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Entscheidung im Integrationsrat: Standort für die „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ steht fest

Entscheidung im Integrationsrat : Standort für die „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ steht fest

Dass der Eschweiler Integrationsrat sich der Kampagne „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ des Landesintegrationsrats NRW anschließen wollte, war schon länger klar. Nun steht auch der genaue Platz für die Gedenkstätte fest.

Am Donnerstagabend war die Kampagne „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ erneut Thema im Eschweiler Integrationsrat. Bereits Ende September hatte man sich darauf geeinigt sich an der Aktion des Landesintegrationsrates NRW zu beteiligen.

Bei dieser werden in verschiedenen Städten Erinnerungsorte mit jeweils elf neu eingepflanzten Bäumen geschaffen. Die Zahl 11 ergibt sich aus zehn Bäumen für die insgesamt zehn Opfer des NSU, der elfte Baum soll für alle Opfer rechter Gewalt stehen.

Auf einen finalen Standort hatte man sich zunächst nicht festlegen können. Zur Auswahl standen der Erweiterungsteil des Friedhofes in Dürwiß und eine Fläche am Blausteinsee. Die Abstimmung sollte nach einer Begehung am Blausteinsee erfolgen, da es für diese Option im September noch keinen Vorschlag für einen konkreten Platz gab. Am 13. Oktober fand die Begehung schließlich statt.

Die Wahl ist am Donnerstagabend nun einstimmig auf eine Fläche an der Wegeführung am Blausteinsee gefallen. Fünf Bäume sollen jeweils in einem Halbkreis gepflanzt werden. Der elfte Baum soll in der Mitte innerhalb des südlichen Halbkreises entstehen. Außerdem soll eine Gedenktafel errichtet werden, die über die Bedeutung des Mahnmals aufklärt.

Wann die Bäume eingepflanzt werden und wann die Eröffnung der Gedenkstätte erfolgt, steht noch nicht fest. „Wir haben die Errichtung im Laufe des kommenden Jahres angedacht“, sagt die Integrationsbeauftragte Demet Jawher-Özkesemen. Die Kosten für die Baumpflanzung und -pflege lagen ursprünglich bei 1500 Euro pro Baum. Allerdings müsse am festgelegten Standort der Boden ausgetauscht werden, weswegen sich die Kosten nun auf 2000 Euro pro Baum belaufen.

 So sieht die Planung für die Pflanzung von 10+1 Bäumen am Blausteinsee aus. Aufgrund der Beschaffenheit des Bodens vor Ort müsste bei der Wahl dieses Standortes der Boden ausgetauscht werden. Die Kosten pro Baum steigen in diesem Fall von 1500 Euro auf 2000 Euro.
So sieht die Planung für die Pflanzung von 10+1 Bäumen am Blausteinsee aus. Aufgrund der Beschaffenheit des Bodens vor Ort müsste bei der Wahl dieses Standortes der Boden ausgetauscht werden. Die Kosten pro Baum steigen in diesem Fall von 1500 Euro auf 2000 Euro. Foto: Integrationsrat Eschweiler

Die erforderlichen Kontrollen und die sich daraus ergebenden Maßnahmen muss die Stadt übernehmen, da hierfür spezielle Fachkenntnisse erforderlich sind. Die entsprechenden Personalkosten sind bei den genannten Kosten bereits berücksichtigt.

Die geplante Gedenkstätte am Blausteinsee ist nicht die erste dieser Art in der Region. Anfang Juni wurden im Tierpark Alsdorf ebenfalls symbolisch 10+1 Bäume gepflanzt und eine Gedanktafel aufgestellt. Auch hier hatte sich der Integrationsrat dafür eingesetzt. Der Alsdorfer Vorsitzende Mevlüt Zorlu begrüßte die Gäste bei der Vorstellung des Mahnmals damals mit den Worten: „Ich wünschte, es gäbe auf der ganzen Welt keinen Rassismus, und alle Menschen könnten respektvoll, wertschätzend und in Frieden miteinander leben.“ Bei der Präsentation in Höhe der Vogelvoliere und des Eselsgeheges war unter anderem auch der türkische Generalkonsul Turhan Kaya vor Ort.

Die Kampagne „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ in Gedenken an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, Ismail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter wurde Anfang 2020 vom Landesintegrationsrat NRW ins Leben gerufen. Anlass der Aktion war das Absägen des Gedenkbaums für Enver Şimşek in Zwickau und weitere geschändete und zerstörte Erinnerungsstätten.

Laut dem Landesintegrationsrat NRW kann die Pflege der Bäume durch Patenschaften gesichert werden. So können beispielsweise Schulen, die dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angehören, die Verantwortung für die Betreuung der Bäume übernehmen. Auch Bürgerinitiativen, kommunale Ämter oder Privatpersonen kommen als Paten in Frage.

In Eschweiler kann nach Angaben der Stadt die Pflege in den ersten Jahren nicht alleine über eine Patenschaft erfolgen. Der Grund: Die Bäume benötigten in den ersten Standjahren regelmäßig 60 bis 100 Liter Wasser. Das könne ein Pate nicht schaffen. Deswegen übernimmt nun zunächst die Stadt die Pfelge.

Mehr Informationen zu der Kampagne gibt es auf der Webseite des Landesintegrationsrates NRW.