Eschweiler: „Storchenbiß“ hilft Familien mit kleinen Kindern in allen Lagen

Eschweiler : „Storchenbiß“ hilft Familien mit kleinen Kindern in allen Lagen

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. „Vor gar nicht langer Zeit habe ich eine Anfrage aus den Vereinigten Staaten erhalten, deren Absenderin im Internet auf uns aufmerksam wurde, da es in den USA ein breitgefächertes Angebot wie unseres schlicht und einfach nicht gibt“, berichtet Annemarie de Lange.

Vor inzwischen 20 Jahren rief die ausgebildete Kinderkrankenschwester gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Lucia Cremer und dem heutigen Ehrenvorsitzenden Professor Dr. Christian Karl, damaliger Chefarzt der Geburtshilfe am St.-Antonius-Hospital, den Verein „Storchenbiß“ ins Leben.

„Unsere Intention war und ist es nach wie vor, vom Moment der Feststellung einer Schwangerschaft als Anlaufstelle zur Verfügung zu stehen“, erläutert die Indestädterin. „Dabei hatten wir von Anfang an grundsätzlich die gesamte Familie im Blick“, ergänzt Lucia Cremer. Ein Ansatz, der vor zwei Jahrzehnten noch als durchaus „exotisch“ galt.

800 Kursteilnehmer

„Wir haben ganz klein angefangen und sind peu à peu gewachsen“, blicken die beiden Gründerinnen zurück. Zahlen belegen diese Aussage eindrucksvoll: 60 Kurse stehen derzeit auf der Angebotsliste des Vereins, 39 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktiv und mehr als 800 Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer binnen einer Woche, von denen 20 bis 25 Prozent nicht aus Eschweiler kommen, sind alles andere als eine Ausnahme.

Die Bandbreite der Kurse reicht von der Geburtsvorbereitung und „Fit durch die Schwangerschaft“ über die Rückbildungsgymnastik, der Familienbegleitung im ersten Lebensjahr, der Babymassage bis zum Kurs „Vätern unter sich“.

Ein ganz wichtiges Merkmal des „Storchenbiß“ sei darüber hinaus die gewachsene und inzwischen hervorragende Vernetzung innerhalb und auch außerhalb Eschweilers. Seit nunmehr zehn Jahren arbeitet der Verein mit der Hebammenpraxis „Kugelrund“ zusammen. Enge Kooperationen bestehen unter anderem mit der Stadt Eschweiler, dem Helene-Weber-Haus, der Arbeiterwohlfahrt, dem Sozialdienst katholischer Frauen und natürlich mit den Kindergärten der Indestadt.

„Ich glaube, dass wir uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn wir behaupten, dass Eschweiler ohne den Storchenbiß kaum noch vorstellbar wäre. Auch die Kinderärzte versichern uns, sehr froh zu sein, dass es uns hier in Eschweilergibt“, erklärt Annemarie de Lange selbstbewusst. Nicht zuletzt ist dieses Netzwerk umso wichtiger, seit es im Eschweiler Krankenhaus keine eigene Geburtsstation mehr gibt.

Um dem Anspruch „eine unabhängige Anlaufstelle für alle Belange rund um die Themen Eltern werden und Eltern sein“ zu genügen, tut natürlich Aus- und Weiterbildung not. „Die Kursleiter unserer medizinisch unterfütterten Kurse verfügen selbstverständlich über eine medizinische Ausbildung. Andere Kurse werden von Erzieherinnen geleitet oder von Personen, die eine Kursleiter-Ausbildung auf hohem Niveau nach unserem eigenen Konzept durchlaufen haben“, unterstreicht Lucia Cremer.

„Nicht zu vergessen die regelmäßigen Weiterbildungen“, merkt Patrick Willms an, der den Kurs „Väter unter sich“ sowie eine von insgesamt drei Waldspielgruppen leitet. Wie es dazu kam? „Ich habe als werdender Vater selbst an vom Storchenbiß angebotenen Kursen teilgenommen. Dabei wurde mein Interesse geweckt, selbst Kurse leiten zu wollen. Daraufhin habe ich die Ausbildung absolviert“, so der zweifache Vater, der als männlicher Kursteilnehmer und -leiter definitiv kein Exot mehr ist.

„In dieser Hinsicht hat sich viel verändert. Heute hören wir von kaum einem Kursteilnehmer noch, dass er auf Grund von sanftem Druck seiner Partnerin vor Ort ist. Dies war in der Startphase unseres Vereins noch anders“, sieht Annemarie de Lange eine positive Entwicklung in Sachen „Gleichberechtigung“.

Gelitten habe die Akkzeptanz des Vereins durch die Schließung der Geburtsstation in Eschweiler nicht. Deshalb schauen die Verantwortlichen des Vereins optimistisch in die Zukunft. Denn mit Beginn des kommenden Jahres wird der „Storchenbiß“ sein Domizil nicht mehr im Eschweiler Krankenhaus, sondern sein Zentrum in die Räume eines Hauses an der Bourscheidtstraße verlegen.

„Wir sind den Verantwortlichen des St.-Antonius-Hospital für die Unterstützung in den zurückliegenden 20 Jahren dankbar. Jeder Abschied beinhaltet auch einen Anfang. Und mit 20 Jahren werden Kinder nun einmal unabhängig und ziehen aus“, so Annemarie de Lange“.

Zuvor wird aber noch gebührend Geburtstag gefeiert: Am Freitag, 6. Juli, lädt der „Storchenbiß e. V.“ von 14 bis 19 Uhr zum Kinder- & Familienfest auf den Wasserspielplatz an der Grillhütte in Weisweiler ein. „Es wird keine ausufernden Reden geben. Stattdessen soll der Spaß für Eltern, Kinder und Familien im Vordergrund stehen.