Eschweiler: Stadt stimmt zu: Übergang Jägerspfad 2019 dicht

Eschweiler: Stadt stimmt zu: Übergang Jägerspfad 2019 dicht

Der Bahnübergang Jägerspfad wird geschlossen. Und das 2019, nicht erst, wenn der Bahntunnel am Sticher Berg aufgeweitet sein wird. Am Mittwoch gab die Ratsmehrheit „zähneknirschend“ ihr Okay zu den Plänen der Deutschen Bahn.

Deren Vertreter hatten zuvor ausführlich und eindringlich noch einmal die Konsequenzen geschildert, die aus der bisherigen Verweigerungshaltung der Stadt erwachsen würden: Die vorgesehene Modernisierung des Hauptbahnhofs inklusive erhöhter und verlängerter Bahnsteige sowie komplett neuer Leit- und Sicherheitstechnik könne dann nicht im Juni 2020 fertiggestellt werden, sondern frühestens im Juni 2022.

Der Grund: Die komplizierte Leit- und Sicherheitstechnik müsse im Fall der Beibehaltung des Bahnübergangs, dessen Schließung übrigens bereits seit 1996 im Gespräch ist, komplett neu konzipiert werden. Sollte ein neues Planfeststellungsverfahren nötig werden, müsse mit Mitte 2024 gerechnet werden.

Der neue RRX-Regionalexpress müsse bis dahin an Eschweiler vorbeirauschen. Und: Die Verzögerungen und der erhöhte Planungsaufwand würden Mehrkosten auslösen, die die Bahn sich auf dem Klageweg von der Stadt zurückzuholen versuchen werde.

Der Forderung der Stadt, vor der Schließung des Bahnübergangs Jägerspfad und der damit verbundenen Verkehrsumleitung über Florianweg und Stich das dortige Nadelöhr Bahntunnel aufzuweiten, wird die Bahn wohl nicht nachkommen: Allerdings, so ein Bahn-Sprecher, wolle man die seit rund 40 (!) Jahren diskutierte Maßnahme früher als bisher geplant angehen.

Baubeginn soll 2023 sein — Fertigstellung zwei Jahre später. Wie der Verkehr in diesen beiden Jahren fließen soll, weiß heute noch niemand. In einem gemeinsamen Schreiben an Bundesverkehrsminister Christian Schmidt fordern alle sechs Ratsfraktionen die schnellstmögliche Aufweitung des Nadelöhrs.

Die von der Verwaltung vorgelegten Ergebnisse einer Verkehrszählung (wir berichteten), denen zufolge das häufig prophezeite Verkehrschaos am Stich nicht zu erwarten sei, zweifelte UWG-Sprecher Erich Spies an. Eine Zählung an „zwei regnerischen Novembertagen“ sei nicht repräsentativ.

Dem widersprach Planungsamtsleiter Dr. Bernd Hartlich: Gerade an verregneten Tagen seien mehr Pkw unterwegs als sonst: „Da geht keiner zu Fuß, fährt mit dem Rad oder kommt mit dem Pferd.“ Auch die enge Tunneldurchfahrt am Stich sei nicht problematisch, falle zumindest nicht durch Unfallhäufigkeit auf. Hauptstörfaktor sei die nicht zu vermeidende Alarm-Ampelschaltung der Feuerwehr, die Einsatzfahrzeugen den Weg frei macht. Dann kommt es hier zu Staus, die erst nach zehn Minuten und mehreren Ampelumläufen wieder abgebaut seien. Daran aber würde auch eine Tunnelaufweitung nichts ändern.

Dennoch: Auf die Bahn ist im Eschweiler Stadtrat niemand gut zu sprechen. Die sitze auf hohem Ross, versuche nach jahrzehntelangem Nichtstun jetzt den Schwarzen Peter der Stadt zuzuschieben, alle ihre Aus- und Zusagen seien erfahrungsgemäß mit größter Vorsicht zu genießen. Nach einer 15-minütigen Beratungspause bekamen die Bahn-Vertreter schließlich doch das für ihren eng gestrickten Projekt-Zeitplan ersehnte Ja.

Die Begründung: Man wolle nicht riskieren, dass Eschweiler vom modernen Bahnnetz abgekoppelt werde, wie FDP-Sprecher Ulrich Göbbels erklärte. „Ein Nein ist mit Rücksicht auf die vielen Pendler nicht zu verantworten.“ So sah es auch die CDU, die sich von der Verwaltung nochmals versichern ließ, dass nach aktuellen Verkehrszählungen auch bei Schließung des Bahnübergangs Jägerspfad am Sticher Berg keine gravierenden Verschlechterungen im Verkehrsfluss einträten.

CDU-Fraktionschef Willi Bündgens: „Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wir wollen aber nun mal einen modernen Bahnhof und moderne Züge!“ Gegen die Schließung votierten die Grünen sowie UWG-Vertreter Manfred Waltermann, dessen Kollege Erich Spies sich dagegen dafür aussprach. Ein „zähneknirschendes“ Ja kam schließlich auch von der SPD, deren Fraktionschefin Nadine Leonhardt die Zustimmung mit einer vagen Hoffnung verband: „Das ist die Chance für die Bahn, mit Traditionen zu brechen und zu zeigen, dass sie sich an Zeitpläne halten kann. Oder sie sogar unterschreiten kann...“

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