Stadtteilkonferenz: Bürger bringen Ideen zur Zukunft Eschweilers ein

Eschweiler: Stadtteilkonferenz: Ghettoisierung? Unbedingt vermeiden!

Der Startschuss fiel in der Festhalle Dürwiß, dann trafen sich zahlreiche Bürger mit Vertretern der Verwaltung im Vereinsheim der Eefelkank in Bohl. Am Freitagabend folgte im Ratssaal der dritte und (vorerst) letzte Teil der „Stadtteilkonferenzen“, während derer die Indestädter aufgerufen waren, Ideen und Anregungen zur Zukunft Eschweilers vorzutragen und mit den Mitarbeitern der Stadt sowie untereinander in den Dialog zu treten.

Nach den Vorausblicken in die (möglichen) Entwicklungen des Nordens und des Südostens Eschweilers standen die Überschriften „Jugend und Bildung“, „Migration und Integration“ sowie „Wohnen, Infrastruktur und Versorgung“ in der Innenstadt im Blickpunkt.

„Wir möchten gemeinsam mit ihnen ein neues Kapitel aufschlagen, um für die Zukunft gewappnet zu sein“, begrüßte der städtische Beigeordnete Stefan Kaever die durchaus zahlreichen Teilnehmer der dritten Stadtteilkonferenz. An der Umsetzung dieses Vorhabens sind eine ganze Reihe von „Mitspielern“ beteiligt.

Zunächst einmal das Land Nordrhein-Westfalen, das das Förderprogramm „NRW hält zusammen — für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ auflegte. Die Stadt Eschweiler bewarb sich mit dem Projekt „Gemeinsam Zukunft gestalten — Teilhabe sichern“ erfolgreich und erhält aus Düsseldorf 41.000 Euro. Im Rathaus wurde eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe gebildet, an deren Spitze Jugendamtsleiter Jürgen Termath steht.

Des Weiteren befinden sich Dr. Wolfgang Joussen vom Planungsbüro „B-Plan“ und Johannes Burggraef, Geschäftsführer und Gründer der „Projektplan — Wirtschafts- und Regionalberatung“ aus Aachen, mit im Boot. Diese beiden waren bereits federführend an einer repräsentativen Bürgerbefragung beteiligt, während der im September 2800 Indestädter einen mehrseitigen Fragebogen zur sozialen Stadtentwicklung erhielten.

Nahezu 30 Prozent der Fragebögen seien ausgefüllt zurückgeschickt worden. „Hört sich nicht nach sehr viel an. Ist es aber!“, erklärte Stefan Kaever am Freitagabend. Die Auswertung der Fragebögen, die Ergebnisse der drei Stadtteilkonferenzen sowie Gespräche mit Vertretern von unter anderem Wohlfahrtsverbänden oder Wohnungsbau-Genossenschaften, die zu Beginn des kommenden Jahres stattfinden sollen, werden dann in einen „Sozialbericht“ einfließen, dessen Veröffentlichung im Frühjahr 2018 vorgesehen ist.

„Dieser Sozialbericht wird kein Datenfriedhof sein, sondern die Arbeitsgrundlage für die Politik und Verwaltung darstellen, um klare Handlungsfelder zu definieren“, blickte Stefan Kaever in die nahe Zukunft, bevor die Bewohner der Innenstadt an drei Stehtischen in den Dialog mit Mitarbeitern der städtischen Arbeitsgruppen traten und dabei kein Blatt vor den Mund nahmen.

So beklagten mehrere Konferenzteilnehmer, dass sowohl auf dem Gelände rund um das Pastor-Zohren-Haus in Röthgen als auch auf dem Außengelände der Kindertagesstätte St. Theresia (Englerthsgärten) immer wieder Spuren von Drogenmissbräuchen und Vandalismus zu finden seien. Ein weiterer Minuspunkt: Nach der Auflösung der ESG-Fußball gebe es in der Innenstadt eben keinen Fußballverein mehr, der Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gebe, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.

Ein möglicher Ausweg sei ein „freies“ Fußball- oder Sportangebot, vielleicht im Bereich des Nebengebäudes des Städtischen Gymnasiums in der Gartenstraße. Der Vorschlag, Treffpunkte für Jugendliche zu schaffen, wurde unterschiedlich aufgenommen. Einerseits müssten den Jugendlichen Angebote unterbreitet werden, andererseits sei es fraglich, ob diese von Erwachsenen „vorgegebene“ Plätze überhaupt akzeptierten.

Neben weiteren Kritikpunkten, etwa die „zu kleine Spielfläche auf dem Schulhof der Evangelischen Grundschule“, wurden in Sachen Jugend und Bildung aber auch „Pluspunkte“ genannt: So sei das schulische Angebot im Sekundarbereich breitgefächert. Auch die Kooperation und Vernetzung zwischen der Adam-Ries-Schule und der Evangelischen Grundschule sei ein durchweg positives Beispiel. Die „Versorgung“ im Innenstadtbereich sei auf Grund der zahlreichen Geschäfte gewährleistet, allerdings werde Eschweiler gerade von jungen Menschen in keiner Weise als Einkaufsstadt wahrgenommen.

Einer der Gründe: Das Internet lässt grüßen. Darüber hinaus sei ein „autofreier Markt“ wünschenswert, zumindest aber ein eingeschränkter Autoverkehr. Im Bereich „Integration und Migration“ könnten sich die Bewohner der Innenstadt eine zentrale Anlaufstelle nach dem Vorbild „Eschweiler-West“ vorstellen, womöglich mit einem „Quartiersmanagement Innenstadt“ als Ziel. Generell gelte es natürlich, „eine Ghettoisierung unbedingt zu vermeiden“. Wobei diese „Gefahr“ von der Versammlung mehrheitlich als eher gering eingeschätzt wurde.

(ran)
Mehr von Aachener Zeitung