Eschweiler: St.-Antonius-Hospital: Notdienstpraxis vor dem Aus?

Eschweiler : St.-Antonius-Hospital: Notdienstpraxis vor dem Aus?

Muss die Notdienstpraxis im St.-Antonius-Hospital im kommenden Jahr schließen? Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) denkt offenbar darüber nach, den Notdienst neu zu organisieren. Für die Praxis im Eschweiler Krankenhaus könnte es das Aus bedeuten. Entschieden ist noch nichts.

„Seit dem vorigen Jahr gibt es Bestrebungen, den Notdienst zu zentralisieren“, sagt Dr. Jürgen Küpper, der den Notdienst seit der ersten Stunde für den Verein Medizinisches Qualitäts-Netz Eschweiler (MQN) koordiniert. Die Indestadt könnte davon betroffen sein. Derzeit gibt es weitere Praxen in Stolberg, Bardenberg und Simmerath. Dr. Jürgen Küpper sagt: „Für Eschweiler würde es eine Verschlechterung bedeuten. Ich halte solche Ideen für Quatsch.“ Küpper erinnert an die Neuordnung des Apotheken-Notdienstes: „Da wurden die Bürger irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Das solle sich nicht wiederholen.

3500 Patienten im Quartal

Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des St.-Antonius-Hospitals, ist von der Idee ebenfalls nicht begeistert: „Das ist Unsinn.“ Es gebe keinen Grund an dem Konzept, das vom MQN betrieben wird, zu rütteln. Schließlich werde die Praxis Tag für Tag von zahlreichen Patienten aufgesucht. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt dies. 3500 Patienten werden pro Quartal in der Notdienstpraxis behandelt. Allein daran sei zu erkennen, dass der Dienst von den Indestädtern gut angenommen werde, meint Wagenbach. „Ich könnte es verstehen, wenn keine Patienten da wären. Aber so wird ein Versorgungsengpass bewusst herbeigeführt“, ist sich der Geschäftsführende Vorstand des Hospitals sicher.

Wagenbach befürchtet, dass ein Großteil der Patienten dann nicht die Notdienstpraxis in Bardenberg, sondern die Notaufnahme des Hospitals aufsucht. Bisher entschied der MQN darüber, wie es mit den Patienten weitergeht, ob diese stationär aufgenommen werden mussten oder wieder den Heimweg antreten konnten. Diese Aufgabe müssten dann künftig die Mitarbeiter des Hospitals übernehmen. Doch dafür sei man im St.-Antonius-Hospital überhaupt nicht ausgerüstet. „Unsere gesamte Struktur würde dann lahmgelegt“, ärgert er sich.

„Kosten explodieren“

Auch Bürgermeister Rudi Bertram ist über die Gedankenspiele der KV verärgert. Der Verwaltungschef hat deshalb einen Brief an Dr. Lothar Nossek, Vorsitzender der Kreisstelle Kreis Aachen der KV Nordrhein, verfasst, in dem er um Aufklärung bittet. Bertram ist der Meinung, dass der Verein MQN hervorragende Arbeit leiste. Nicht nur die Stadt sei zufrieden, sondern auch die Feuerwehr, meint der Verwaltungschef. Dr. Lothar Nossek und sein Stellvertreter weilen derzeit im Urlaub und waren für eine Stellungnahme noch nicht erreichbar.

Elmar Wagenbach ist sich sicher, dass die KV mit dieser Vorgehensweise Geld sparen wolle. „Wenn die Patienten nicht nach Bardenberg fahren, um sich dort behandeln zu lassen, dann hat man einen Arztkontakt gespart“, sagt er und ergänzt: „Wenn Patienten aber direkt den Notruf alarmieren, dann gibt es trotzdem eine Kostenexplosion. Ein Einsatz des Rettungswagens kostet schließlich viel mehr als ein Besuch in der Notdienstpraxis.“

Angst um Arbeitsplätze

Dass sich die neue Anlaufstelle für die Indestädter gerade in Bardenberg befinden soll, können weder Wagenbach noch Bertram nachvollziehen. Weder eine erhöhte Qualität, noch eine strukturelle oder ökonomische Verbesserung seien dadurch gewährleistet, meint Wagenbach. „Wenn man sich die Karte der Städteregion einmal anschaut, sieht man, dass Eschweiler in der Mitte liegt. Außerdem hat Bardenberg ein Krankenhaus, das vor der Auflösung steht, während in unser Krankenhaus momentan Millionen investiert werden“, sagt Bertram.

Die Mitarbeiter in Eschweiler sorgen sich derweil verständlicherweise um ihre Arbeitsplätze. Derzeit gibt es zwölf Mitarbeiter, davon eine in Vollzeit.

Die SPD-Fraktion hat sich zu den Gerüchten geäußert: „Aus unserer Sicht sind die Pläne völlig unverständlich, eine bewährte und durch Eschweiler Bevölkerung auch seit Jahren sehr gut angenommene Struktur aufzugeben“, teilt die Fraktionsvorsitzende Nadine Leonhardt mit.

Der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling ist ebenfalls dieser Meinung: „Der Verein MQN in Eschweiler ist nicht nur ein Erfolgsmodell, sondern für die notdienstärztliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger der Indestadt alternativlos. Ich werde die Landesregierung auffordern, jede Entscheidung die zu einer Abschaffung des Notdienstangebotes in Eschweiler führt, zu überprüfen.“

Nach Informationen unserer Zeitung soll es am 13. November eine Sitzung der Kassenärztlichen Vereinigung geben, bei der über eine eventuelle Neuorganisation des ärztlichen Notdienstes entschieden wird. Die Entscheidung trifft letztendlich die Vertreterversammlung der KV.

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