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Eschweiler: „Tag des Karnevals“: Am Narrenbrunnen fing es vor 33 Jahren an

Eschweiler : „Tag des Karnevals“: Am Narrenbrunnen fing es vor 33 Jahren an

Die Indestadt feiert. Aber nicht überall. Da sei „ver.di“ vor. Nein: nicht der italienische Komponist, der für Harmonie und Wohlklang steht, sondern die deutsche Gewerkschaft, die in den zurückliegenden Monaten Deutschlands Städte und Gemeinden mit Klagen überzogen hat, um eine Öffnung von Geschäften an Sonntagen zu verhindern.

In Eschweiler sorgte „ver.di“ bereits beim Stadtfest im September dafür, dass der neue Obi-Markt an der Dürener Straße vom Geschehen ausgespart blieb. Jetzt hat „ver.di“ erreicht, dass auch die Geschäftsleute im Auerbach-Center mit seinem Media-Markt und etlichen weiteren Geschäften nur zugucken dürfen, wenn sich am verkaufsoffenen Sonntag zum „Tag des Karnevals“ zehntausende Besucher durch die Einkaufsstraßen schieben.

Der verkaufsoffene Sonntag am 12. November bleibt streng auf die Innenstadt beschränkt. Und die wird begrenzt durch die Talstraße, die Bergrather Straße, die Inde-straße bis zur Brücke Langwahn und den Langwahn. Hinzu kommt im Norden der Marktbereich zwischen Wollenweberstraße, Dürener Straße und Kochsgasse, im Süden die Röthgener Straße zwischen Tal- und Odilienstraße.

Im Auerbachcenter, so berichten Sprecher des Citymanagementvereins, dem derzeit 103 Geschäftsleute angehören, ist die Stimmung gedrückt. Was Eischwieles Jecke allerdings nicht vom Feiern abhalten kann: „Alle, die am Sonntag dabei sind, werden ein paar Stunden Spaß haben“, verspricht Komitee-Präsident Norbert Weiland, der am „Tag des Karnevals“ seine Mannen aller Eschweiler Karnevalsvereine um sich schart, um vom Talbahnhof aus durch die City zur Marienstraße zu marschieren und dort ab 11 Uhr dem feierhungrigen Volke das künftige Prinzengespann vorzustellen: den designierten Prinzen Patrick Nowicki und dessen Zeremonienmeister Michael Körfer.

Begrüßt werden sie vom Regimentsspielmannszug der Narrengarde Dürwiß. „Und dann“, so betont Norbert Weiland, „spiegelt gleich der erste Programmpunkt unsere Einstellung wider: An erster Stelle kommt die Jugend.“ In diesem Fall derjenigen der Narrengarde unter Kinderpräsident Fabian, die auf der Bühne ihr tänzerisches Können zeigt.

Tänze zeigen auch die Marie der KG „Lätitia“ Blaue Funken Weisweiler, Alina Brosius, und das Gardetanzpaar der Narrengarde, Milena Getz und Fabian Florenkowsky. Und für Musik sorgen neben dem Dürwisser Spielmannszug die Inde-Singers, die Kaafsäck und das Feuerwehr-Orchester Eschweiler.

Gut zwei Stunden soll das Programm an der Marienstraße dauern, dann geht‘s auf dem Marktplatz weiter. Im Karneval steht manches kopf: Um 14 Uhr 11 am Sonntag — wenn das Stadtfest schon zwei Tage alt und die Prinzenvorstellung auf der Bühne bereits Vergangenheit ist — „eröffnet“ Stadtdirekter a.D. Claus-Dieter Härchen offiziell das Fest auf der Marktbühne, auf der die „Jecke-Tön-Projeckt“-Bands Stabelsjeck, Halunke und Inde-Singers von 13.30 bis 15.45 Uhr ein unterhaltsames Musikprogramm gestalten.

Zwischen 16 und 17 Uhr ist dann auf dem Marktplatz das traditionelle Prinzenwiegen, moderiert von Labbes & Drickes, angesagt: Das designierte Prinzenpaar wird in Süßigkeiten aufgewogen, die dann bei Kindersitzungen und Kindergartenbesuchen an die Kleinen verteilt werden. Patrick Nowicki und Michael Körfer scheinen ein ganz besonders gewichtiges Prinzengespann zu sein: Zum ersten Mal kommen beim Wiegen Gabelstapler zum Einsatz.

Dass die Ehre der offiziellen Stadtfest-Eröffnung Claus-Dieter Härchen zukommt, hat seinen Grund: Den Citymanagern war aufgefallen, dass der diesjährige „Tag des Karnevals“ der 33. ist. 3 x 11 — für Karnevalisten ein besonderes Jubiläum. 3 x 11 Jahre ist es her, dass der damalige Stadtdirektor Härchen den „Tag des Karnevals“ „erfunden“ hat.

Damals, 1985, wurde der heute vor dem Rathaus installierte Narrenbrunnen in der Grabenstraße seiner Bestimmung übergeben. Auf Härchens Betreiben beschloss damals der Stadtrat, „zur ständigen Würdigung des Brauchtums jedes Jahr am zweiten Sonntag im November im Rahmen eines Volksfestes einen Tag des Eschweiler Karnevals zu begehen, mit großem Programm, Jahrmarkt und offenen Geschäften“.

Allerdings: Zur „Würdigung“ der Eischwiele Fastelovend bedurfte es keines zusätzlichen Feiertags. Der aber war damals wie heute Voraussetzung dafür, dass der Kölner Regierungspräsident den Indestädtern einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag genehmigte. Was er auch tat: Eschweiler bekam seinen damals zweiten jährlichen verkaufsoffenen Sonntag. „ver.di“ gab es noch nicht.