Eschweiler: Songs von Hannes Wader und Stimmung von Burg Waldeck

Eschweiler: Songs von Hannes Wader und Stimmung von Burg Waldeck

„Na, dann wollen wir uns mal einen schönen Abend machen!“ sagt Helmut Bardischewski und greift zur Gitarre. Wenn der Folkmusik-Barde Bardischewski auftritt, hat es etwas von einer gemütlich-wehmütigen Runde am Lagerfeuer, mit Rotwein und Klampfe.

Am Freitag spielte er im Culture Café am Markt, Kulturwirtin Gretel Germann begrüßte ihn als alten Freund, und er werde diesmal auch die alten, vertrauten Lieder spielen, Lieder von Danzer, von Sulke, vor allem aber Lieder von Hannes Wader. „Zurück zu den Wurzeln“ heißt sein Solo-Programm.

Zeit der Folkfestivals

Mit „Heute hier, morgen dort“ beginnt Hannes Wader jedes seiner Konzerte, und mit „Heute hier, morgen dort“, dieser zum Volkslied gewordenen Erinnerung Waders an die Wandervogel-Bewegung und die Zeit der Folkfestivals auf Burg Waldeck im Hunsrück, begann auch Helmut Bardischewski sein Konzert. So ein wenig Waldeck-Stimmung lag dann auch am Freitag in der Luft. Nein, auf der Waldeck, in den 60er Jahren, hat Hannes Wader andere Lieder gesungen. „Heute hier, morgen dort, dieses bekannteste Lied von ihm, entstand erst 1972 — aber das ist ja nun auch schon über 40 Jahre her.

„Durst ist eine Plage“

Bei Konzerten im Culture Café ist es ratsam, sich einen Platz reservieren zu lassen, es wird üblicherweise eng. So auch diesmal. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, im Gegenteil. Da wird mitgeklatscht, mitgesummt, manches Lied schon vorab mit Beifall aufgenommen: Wie schön, wieder einmal „Der Mann aus Russland“ von Stephan Sulke zu hören! Und „Die Freiheit“ von Georg Danzer.

Wurden damals auf der Waldeck nicht auch Lieder des schwedischen Dichters Carl Michael Bellmann aus dem 18\. Jahrhundert gesungen? Bardischewski tut es ebenso. „Schau, wie die Nacht“ heißt das Stück, es endet mit der Zeile „Durst ist eine Plage“. In einem früheren Konzert, plaudert der Interpret, habe er diese Zeile sehr oft wiederholen müssen, bis der Veranstalter es endlich kapiert hatte und Getränke auf die Bühne reichte. Das war diesmal in Eschweiler nicht nötig. Es war deshalb nicht nötig, weil Bardischewski schon zwei Lieder vorher die ersten Akkorde von Reinhard Meys Lied „Komm gieß mein Glas noch einmal ein...“ gespielt hatte: „Das ist jetzt kein Lied, das ist eine Bestellung“. Und siehe da, nach dem zweiten Versuch füllte sich sein Rotweinglas. Zur Freude des Publikums, das geradezu mitgefiebert hatte.

Beifall und viele weitere erinnerungsträchtige Lieder folgen, die meisten natürlich von Hannes Wader: „Der Zimmermann“, „Begegnungen“ und auch „Damals“ — die deutsche Fassung des Kevin-Johnson-Klassikers „Rock ‚n Roll I Gave You the Best Years of My Life“. Das hätten viele der Gäste mühelos in der Originalfassung mitsingen können. So viele Erinnerungen, und alles in einem Konzert.

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