Überraschend wenig Schäden in Jülich: Sturm „Friederike“ hinterlässt Sach- und Dachschaden

Überraschend wenig Schäden in Jülich : Sturm „Friederike“ hinterlässt Sach- und Dachschaden

Friederike hatte ein Einsehen: Der Sturm, der am Donnerstag laut Meteorologen mit Orkanböen von bis zu 130 Stundenkilometern über die Indestadt herfallen sollte, gab sich überraschend zahm. Zwar knickte auch Friederike ungezählte Bäume ab wie die Streichhölzer, doch mit den Schäden, wie sie ihre Kollegin Burglind 14 Tage zuvor angerichtet hatte, war das nicht zu vergleichen.

Dabei hatte sich die Feuerwehr aufgrund der massiven Unwetterwarnungen auf Schlimmes eingestellt. Schon um 5 Uhr Donnerstag früh waren Feuerwehrchef Axel Johnen und seine Leute in der Hauptwache am Florianweg, wo um 7.30 Uhr der Schichtwechsel anstand, trafen Vorbereitungen für einen anstrengenden Tag, besetzten Fahrzeuge und trafen Absprachen mit den Kollegen in Stolberg. Schon am Abend zuvor waren vorsichtshalber Absperrgitter zu allen Zufahrtsstraßen zum Stadtwald gebracht worden, wo Burglind am 3. Januar gewaltige Schneisen geschlagen und erhebliche Schäden hinterlassen hatte.

Um 8.30 Uhr war es soweit: Sturmeinsatz in der von-der-Horst-Straße. Dort drohte eine Baumkrone aus einem Baum zu brechen, wenig später kam es „knüppeldick“: In der Hovener Straße stürzte ein Baum auf ein Haus und eine Garage; in Kinzweiler brachen an die 30 Quadratmeter Verkleidung aus eine Hausfassade. Das war‘s. Bis 10 Uhr früh blieb es bei diesen drei Sturmeinsätzen. 55 Wehrleute waren zu dieser Zeit im Einsatz.

Das änderte sich eine Stunde später deutlich: Im Minutentakt gingen die Notrufe in der Leitstelle ein, in der gleich fünf Mitarbeiter unter Leitung von Axel Johnen mit der Koordination der Einsätze beschäftigt waren. Im Stockwerk darüber hatte sich inzwischen der „Stab für außergewöhnliche Einsätze“ der Stadt Eschweiler zusammengefunden, wo u.a. vier Mitarbeiter des Ordnungsamtes unter Leitung von Amtsleiter Edmund Müller die Maßnahmen der Verwaltung, der Wirtschaftsbetriebe und des Forstamtes mit der Feuerwehr koordinierten.

Zugausfälle und Straßensperren

Um 10.50 Uhr wurde der gesamte Bahnbetrieb in NRW eingestellt. Dies betraf auch die Euregiobahn — der Baum, der in Röthgen auf die Schienen krachte, stellte keine Gefahr dar. Eine knappe Stunde später wurden auch die Straße durch den Stadtwald — Wilhelminenstraße, Duffenter, Bohler Heide und Birkengangstraße komplett für den Verkehr gesperrt. „Hier fallen gerade reihenweise die Bäume um“, hieß es aus dem Grünflächenamt. Was allerdings zahlreiche Zeitgenossen mit und ohne Hund oder Nordic-Walking-Stöcke nicht davon abhielt, die lebensgefährliche Situation zu ignorieren und durch den Wald zu laufen.

An einem Fitnessstudio an der Aachener Straße riss der Sturm Werbetafeln los, vom Städtischen Gymnasium flogen Dachziegel auf die Straße, an der Jülicher Straße drohten Bäume zu kippen, am Schlesierweg flogen Dachteile auf die Straße und ein Auto — quer durchs Stadtgebiet zog Friederike ihre Spur. Die Zahl der Einsätze stieg rasant an. Johnen löste Vollalarm für die Eschweiler Wehr aus: 102 Einsatzkräfte waren mit 21 Fahrzeugen überall im Stadtgebiet unterwegs, um Gefahrenstellen — meist mit Kettensägen — zu entschärfen. Trotz der Vielzahl an Einsätzen ging die Abarbeitung zügig vonstatten: Schon am frühen Nachmittag waren die Waldstraßen freigesägt, geräumt und wieder passierbar.

Kurze Erholungspausen

Ein harter Job für die Männer der Wehr, die sich gegen Mittag truppweise kurz in der Hauptwache erholen konnten: Dort hatten Kameraden für alle kesselweise Erbsensuppe zubereitet.

Zu dieser Zeit beruhigte sich die Lage allmählich bereits wieder. Axel Johnen: „Das dürfte sich ändern, wenn die Leute nach Feierabend nach Hause kommen und feststellen, dass da vom Sturm gelöste Dachziegel runterzufallen drohen.“

Förster Marco Lacks war am Nachmittag damit beschäftigt, weite Teile des Waldwegenetzes mit Flatterband zu sperren. Etwa 500 Festmeter Nutzholz waren nach Burglind zu verarbeiten gewesen; 150 davon hatten die Forstleute bis Donnerstag schon geschafft. Jetzt kommen neue dazu. Wieviel, das weiß noch niemand. Friederike hatte dort weiter gewütet, wo Burglind die Puste ausgegangen war. Dennoch: In ein bis zwei Tagen sollten die Waldwege wieder passierbar sein.

Papierdeponie ohne Dach

Das Entsorgungszentrum Warden der AWA Entsorgung GmbH an der Mariadorfer Straße musste am Donnerstag Vormittag wegen des Orkans geschlossen werden. Nur noch in Notfällen durften Privatpersonen und Gewerbebetriebe ihre Abfälle und Wertstoffe dort abgeben. Starke Windböen hatten etwa die Hälfte des Planendachs der Altpapier-Deponie abgerissen. Die Folge: Das Altpapier wurde vom Wind aufgewirbelt und verteilte sich schnell über das gesamte Gelände des Entsorgungszentrums und weit darüber hinaus. Verletzt wurde niemand.

Aufgrund des Sturmes konnten die Mitarbeiter der AWA keine kurzfristigen Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass das Altpapier wegfliege, sagte Gero Bahrs, Technischer Angestellter der AWA.

Nach dem Orkan Burglind waren in der Plane des Dachs bereits Risse entdeckt worden. „Erst vergangenen Montag hatte eine Spezialfirma die Risse geschweißt“, sagte Bahrs. Die Arbeit war vergeblich. Nun muss das Dach erneuert werden.