Eschweiler: Sitzungskarneval: In Nothberg sind alle Mann (und Frau) an Bord

Eschweiler: Sitzungskarneval: In Nothberg sind alle Mann (und Frau) an Bord

„Aff jeiht die wilde Fahrt“ — unweit dort, wo der Omerbach in die Inde mündet, rauscht nicht nur Wasser, das karnevalistische Treiben berauscht die zahlreich fantasievoll kostümierten Jecken im Eschweiler Süden.

Bei den närrischen Sitzungen feierte die KG Nothberger Burgwache im doppelten Sinne gemäß der Devise „Alle Mann (und Frau) an Bord“: Schiffslukenähnliche Fenster am Eingang gewährten vor Eintritt einen verheißungsvollen Blick in das rot-gelb geschmückte Festzelt und schließlich waren wirklich alle an Bord mit dem Ergebnis: zwei ausverkaufte Sitzungen bei ausgelassener Atmosphäre.

Die Showtanzgruppe Nothberg bewies mit Tanz, Hebefiguren und Würfen: Sie sind eines der Aushängeschilder des Vereins.

Zu Beginn jeder Sitzung, und da machen sie es in ganz traditioneller Manier, präsentierten sich die uniformierten Burgwächter, nachdem der an Rosen reiche Einzug in das Zelt unter der musikalischen Begleitung der Spielfreunde gemeinsam mit Teilen der Fanfaren gelungen war: „Ja, so müssen Nothberger Burgwächter sein“.

Neuheiten gab es mehrere gleich mit den ersten Akteuren. Präsident Andreas Herf grüßte die bunt kostümierte Schar nach seiner Feuertaufe im November nun zum ersten Mal und übergab das Wort an seinen Kommandanten Norbert Wildt, der in gewohnter Form meldete, alle Uniformierten seien angetreten. Tanzmarie Cheyenne Schnötzel gab ihr Debüt als große Tanzmarie und hatte mit ihrer akrobatischen Darbietung Verein und Publikum auf ihrer Seite. Gleich darauf folgte die nächste Neuauflage: das große Tanzpaar Katrin Joussen und Manuel Hauck. Erstmalig für die Burgwache auf den berühmten Brettern stehend, setzten die beiden auf instrumentale Musik von damals bis heute und sorgten mit ihrer Präsentation für Jubel und Begeisterung.

Ein musikalisches Intermezzo der Spielfreunde unter Leitung von Stephan Wildt folgte, ehe die Mädchengarde sich zum Beinwurf und Spagat parat machte, eine mitreißende Choreografie beeindruckte. Schließlich animierte Kommandant Wildt zum Stippeföttche und verschonte zur Freude des Publikums keinen einzigen Uniformierten vor dieser Pflicht.

Die höchste Auszeichnung

Eine besondere Ehrung gab es in diesem Jahr in den Reihen der Burgwächter: Franz-Josef Hilgers erhielt von Norbert Weiland, Präsident des Karnevalskomitees der Stadt Eschweiler, die höchste Auszeichnung, das BDK-Treueabzeichen in Gold mit Brillanten. Die Liste seiner Verdienste während seiner nun 52-jährigen Mitgliedschaft in der Nothberger KG ist lang: Vize-Präsident, Mitglied der Fanfaren, des Elferrats und der Burgherren, Kassierer, Haussammler und Dom-Hausmeister — Hilgers ist auch heute in den 80ern stets mit einer helfenden Hand zur Stelle.

Strapazierte Lachmuskeln

Nach der wohl mehr als berechtigten Ehrung und dem Auszug der Uniformierten ging es weiter im Programm. In die Bütt stiegen und für strapazierte Lachmuskeln sorgten: Fred van Halen, Schlabber und Latz, Woosch und Wöösche und die Lokalmatadorin Stefanie Bücher als et „Breedmuhl van Bersch“. Mit Tanz, Akrobatik und Ausstrahlung begeisterten: Can’t Stop, die Showtanzgruppe der Roten Funken, und die vereinseigene Jugendshowtanzgruppe der Burgwächter. Musikalisch angeheizt tanzten, sangen, schunkelten und sprangen die Jecken bei: Zack!, Echte Fründe und Kröetsch.

Vor allem drei vereinseigene Kräfte sorgten für die Höhepunkte. Die Männertanzgarde brachte eine einzigartige Darbietung, erzählerisch und tänzerisch zugleich, auf die Bühne. Die liebreizende Tanzmarie wurde von einem niederträchtigen Scharwächter entführt. Niemand vermochte sie aus den Klauen des bösen Schufts zu retten, nicht die Burgwächter, nicht das B-Team und auch kein Rettungsschwimmer aus Baywatch. Erst dem präsidialen Hasselhoff aus Knight Rider gelang es, die Grazie zu befreien und es gab ein Happy-End zu „Looking for freedom“ mit dem Resultat: Jubel, Lacher und Standing Ovations.

Etwas ernster nahm sich die Showtanzgruppe dem Thema Tanz an, ohne auf eine charismatische Ausstrahlung zu verzichten. Hebefiguren, Würfe und der Mut, auch einmal den Schritt in die Musical-Ecke zu wagen — der Funke auf das Publikum sprang über.

„Höhle des Löwen“

Bei beiden Sitzungen bestritten Fanfaren das Finale. Die Nothberger begeisterteten ihr Publikum am ersten Samstag und spielten sich mühelos in die Herzen des heimischen Publikums. Aufgrund eines größeren Engagements in der rheinischen Bucht wurden sie bei der zweiten närrischen Sitzung vom Trompeterkorps der Eefelkank vertreten.

Den Hastenrathern gelang es mühelos, in gewisser Weise in der „Höhle des Löwen“, zu überzeugen und mitzureißen. So feiert „us Eischwiele Fastelovend“ eben — grenzenlos jeck.

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