Stundenlang gefesselt und missbraucht

Stundenlang gefesselt und missbraucht

Aachen (an-o/dpa) - Am ersten Tag des Prozesses gegen die beiden mutmaßlichen Mörder von Tom und Sonja sind am Mittwoch neue schockierende Details über das Martyrium der Kinder ans Licht gekommen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die neunjährige Sonja gefesselt und mit verbundenen Augen abwechselnd von ihren Peinigern sexuell missbraucht.

Der 33-jährige Markus Lewendel und der 28 Jahre alte Markus Wirtz werden beschuldigt, die Geschwister aus Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) entführt, das Mädchen sexuell missbraucht und beide erwürgt zu haben. „Die Beschuldigten haben eine besonders schwere Schuld auf sich geladen”, sagte Oberstaatsanwalt Albert Balke vor dem Landgericht Aachen.

Lewendel bekräftigte über eine Erklärung seines Anwalts sein Geständnis. Er und Wirtz hatten in den Vernehmungen der Polizei die Tat gestanden. Sieben Monate nach dem Verbrechen müssen sie sich wegen gemeinschaftlichen Mordes, Freiheitsberaubung mit Todesfolge und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Bei der Verlesung der Anklage kämpfte Wirtz vergeblich gegen seine Tränen. Lewendel hörte regungslos mit gesenktem Kopf zu.

Der Prozess begann unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen. Die Angeklagten saßen hinter Panzerglas. Die Eltern der ermordeten Kinder sind Nebenkläger, nahmen aber nicht an der Verhandlung teil.

Oberstaatsanwalt Balke rekonstruierte in der Anklage die erschütternden Ereignisse des 30. März. Der Gebäudereiniger Lewendel und der Industrieelektroniker Wirtz hätten die Tat geplant. Die beiden pädophil veranlagten Männer hätten bei einer Fahrt durch Eschweiler „Ausschau nach jungen Mädchen” gehalten. Als sie die spielenden Kinder auf der alten Kohlenhalde entdeckten, habe Lewendel ihnen zugerufen: „Halt, Polizei, stehen bleiben!”

Im Gespräch hätten sie die Geschwister plötzlich mit einem Kabel gefesselt und ihnen den Mund zugeklebt. Wirtz habe versucht, Sonja zu vergewaltigen. Mit der Absicht, das Mädchen über einen längeren Zeitraum sexuell zu missbrauchen, hätten die Männer ihre Opfer zu ihrem Wohnhaus in Eschweiler gebracht. Da Tom (11) bei ihren Plänen gestört hätte, beschlossen sie laut Anklage, den Jungen zu töten.

Wirtz habe Tom im Kofferraum zu einem Waldparkplatz gebracht und ihm eine Plastiktüte über den Kopf gezogen. „Der Angeklagte Wirtz drückte mit seinen beiden Händen zu, bis der Tod eintrat”, sagte Balke. Bis zum nächsten Tag hätten die Männer das total verängstigte und orientierungslose Mädchen in ihren Wohnungen sexuell missbraucht.

Aus Sorge entdeckt zu werden, hätten die Männer im Laufe des Tages beschlossen, auch Sonja zu töten. Auf einem Waldweg in der Eifel habe Lewendel das Mädchen mit einer Plastiktüte und einer Schnur erdrosseln wollen. „Da sich Sonja heftig wehrte, kam der Angeklagte Wirtz dem Angeklagten Lewendel zur Hilfe, indem er mit beiden Händen den Hals des Mädchen umfasste und zudrückte, bis der Tod eintrat”, sagte Balke. Die Leiche war knapp eine Woche später entdeckt worden.

Etwa 40 Anhänger der rechtsextremistischen NPD demonstrierten nach Polizeiangaben zum Prozessauftakt in Aachen für die Einführung der Todesstrafe. 170 Menschen protestierten gegen den Aufmarsch der Extremisten. Es gab keine Zwischenfälle.

Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt. Markus Lewendel wird sich nach Angaben seines Anwalts vorerst nicht zur Tat äußern: Die „ungeheuerliche Tat” habe ein einzigartiges öffentliches Interesse ausgelöst. Aber die Berichterstattung in einem Teil der Medien habe nur das Ziel gehabt, Emotionen zu schüren.
„Mein Mandant hat keine Chance, sich zu äußern, ohne missverstanden zu werden”, sagte der Anwalt Wolfram Strauch. Dagegen kündigte Markus Wirtz an, sich persönlich vor Gericht äußern zu wollen. Mehr als 30 Zeugen sind geladen. 15 Gutachten sollen einfließen. Das Urteil soll am 8. Dezember fallen.

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