Zehn Stunden in der Schwimmhalle: Synchronschwimmen fordert eifriges Training und viel Disziplin

Zehn Stunden in der Schwimmhalle : Synchronschwimmen fordert eifriges Training und viel Disziplin

Die Geschwister Johanna und Klara Bleyer, 16 und 14 Jahre alt, sind Schülerinnen am Städtischen Gymnasium in Eschweiler. Während ihre Mitschüler die wohlverdienten Sommerferien genossen haben, widmeten Johanna und Klara ihre Sommerferien ihrem Hobby, dem Leistungssport Synchronschwimmen.

Im Jahre 2010 lernten die Mädels ihre Leidenschaft zum Sport bei den Synchronschwimmern der Wasserfreunde Delphin Eschweiler kennen und lieben. Mit drei Mal 1,5 Stunden Training pro Woche erlernten die beiden eine sehr gute Basis und entwickelten sich schnell zu Leistungsträgern.

Um sich noch weiter entwickeln zu können, wechselten sie einvernehmlich im Jahre 2014 zum Leistungsstützpunkt nach Bochum und trainierten bei den Freien Schwimmern Bochum. Dortige Heimtrainerin ist derzeit auch amtierende Bundestrainerin. Das Training dort wurde dann von 4,5 Stunden auf circa 20 bis 25 Stunden pro Woche, davon zehn Stunden alleine am Wochenende drastisch erhöht. Seit vier Jahren fahren die beiden nun bis zu fünf Mal pro Woche, oftmals direkt nach der Schule, zum Training nach Bochum, an Ausschlafen am Wochenende war nicht wirklich zu denken.

Gute Leistungen

Den Luxus so intensiver Trainingszeiten haben in ganz Deutschland nur sehr, sehr wenige Vereine. Aber das viele und harte Training und damit ist nicht nur Synchrotraining, sondern unter anderem auch Ballett, Gymnastik, Ausdauer und Konditionstraining gemeint, machte sich sehr schnell rein leistungstechnisch bemerkbar. Johanna und Klara machten sich in Deutschland einen Namen und schwammen in ihren Jahrgängen und Altersklassen immer ganz vorne mit.

Relativ schnell wurden sie aufgrund ihrer guten Ergebnisse und Leistungen auch in den Kader des Deutschen Schwimmverbands berufen und nahmen an zahlreichen Wochen- und Wochenendlehrgängen, oftmals im Olympiastützpunkt in Heidelberg, zur Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe, teil. Hier beträgt die durchschnittliche Trainingszeit pro Tag alleine schon circa zehn Stunden.

Neben den anstrengenden Trainingseinheiten darf die schulische Ausbildung natürlich nicht zu kurz kommen. So müssen danach immer noch Hausaufgaben erledigt, versäumter Unterrichtsstoff nachgearbeitet oder für Klassenarbeiten gelernt werden, was manchmal nicht immer ganz so einfach war beziehungsweise ist, aber aufgrund ihrer Willensstärke, Disziplin und Liebe zum Sport machbar. Dieses Jahr war für Johanna und Klara aus internationaler Sicht, neben zahlreichen NRW-Meister- und Deutschen Meistertiteln, eine sehr erfolgreiche Saison. So startete Johanna Ende Juni, Anfang Juli mit dem DSV-Team bei den Jugendeuropameisterschaften in Tampere/Finnland, sowohl in der Technischen Kür, als auch in der Freien Kür Gruppe.

In beiden Disziplinen konnte sich das deutsche Team einen tollen 11. Platz erschwimmen. Kurz danach folgte schon das nächste Highlight, die Jugendweltmeisterschaften in Budapest. Auch hier durfte Johanna mit der Nationalmannschaft nach Ungarn reisen. Das Team belegte ebenfalls wieder in der Disziplin Gruppe den 15. Platz von insgesamt 20 Nationen.

Ins Finale gekämpft

Im Anschluss daran bereitete sich die Mannschaft auf die Europameisterschaften Ende Juli/Anfang August in Glasgow vor. Die vielen Lehrgänge zahlten sich aus, denn das Team war sehr erfolgreich. Sowohl in der Gruppe, als auch in der Kombination (Mix aus Solo, Duett und Gruppe) kämpften sich die Aktiven mit tollen Küren ins Finale und belegten in der Gruppe einen tollen 10. Platz und in der Kombination Platz acht.

Insgesamt war Johanna eine Aktive der Mannschaft, die sowohl Jugendwettkämpfe als auch Europameisterschaften geschwommen ist. Diese Erfahrungen hatten natürlich auch ihren Preis, denn dafür war Johanna 52 Tage, sowohl für Vorbereitungslehrgänge, als auch für die Wettkämpfe selber, am Stück unterwegs, einen Großteil davon in den Sommerferien. Lediglich drei Tage war sie dazwischen zu Hause. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann in der letzten Ferienwoche nach Bulgarien ins NRW-Kader-Trainingslager.

Klaras Kalender war noch nicht ganz so voll, da sie knapp drei Jahre jünger ist und somit noch zu jung für die Nationalmannschaft. Allerdings fuhr Klara Ende Juli für den DSV nach Sevilla zum Comen-Cup. Den ersten Erfolg erzielte sie bereits im Pflichtwettkampf, in dem sie sich mit 74,8 Punkten den 23. Platz von insgesamt 236 Aktiven erschwimmen konnte. Mit ihrer Vereinskollegin Nicole starteten die beiden dann ebenfalls im Duett und wurden im Finale (nur die besten zwölf) mit einem starken 9. Platz belohnt. Im Solo konnte Klara für Deutschland einen weiteren Erfolg verbuchen. Sie schwamm ihre Kür sehr souverän und gelangte von insgesamt 27 Solistinnen im Finale auf dem 6. Platz. Hier ist zu erwähnen, dass es sehr schwer ist, überhaupt im Finale zu landen, weil nur vier Nicht-Comen-Länder (nicht Mittelmeeranreiner) ins Finale können.

Diese Plätze sind natürlich schnell von den führenden Nationen, wie zum Beispiel Russland besetzt. Im Solo schaffte Klara dies erst zum zweiten Mal überhaupt für Deutschland. Im Duett war die Finalteilnahme für Deutschland Premiere, also ein sehr großer Erfolg für die Mädchen und ihre Trainerinnen, als auch für das deutsche Team. Auch für Klara ging es dann in der letzten Ferienwoche mit dem NRW-Kader ins Trainingslager nach Bulgarien und im Anschluss daran direkt zum DSV-Nachwuchslehrgang nach Bochum.

Eine große Unterstützung in vielen Hinsichten erfahren die beiden an erster Stelle von ihrem Elternhaus/Familie, denn ohne diese hätten sie ihre bisherigen Träume nicht verwirklichen können. An dieser Stelle sei noch einmal gesagt, dass Deutschland hier etwas anders aufgestellt ist, als andere Nationen, denn die Aktiven beziehungsweise ihre Familie müssen ihre Sportart zum größten Teil selber finanzieren.

Man kann sich vorstellen, dass dort einiges an Kosten zusammen kommt, alleine schon die Fahrtkosten und Zuschüsse zu Lehrgängen und internationalen Wettkämpfen. Weitere Unterstützung erhalten die Mädels auch von der Schule, denn die Befreiungen für die ganzen Lehrgänge und Wettkämpfe sind nicht selbstverständlich. Natürlich tragen sowohl Johanna, als auch Klara den größten Teil selber zur ihren Erfolgen bei, denn nur mit Fleiß, Disziplin und Ehrgeiz lassen sich die Fehlzeiten kompensieren, aber für die Verwirklichung ihrer Träume nehmen beide sehr viel in Kauf. Diese Saison ist wahrscheinlich nur eine von noch vielen tollen und prägenden Erfahrungen, die die beiden erleben dürfen.

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