Eschweiler: „Silvia, wo liegt dieses Spanien?“: Die Geschichte hinter dem Kult-Schriftzug

Eschweiler: „Silvia, wo liegt dieses Spanien?“: Die Geschichte hinter dem Kult-Schriftzug

„Silvia, wo liegt dieses Spanien?“ Wer in Eschweiler wohnt oder — zumindest hin und wieder — durch Eschweiler fährt, kennt diesen Spruch, der an der Dürener Straße in der Nähe der Ecke Südstraße an eine Backsteinwand gesprüht ist. Aber was hat es damit überhaupt auf sich?

Inzwischen sind die Buchstaben etwas verblasst, aber sie sind immer noch gut zu lesen. Welche Geschichte aber steckt hinter diesem Spruch? Seit wann steht er dort? Und wer hat ihn überhaupt da aufgesprüht? Einige Antworten auf diese Fragen hat uns Silvia gegeben. Ja genau, diese Silvia!

„Ein bisschen verrückt“

„Es muss irgendwann zwischen 1988 und 1990 gewesen sein“, blickt Silvia zurück. So genau weiß sie den Zeitpunkt nicht mehr, an dem „Silvia, wo liegt dieses Spanien?“ entstand. Silvia heißt mit vollem Namen Silvia Moritz, ist 51 Jahre alt und wohnt in Weisweiler. Ihr Vater ist Deutscher, die Mutter Spanierin. Silvia Moritz arbeitet am Berufskolleg an der August-Thyssen-Straße. Als Spanisch- und Deutschlehrerin. Und sie fährt jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an „ihrem“ Schriftzug vorbei.

Ende der 80er Jahre wohnte sie ganz in der Nähe der Ecke Südstraße/Dürener Straße und einer ihrer Kommilitonen wollte die junge Studentin offenbar beeindrucken. „Er war schon ein bisschen verrückt“, sagt Silvia Moritz und lacht. Den Namen des Kommilitonen möchte sie aber auf keinen Fall verraten. Nur, dass er Physik und Germanistik studiert hat und jetzt wohl auch Physiker ist. Aus Eschweiler stammt er jedoch nicht.

Silvia Moritz ist ein Kind der Region. Seit 17 Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Weisweiler, davor gehörten Merken, Alsdorf, Vicht, Hücheln und die Eschweiler Innenstadt zu ihren Wohnorten. Obwohl sie immer mal davon träumte, vielleicht sogar in Spanien zu leben, blieb sie in Deutschland. Bis auf ein Auslandssemester während des Studiums. „Im Gegensatz zu meinem Bruder. Der lebt jetzt in Spanien bei unserer Mutter, obwohl ich vom Charakter her Spanierin bin und mein Bruder eher Deutscher“, erzählt sie und schaut etwas verträumt, als ob sie immer noch an ein Leben in Spanien denkt.

Aber zurück zu „Silvia, wo liegt dieses Spanien?“ „Ich war damals noch viel spanienverrückter als heute und habe ihm wahrscheinlich auch davon erzählt“, sagt sie, ohne die genauen Beweggründe ihres Kommilitonen für diese Aktion zu kennen. Der Kommilitone hatte anscheinend Gefallen an Silvia gefunden und versuchte sie zu beeindrucken. Er nahm ihr eine Kassette mit Jazzmusik auf, spannte ein Banner in Richtung der Autobahn — und sprühte „Silvia, wo liegt dieses Spanien?“. Gesprochen habe sie darüber mit ihm jedoch nie, erklärt sie. Dennoch sei ihr stets klar gewesen, dass er der Sprayer war. Aufgrund der Schriftart zum Beispiel. „Das schmeichelt mir auch heute noch“, sagt Silvia Moritz.

Ihre Familie, Freunde und auch andere Weggefährten wissen, dass sie mit dem bekannten Schriftzug gemeint war. Darauf angesprochen wird sie aber so gut wie nicht mehr. „Es verblasst wie die Schrift“, sagt sie.

Apropos verblassen. Ein wenig erstaunlich ist es ja schon, dass der Schriftzug immer noch zu lesen ist. Gut, das „s“ des Wortes „dieses“ gibt es nicht mehr, dafür sieht es an einigen Stellen so aus, als habe jemand nachträglich neue Farbe aufgesprüht.

Zu dem Kommilitonen hat Silvia Moritz übrigens keinen Kontakt mehr. Nach dem Studium verloren sich die beiden aus den Augen. Wie der Zufall es so wollte, lauschte die 51-Jährige vor einigen Jahren einer Radiosendung und entdeckte den „Silvia, wo liegt dieses Spanien“-Sprayer wieder. Sie nahm Kontakt auf und die beiden tauschten einige Mails aus. Das war’s.

Dreimal pro Jahr nach Spanien

Silvia Moritz fährt auch heute noch dreimal jährlich in die Heimat ihrer Mutter zu Familienbesuchen. Natürlich weiß sie genau, wo dieses Spanien liegt, und sie möchte das Land auch noch weiterhin erkunden. „Ich bin längst noch nicht überall gewesen“, sagt sie.

Silvia Moritz hat ihr Abitur im Jahr 1986 am Städtischen Gymnasium gemacht. Ihren jetzigen Mann kennt sie bereits seit der Schulzeit, genau genommen seit der 9. Klasse. Das Paar hat drei Kinder. Auch er ist übrigens Physiker…