Eschweiler: „Streetkid“ Jimmy Kelly zeigt im Talbahnhof seine Vielseitigkeit

Eschweiler: „Streetkid“ Jimmy Kelly zeigt im Talbahnhof seine Vielseitigkeit

„Das Gold liegt auf der Straße!“ Es zeigt sich in inspirierenden Erlebnissen und Gesprächen, etwa mit der älteren Dame, die ihrer chronisch kranken Nachbarin täglich hilft, schließlich ist sie ja ihre Nachbarin, oder dem Ehepaar, das ein im Wald ausgesetztes Baby adoptierte, das Jahre später im Kindergarten seinen Freunden mitteilt: „Ich bin im Wald gefunden worden! Und ihr?“

Jimmy Kelly kann von zahlreichen „kleinen Menschen mit großen Geschichten“ erzählen, seit er als „The Streetkid“ zu seinen musikalischen Wurzeln als Straßenmusiker zurückkehrte. Und dies tat er am Sonntagabend auf der Bühne des vollbesetzten Talbahnhofs in gebührender Ausführlichkeit.

Ganz nebenbei lieferte der 45-jährige Sänger, Instrumentalist und Komponist zahlreiche Kostproben seines außergewöhnlichen Könnens. Agierte mal laut und rau, mal leise und feinfühlig, unterstrich sein Sprachtalent, indem er neben englischen Songs auch das eine oder andere deutsche Lied, französische Chansons und extrem temperamentvolle spanische Klänge textsicher in sein Programm einfließen ließ.

Doch ein Frontmann ist stets nur so gut wie die Band hinter ihm. In dieser Hinsicht konnte sich Jimmy Kelly auf ein Quartett exzellenter Musiker verlassen: Bärbel Ehlert an der Violine, Philipp Kees am Banjo sowie an der Gitarre und der Balalaika, Johannes Vos am Kontrabass und der Tuba sowie Roger Moreno am Akkordeon und am Schlagzeug stellten unter Beweis, virtuose Meister ihrer Fächer zu sein, und ließen im Zusammenspiel untereinander und mit Jimmy Kelly keinerlei Wünsche offen.

So dauerte es auch nur wenige Minuten, bis es die Fans der unterschiedlichsten Altersklassen nicht mehr auf ihren Sitzplätzen hielt, als Jimmy Kelly, auch als Widmung an seine Frau Meike, die im Publikum Platz genommen hatte, den Song „Rock me, Mama“ lauthals anstimmte.

Mit „Dance“, einem „Liebeslied der anderen Art“, thematisierte der Ire dann sein durchaus ambivalentes Verhältnis zu seinem verstorbenen Vater, einem Mann, der sein ganzes Leben auf der Suche gewesen sei.

Und weiter ging die Reise auf den Straßen dieser Welt: Gefühlvolle Interpretationen der Hannes-Wader-Ballade „Heute hier, morgen dort“ oder des Louis-Armstrong-Evergreens „Wonderful World“ wechselten sich mit einer Hommage an Edith Piaf, „der Königin der Straßenmusiker“, ab.

Der Aufforderung „Take my heart“ ließ Jimmy Kelly im zweiten Teil des Konzerts ein herzzerreißend trauriges Lied über die Dankbarkeit folgen. Ole! Als Reminiszens an längst vergangene Zeiten und unter dem Jubel der Anhänger stand auch der Hit „Nanana“ auf der Songliste, den Jimmy Kelly einst für „The Kelly Family“ komponiert hatte. Zu guter Letzt erhob sich sogar der Zuhörer, der keinen Eintritt bezahlen musste, nach diskreter Aufforderung des „Streetkids“ von seinem Platz. Alles war gut!

Auch wenn wohl die meisten Gäste am nächsten Tag ihrem Beruf nachgehen mussten, während Jimmy Kelly am Montag frei hatte, wie er augenzwinkernd „by the way“ erklärte. Doch auch ein „Streetkid“ braucht mal Pause. Um schon bald wieder die Inspiration großer Geschichten kleiner Menschen aufsaugen zu können.

(ran)
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