Gedanken zur Stadtmeisterschaft: Sieg von St. Jöris weckt Erwartungen, Lohn ist schwer einzuschätzen

Gedanken zur Stadtmeisterschaft : Sieg von St. Jöris weckt Erwartungen, Lohn ist schwer einzuschätzen

Der SV St. Jöris ist 100 Jahre alt, und ich bin einfach nur glücklich!“ So lautete die Bilanz des SV-Vorsitzenden Rudi Bittins nach einer intensiven, emotionalen und aufreibenden Woche „Fußball-Stadtmeisterschaft“, die für den Ausrichter sportlich erfolgreich verlief, in der sich aber vor allem die gesamte SV-Vereinsfamilie als großartiger Gastgeber präsentierte.

Vom Frauen-Finale am Eröffnungstag bis zum Schlusspfiff von Schiedsrichter Kemal Yildirim, mit dem das Traditionsturnier nach gut 97 Endspielminuten am Sonntag um kurz vor 20.30 Uhr seinen Abschluss fand, spannte sich die Klammer, die zahlreiche Stichworte lieferte. Hier einige davon (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Sport: Der SV St. Jöris ist zum zweiten Mal in seiner nun 100-jährigen Historie Eschweiler (Feld-)Fußball-Stadtmeister und wurde somit seiner Favoritenrolle gerecht. Eine Woche nach dem Triumph beim Blausteinsee-Cup bezwang der Gastgeber in einem intensiven Finale, das die zahlreichen Zuschauer auch spielerisch in den Bann zog, die neuformierte Mannschaft von A-Ligakonkurrent Fortuna Weisweiler nach 0:1-Halbzeitrückstand letztlich verdient mit 3:1. Womöglich hatte so mancher Beobachter dem unterlegenen Finalisten, der die vorherigen drei Ausgaben für sich entschieden hatte, im Vorfeld des Endspiels nicht zugetraut, dieses quasi bis zum Schlusspfiff offen zu halten. Respekt der Fortuna, die mit ihrer Leistung den Titelgewinn des SV St. Jöris noch wertvoller machte.

Überhaupt wurde dem späteren Sieger die Stadtmeisterschaft keinesfalls geschenkt. Die B-Ligisten Eschweiler FV, der am Sonntag Rhenania Lohn im Spiel um Platz drei mit 2:4 unterlag, und Falke Bergrath zwangen den Turnierausrichter im Halb- beziehungsweise Viertelfinale zweimal in ein Elfmeterschießen. Die Falken, Aufsteiger in die Kreisliga B, hinterließen insgesamt einen guten Eindruck, der hoffnungsvoll in die anstehende Saison blicken lässt. Das ereignis- und abwechslungsreiche Turniereröffnungsspiel gegen die Sportfreunde Hehlrath, das die Falken mit 4:2 gewannen, brachte die Stadtmeisterschaft gleich in Schwung, und auch im Viertelfinale gegen St. Jöris wussten die Falken zu überzeugen.

Konnten die B-Ligisten (Berger Preuß, EFV, Hehlrath und Bergrath) in ihren Duellen mit den A-Ligisten St. Jöris, Weisweiler und Lohn, die in der Endabrechnung die Ränge eins bis drei belegten, diese durchaus fordern, mussten die C-Ligisten Rhenania Eschweiler, Germania Dürwiß und SCB Laurenzberg erkennen, dass der Abstand zu den übrigen Mannschaften groß ist. Alle drei C-Ligisten strichen nach deutlichen Auftaktniederlagen sofort die Segel.

Emotionen: Auch nach inzwischen knapp drei Jahrzehnten lassen die Eschweiler Fußballstadtmeisterschaften keinen Beteiligten kalt. Dies gilt für die Spieler auf dem Platz, die Trainer am Spielfeldrand und auch für die Vereinsfunktionäre im Hintergrund, wo verbal auch schonmal das eine oder andere Scharmützel ausgetragen wird. Doch zum Glück wird das allermeiste keinesfalls so heiß gegessen wie gekocht, und so beruhigen sich die Gemüter in der Regel auch wieder verhältnismäßig schnell. Klar ist und bleibt: Emotionen sind beim Fußball das Salz in der Suppe. Gerade während einer Eschweiler Fußball-Stadtmeisterschaft.

Neuer Pokal: Dreimal in Folge hatte Fortuna Weisweiler das Turnier um die Stadtmeisterschaft gewonnen und somit den Wanderpokal in seinen endgültigen Besitz gebracht. Die Verantwortlichen vom Veranstalter Sparkasse stellten natürlich eine neue Trophäe zur Verfügung, die am Sonntagabend von den Mitarbeitern Stephan Theißen (für St. Jöris verantwortlich) und Sandra Zimmermann (Weisweiler) dem SV-Kapitän Christian Bittins überreicht wurde. Gebietsdirektor Sascha Schaffrath, der regelmäßiger Besucher der Partien in St. Jöris war, erfreute sich an der stimmungsvollen Atmosphäre aus dem Hintergrund. Und auch dessen Vorgänger Klaus Wohnaut zeigte seine Verbundenheit mit den Titelkämpfen und war am Schlusstag zu Gast auf dem Sportplatz an der Neusener Straße.

Ehrenamtler und Orgateam: Eine Stadtmeisterschaft auszurichten, bedeutet vor allem Arbeit. Dass die meisten Besucher davon wenig mitbekamen, zeigt, wie gut die Rädchen ineinander liefen. Die Ehrenamtler des SV St. Jöris um den Vorsitzenden Rudi Bittins waren in jeder Hinsicht zur Stelle und profitierten auch von der Erfahrung des bewährten Organisations-Teams mit Matthias Hanf, Wilfried Pütz, Helmut Brief, Dominik Scholl und Tim Schmitz.

Zuschauer: Die Stadtmeisterschaft zieht Besucher an. „Insgesamt nahezu 1700 Zuschauer haben erheblich zum Gelingen der Stadtmeisterschaften beigetragen“, dankte Rudi Bittins.

Ausblick: Ab dem 25. August geht es für die indestädtischen Teams um Meisterschaftspunkte. Bis dahin dürften noch zahlreiche Trainingseinheiten auf dem Programm stehen. Einheiten, die im Vorfeld des Blausteinsee-Cups und der Stadtmeisterschaft laut einiger Trainer fehlten, was die Frage aufwirft, ob die Traditionsturniere aus sportlicher Sicht etwas zu früh kommen. Sei´s drum. Die Termine der 30. Fußball-Stadtmeisterschaften stehen fest: 2020 freuen sich die Sportfreunde Hehlrath als Ausrichter in der Zeit vom 27. Juli bis zum 2. August auf hoffentlich zahlreiche Besucher auf dem Sportplatz „Am Maxweiher“.

Die 29. Ausgabe hat jedenfalls in mancher Hinsicht neugierig auf den weiteren Saisonverlauf gemacht: St. Jöris hat mit zwei Turniersiegen Erwartungen geweckt. Die neuformierte Mannschaft von Fortuna Weisweiler muss sich schnellstmöglich finden, um in der A-Liga bestehen zu können. Das Leistungsvermögen von Rhenania Lohn als Eschweiler Vertreter in der Kreisliga A Düren ist nach den Partien beim Blausteinsee-Cup und der Stadtmeisterschaft, zu denen die Rhenanen durchweg mit sehr kleinem Kader antraten, momentan nur sehr schwierig einzuschätzen.

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