Talentschuppen in Eschweiler: Kirchen wollen Ehrenamt modernisieren

Neues Projekt : Das Ehrenamt im „Talentschuppen“ auf moderne Füße stellen

Die katholische Kirche in Eschweiler hat sich etwas einfallen lassen, um die soziale Arbeit in der Stadt zu stärken. In einer Börse für Ehrenamtler wollen sie interessierte Bürger an hilfesuchende Institutionen vermitteln - und das gilt nicht nur für Christen.

Eine Börse für Ehrenamtliche – das haben sich die Initiatoren überlegt, als sie den Talentschuppen ins Leben gerufen haben. Dieser startet offiziell am 22. September, dann wollen sie dort Ehrenamtler und Einrichtungen zusammenbringen. Dabei kann auf verschiedene Faktoren geachtet werden: Interessen, Zeitumfang, Ortswünsche. Fast wie bei einem Portal für die Partnersuche.

Ähnlich wird im Hintergrund auch Udo Haak arbeiten, der das Projekt hauptamtlich betreut. Er ist Diakon in der Pfarre Heilig Geist und wird die verschiedenen „Bewerbungen“ sichten und zusammenbringen. Die Bewerbungen, das sind ausgefüllte Fragebögen von Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, und von Einrichtungen, die Hilfe benötigen. „Wir vermitteln die Ehrenamtler dann an eine Institution, die zu ihnen passt“, sagt Haak. Das ist ihm und seinem Team besonders wichtig.

Niemand wird gegen seinen Willen irgendwo arbeiten müssen, nur weil er einmal an diese Stelle vermittelt wurde. „Damit wollen wir die Menschen auch vor Überforderung schützen“, betont Haak. Denn nicht jeder könne sofort erkennen, wie einen manche Arbeiten belasten würden. Zum Beispiel sei die Hilfe im Hospizzentrum nicht für jeden Menschen geeignet. Damit so etwas vermieden wird, bietet Haak Beratungsgespräche an. Dafür müssen Interessierte nicht extra den Weg nach Pumpe auf sich nehmen. „Wir haben für das Projekt ein eigenes Handy angeschafft“, sagt Haak. „Ich hoffe, dass es bald öfter klingelt.“

Anfang des Monats hat das Team aus Mitgliedern der katholischen Kirche in Eschweiler, des Caritasverbandes Aachen und der Stadt Eschweiler rund 90 Einrichtungen angeschrieben. Drei haben sich bisher zurückgemeldet. Haak ist trotzdem zuversichtlich: „Das ist in der Form für Eschweiler wirklich in neues Projekt, deshalb warten wir ab, wie sich das entwickelt.“ Vorerst ist der „Talentschuppen“ auf drei Jahre ausgelegt.

Eine wichtige Information ist auch, dass das Projekt nicht nur auf katholische oder christliche Einrichtungen und Menschen ausgelegt ist. „Wir wollen eine Plattform schaffen, bei der sich jeder melden kann“, erklärt Gemeindereferentin Petra Minge. Und wer sich melde, gehe auch keinerlei Verpflichtung ein. Wenn nicht das Passende dabei sei, müsse man auch nicht zwingend irgendwo helfen.

Kirche in Eschweiler schaut über den Tellerrand

Der Caritasverband unterstützt die Kirche in der sozialen Arbeit. Rainer Krebsbach lobt die Initiative der Eschweiler Gemeinden: „Es ist bemerkenswert, dass sie das von sich aus ins Leben gerufen haben.“ In anderen Städten wie Aachen und Alsdorf gebe es sogenannte Freiwilligenzentren, die dann aber von der Caritas selbst betrieben werden. Er hebt auch die Tatsache hervor, dass die Kirche über den eigenen Kirchturm hinwegschaut und auch nicht-christliche Organisationen stärkt. Auch Vereine oder Schulen könnten oftmals Hilfe gebrauchen.

„Ehrenamt ist Öl für die Gesellschaft, ohne dieses läuft der Motor nicht“, sagt Krebsbach. Deshalb hoffen die Verantwortlichen auf viele Meldungen von interessierten Personen. Sie sehen den „Talentschuppen“ eindeutig nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum bereits vorhandenen Ehrenamtsangebot in der Stadt Eschweiler. „Es geht uns darum, das Ehrenamt aus der staubigen Ecke zu holen und es auf moderne Füße zu stellen“, sagt Haak.

Mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit helfe man nicht nur anderen Menschen, man tue auch etwas für sich: beispielsweise eine sinnvolle Beschäftigung in der Freizeit und Kontakt zu neuen Menschen. Zurzeit ist das Projekt auf Erwachsene ausgelegt. Grundsätzlich hat das Team um Haak aber auch nichts gegen Menschen unter 18 Jahren. „Wir schließen niemanden grundsätzlich aus“, betont Minge.

Mehr von Aachener Zeitung