Soziale Probleme zeigen sich im Alltag der Eschweiler Tafel

Ehrenamtler spüren soziale Probleme : Nicht alle Tafel-Kunden zeigen sich dankbar

Wer sich ehrenamtlich engagiert, will sich für andere Menschen einsetzen. Dass diese unentgeltliche Arbeit allerdings auch mit Problemen behaftet sein kann, spüren die Helfer der Eschweiler Tafel im Laden an der Röthgener Straße.

Dort treffen sich Bedürftige unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlichen Alters. Dies führt zu Reibungspunkten. Die Vorsitzende der Eschweiler Tafel, Karin Schmaling, spricht von „Einzelfällen“, die die Arbeit allerdings belasten.

Doch der Reihe nach: Der Ablauf im Laden der Tafel ist klar strukturiert. Wer bedürftig ist, also nur über ein geringes Einkommen verfügt, kann eine Kundenkarte bekommen. Diese enthält neben persönlichen Daten auch eine Nummer und ein Lichtbild. Letzteres soll verhindern, dass die Karte weitergegeben werden kann. „Auch dies ist schon vorgekommen“, schildert Schmaling. Mit dem Foto kann nur der Mensch, der seine Bedürftigkeit nachgewiesen hat, „einkaufen“. Zudem wird alle sechs Monate überprüft, ob die Bedürftigkeit noch gegeben ist.

Die Nummer auf der Karte spielt eine Rolle für die Reihenfolge beim Einkauf. Die Eschweiler Tafel ist jeden Wochentag von 14.15 bis 16.15 Uhr geöffnet. In diesen zwei Stunden sollen alle 550 Familien, die registriert sind, Gelegenheit haben, Waren zu erhalten. Die Öffnungszeiten wurden im vergangenen Sommer verschoben, um Wartezeiten zu vermeinden, weil viele Kunden mit dem Bus zur Tafel gelangen. Die Zahl der Personen im Haushalt, der Unterstützung benötigt, regelt die Menge, die man erhalten kann. „Dieses System sichert, dass jeder einen entsprechenden Anteil bekommen kann“, sagt Schmaling. Denn nicht immer sind die gleichen Mengen vorhanden, sondern die Helfer der Tafel können nur das in die Regale und Kühltheke packen, was die Geschäfte zur Verfügung stellen.

An dieser Stelle treten manchmal Probleme auf. Nicht alle Tafelkunden haben Verständnis dafür, wie die Waren verteilt werden. Schwierig wird es auch, wenn die Menschen kein Deutsch sprechen und verstehen. Zwar sind vor allem bei Anmeldungen Übersetzer anwesend, aber eben nicht beim Einkauf.

Dass diese Sprachbarriere einmal aufgebrochen wird, ist nicht bei allen Kunden selbstverständlich: „Manche kommen schon seit Jahren hierher und sprechen immer noch kein Deutsch“, sagt die Tafelvorsitzende. Sie sorgt sich, dass die Menschen auch sonst vom sozialen Leben ausgeschlossen und isoliert sind. „Auch wenn es diese Menschen schwer verstehen: Wir sind kein Supermarkt, in dem man sich einfach so bedienen kann“, sagt sie.

Ein Treffpunkt für ein Schwätzchen

Der Laden der Tafel ist für andere auch ein Treffpunkt, um ein Schwätzchen zu halten. Vor allem ältere Kunden nutzen diese Gelegenheit, denn viele von ihnen sind alleinstehend. Ein gemütlicher Plausch sei jedoch manchmal nicht möglich, wenn sich gleichzeitig Familien mit vielen Kindern im Geschäftslokal aufhalten, berichtet Schmaling. Dann sei es laut. Ältere Bedürftige schreckt dies ab. Im Team der Tafel sucht man nun nach einer Lösung, um möglichst allen gerecht zu werden.

Die Zahl der Kunden ist in den vergangenen Jahren überraschend gesunken. Waren einst 750 Familien in der Datenbank aufgelistet, sind es aktuell 200 weniger, die Hälfte der Kunden sind keine deutschen Staatsbürger. Dieser Abwärtstrend  verwundert umso mehr, wenn man die aktuellen Zahlen des ersten Sozialberichts der Stadt Eschweiler zugrunde legt. Dieser kommt zum Ergebnis, dass in manchen Bezirken jeder vierte Haushalt staatliche Unterstützung erhält. Bei der Tafel erhalten Arbeitslose, Bezieher von Sozialgeld („Hartz IV“) oder Grundsicherung sowie Personen mit geringem Einkommen eine Kundenkarte. Karin Schmaling geht davon aus, dass sich nicht alle Bedürftigen in Eschweiler beim Sozialamt oder der Tafel melden: „Vor allem ältere Menschen bleiben aus Scham weg“, ist sie sich sicher.

Was der Sozialbericht in Zahlen und Statistiken beschreibt, ist in dem ehemaligen Ladenlokal an der Röthgener Straße, dass die Tafel seit einigen Jahren nutzt, menschlich spürbar. Während der Öffnungszeiten bleibt den Tafelhelfern kaum Zeit, mit den Kunden zu sprechen. Aber bei der Anmeldung schütten einige Betroffene ihr Herz aus: „Es ist manchmal traurig zu hören, wie Menschen in diese schwierige Lage gekommen sind.“ Den Betroffenen zu helfen, sei darum ein großes Anliegen.

Immerhin muss sich die Tafel in Eschweiler keine Gedanken machen, ausreichend Waren zu erhalten, denn die Geschäfte seien gerne bereit zu unterstützen. Kein Zweifel, dass Hilfsangebot hat sich in Eschweiler wie in anderen Städten auch etabliert. Karin Schmaling ist eine Helferin der ersten Stunde. Im Mai werden es 19 Jahre sein, in denen sie ehrenamtlich dort tätig ist.

Manchmal frage sie sich schon, warum sie sich das zumute. Erst Recht, wenn man als Helfer beschimpft wird, weil ein Kunde mit der Warenmenge nicht einverstanden ist. „Dies verdirbt die Stimmung“, räumt sie ein. Entschädigt wird sie in Augenblicken, wie diesen, den sie bei der Weihnachtskistenaktion erfahren durfte: „Eine ältere Dame nahm das Paket in Empfang und bedankte sich herzlich mit den Worten: Dies ist mein einziges Weihnachten. Für solche Momente engagiert man sich.“