Staatliche Unterstützung für die Eschweiler Tafel

Staatliche Unterstützung für Tafeln? : Rund 2500 Menschen sind in Eschweiler bedürftig

Die Zahl der Menschen, die sich bei der Tafel mit Lebensmitteln versorgen, wächst. In Eschweiler sind es rund 2500 Menschen. Für die vielen Ehrenamtler fordert der Dachverband der deutschen Tafeln finanzielle Hilfe vom Staat. Doch wie sieht es bei der Eschweiler Tafel mit der Unterstützung aus?

Rund 60 ehrenamtliche Helfer arbeiten derzeit bei der Tafel – darunter Fahrer, die die Waren morgens mit einem Kühlfahrzeug bei den Geschäften abholen, sowie andere fleißige Ehrenamtler, die die Lebensmittel sortieren, einräumen und die Kunden bedienen.

Viele sind schon über 60 Jahre alt, die meisten aber über 70. Anders als in Stolberg zum Beispiel kann die Eschweiler Tafel fünf Mal in der Woche ihre Türen öffnen, weil sie personell gut aufgestellt ist. „Aber die Bereitschaft zum Ehrenamt nimmt auch bei uns ab“, sagt Karin Schmaling. „Trotzdem sind wir noch in der glücklichen Lage, dass wir für fünf Tage personell gut besetzt sind.“ Was nicht heißen solle, dass man nicht über jeden neuen Helfer froh sei, sagt sie als 1. Vorsitzende.

Schmaling selbst ist schon seit 20 Jahren dabei und gehört zu den Gründungsmitgliedern der Eschweiler Tafel. „Ich habe angefangen, als ich noch hauptberuflich gearbeitet habe. Da hatte die Tafel noch samstags geöffnet, und ich habe dann am Wochenende geholfen“, erinnert sie sich. War die Zahl der Menschen, die das Angebot der Tafel nutzten, Anfang des Jahres noch auf 550 gesunken, ist die Zahl mittlerweile wieder gestiegen. „Wir haben im Moment rund 700 Familien, die zur Tafel kommen. Hochgerechnet sind das etwa um die 2500 Personen“, sagt Schmaling. Pro Tag seien es dann etwa 60 bis 70 Familien, die dort ihre Lebensmittel kauften. Das entspreche täglich etwa 250 Bedürftigen.

Mit Waren wird die Eschweiler Tafel gut versorgt. „Pro Tag kommt unser Kühlwagen mit drei vollen Ladungen zurück“, sagt Schmaling. Was sie allerdings bemängelt, sind die großen Mengen, die dann trotzdem noch aussortiert werden müssten und auf dem Müll landeten. „Die Geschäfte haben selbst wenig Zeit, bereits vorzusortieren. Das machen wir dann – aber das nehmen wir in Kauf.“ Dadurch beginnt der Arbeitstag für die Ehrenamtler auch nicht erst um 14.15 Uhr, wenn die Tafel ihre Türen für die Kunden öffnet, sondern bereits um 10 Uhr. Die Fahrer machen sich bereits um halb acht auf den Weg zur Warenabholung.

Indes wollen viele Tafeln staatliche Unterstützung für die Annahme und Verteilung von gespendeten Lebensmitteln. „Vor allem große Mengen von Produzenten müssen wir mitunter ablehnen, weil unsere Infrastruktur dem nicht gewachsen ist“, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender des Vereins Die Tafel Deutschland, wie zuletzt im Spiegel zu lesen war.

Arbeitet bereitet Freude

„Wir würden staatliche Unterstützung natürlich sehr gut finden“, sagt auch Karin Schmaling. Allerdings gäbe es in Eschweiler kein Problem der Überversorgung. „Wir wissen, wie viele Kunden wir haben und haben ja auch einen Überblick darüber, wie viel weggeht“, erklärt sie. „Wir lehnen bestimmte Waren nur ab, wenn wir sicher sind, dass es zu viel ist, und wir das nicht loswerden würden.“ In die Zukunft blickt Schmaling positiv und sieht die Tafel noch gut gerüstet. Auch Wilfried Eggert ist einer der zahlreichen Ehrenamtler. Er ist nun seit zwei Jahren aktiv dabei. „Ich sage immer, mir ist es 67 Jahre sehr gut gegangen, da kann ich jetzt auch etwas zurückgeben.“ Die Arbeit bereite ihm viel Freude und es sei schön.

Einen Träger hat die Eschweiler Tafel nicht. Sie ist selbstständig und finanziert sich auf der einen Seite durch Spenden, auf der anderen Seite durch die zahlenden Kunden. „Zehn Cent kostet ein herkömmliches Produkt. Es gibt aber auch Ausnahmen, zum Beispiel Hähnchenschenkel. Die Kosten dann ein kleines bisschen mehr“, sagt Ludger Lamour. Er ist 2. Vorsitzender und mit seiner Frau Sieglinde seit rund drei Jahren dabei. Aber die Tafel an der Röthgener Straße ist nicht nur Verkaufsstelle, sie ist für viele auch Treffpunkt. „Leute kommen hierher, um zu quatschen. Gerade Alleinstehende sind froh, wenn sie sich dann etwas erzählen können und kommen oft schon ganz früh“, freut sich Schmaling über den Zuspruch.

Dass die Kunden so vielfältig sind – unterschiedliche Altersgruppen und auch Kulturen – brachte früher oftmals Probleme mit sich. „Mittlerweile hat sich das allerdings gelegt. Seitdem wir ein neues Verkaufssystem haben, bei denen die Menschen mit ihrer Kundennummer nur zu bestimmten Zeiten kommen können, läuft alles sehr geordnet ab.“ Mit diesem System verhindere man auch lange Wartezeiten.

Obwohl immer weniger Menschen ehrenamtlich arbeiten, interessieren sich trotzdem junge Leute dafür. „In den Ferien haben wir Schüler hier, die sich unsere Arbeit anschauen und uns helfen“, erzählt Sieglinde Lamour. Mitte des Jahres wurde die Tafel auch vom Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben als Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst anerkannt. Dadurch ist ein freiwilliges soziales Jahr bei der Eschweiler Tafel möglich.