zieht gerne Parallelen zu Fußballklubs, wenn er über „seinen“ Verein spricht. „Wir hätten zu Bestzeiten den FC Bayern schlagen können“, sagt er und erinnert auch an Zeiten, in denen inzwischen verstorbene Männer wie der langjährige Vorsitzende Jakob Brüsseler oder Fritz Wilke die Fahne der Theatergesellschaft „Fröhlichkeit“ hochgehalten haben.

Diese Tradition muss fortgeführt werden, da sind sich die Mitglieder einig. Und genau das ist auch einer der Hauptgründe, warum sich die „Fröhlichkeit“ vor zwei Jahren wieder zurückgemeldet hat und eben nicht auf immer und ewig hinterm Vorhang verschwunden ist.

Von Aufhören war einmal die Rede, „aber wir fühlen uns gar nicht autorisiert, diese altehrwürdige Gesellschaft aufzulösen. Das wäre so, als ob man ein 150 Jahre altes Buch einfach ins Altpapier schmeißen würde“. Und um es mit den Worten von Regisseur Krauß zu sagen: Der Club spielt sich gerade von der Regionalliga wieder nach oben.

Vom letzten Tiefpunkt hat sich die Theatergesellschaft längst erholt, und jetzt feiert die Gruppe sogar Geburtstag: Stolze 110 Jahre trägt die alte Dame „Fröhlichkeit“ auf ihrem Buckel, und außer den üblichen Altersspuren und überstandenen Wehwehchen geht es der „Grande Dame“ richtig gut. „Das 200-jährige Bestehen werden wir aber sicherlich nicht erleben“, sagt Petra Grün und lacht. Wer weiß…

Die Vorsitzende und der Regisseur sitzen im Wohnzimmer von Krauß, vergleichen Theater mal mit Fußball, dann mit einem Marathon. „Jeder Mensch sollte ein Hobby haben und Theaterspielen, das ist eben unser Hobby. Marathon mache ich noch nicht, aber das hier geht sicherlich genauso an die Substanz“, ist sich die Schauspielerin mit dem Zusatz „Laie“ sicher.

Das ist nämlich der ständige Spagat, den die Mitglieder machen müssen, schließlich geht jeder für sich einem Beruf nach und übt die Schauspielerei nur nebenbei aus. Das ist bei einem Kegelclub genauso, aber der Zeitaufwand ist schon ein ganz anderer, wie Sascha Krauß verdeutlicht: „Natürlich steht und fällt jeder Verein mit der Zahl seiner Mitglieder. Bei einem Kegelverein ist es nicht so schlimm, wenn mal einer oder zwei fehlen, aber bei einer Theatergesellschaft geht das nicht.“ Kontinuität ist das was zählt — einmal in der Woche proben, vor der Aufführung auch mal etwas mehr.

Ein Jahr und länger brauchen die Frauen und Männer, um ein neues Stück auf die Bühne zu bringen, „es dauert eben, bis wir den Stoff in unsere alten Hirne kriegen“, sagt Krauß und lacht. Seit etwa zehn Jahren werden die Stücke eingekauft, Anfang der 90er Jahre haben die seinerzeit rund 20 Schauspieler Kabarettabende veranstaltet und mit Stücken von Stephan Eschbach auch die Eschweiler Geschichte auf die Bühne gebracht.

Aber auch bei der „gekauften Ware“ legen die Laiendarsteller Wert auf eine lokale Färbung. „Eine individuelle Note ist uns wichtig“, sagt Spielleiter Krauß, „während der Proben wird immer etwas dazugestrickt“, ergänzt Petra Grün. Heimatverbundenheit und ein Stück Exklusivität — „schließlich läuft so was ja nicht im Fernseher“ — dazu jede Menge Spaß am Theaterspiel und genau so viel Freude das Publikum zu unterhalten, fertig ist das „Fröhlichkeit“-Drehbuch.

Sascha Krauß: „Der beste Lohn ist, dass die Zuschauer nach einem zwei Stunden langen Stück nach einer Zugabe schreien und auf den Bänken stehen. Das beflügelt!“ Apropos Flügel: Das neue Stück „‚Wir kommen alle in den Himmel‘ ist so ein heiteres Stück, dass wir es gerne wieder unserem Publikum präsentieren wollen“, sagt Petra Grün. „Außerdem ist die Nachfrage zur Wiederholung der Aufführung enorm“, ergänzt Krauß.

Die Geschichte ist schnell erzählt: In dem Schwank geht es um die Witwe Corinna Niehtu (Petra Grün), die mit ihrer bibelfesten Tochter Claudia (Angelika Bergrath) im Hause ihrer biestigen Schwiegermutter Rosalinde (Charlotte Grüttgen) wohnt. Als plötzlich zwei entflohene Sträflinge (Sven Kucharz und Michael Kahlen) buchstäblich vom Himmel fallen, nimmt das Chaos seinen Lauf.

„Wir möchten allen Kultur- und Theaterinteressierten die Möglichkeit geben, einen schönen Abend mit uns zu verbringen. Und wer unsere Theaterabende in Bergrath kennt, der weiß, dass dort ein gemütlicher und lustiger Abend nicht mit dem Fallen des letzten Vorhangs endet“, sagt Petra Grün.

Zu guter Letzt noch ein Ausblick aus der Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Theatergesellschaft „Fröhlichkeit“: „Vieles ist in den einhundert Jahren des Bestehens (…) geschehen. Zwei Weltkriege, politische Krisen, Terror und Gewalt haben die Menschen in dieser Zeit durchleben müssen. Auch die ‚Fröhlichkeit‘ ist in diesen langen Jahrzehnten durch manche Höhen und Tiefen gegangen.

Wenn auch nicht immer alles ‚Eitel Sonnenschein‘ gewesen ist, so ist es mit der ‚Fröhlichkeit‘ immer wieder weiter gegangen und man kann guten Mutes sein, dass sich auch im zweiten Jahrhundert des Bestehens der Gesellschaft immer wieder Frauen und Männer finden werden, die mit ihrer Freude am Laienspiel immer wieder den Menschen Freude bereiten und diesen Gedanken auch den nachfolgenden Generationen weiter vermitteln werden.“