Eschweiler: Siedlergemeinschaft: Erfolgreiche Idee wird 75 Jahre alt

Eschweiler: Siedlergemeinschaft: Erfolgreiche Idee wird 75 Jahre alt

Wird am Hermann-Löns-Anger das Festzelt aufgebaut, ist eines klar: Die Siedlergemeinschaft Jägerspfad feiert ein Jubiläum! 75 Jahre ist es inzwischen her, dass die Grundsteine zu der Siedlung in unmittelbarer Nähe des Eschweiler Stadtwaldes gelegt wurden.

Grund genug für den im Vorjahr neugewählten Vorstand um den Vorsitzenden Arndt Fielen, die Bevölkerung zu einem dreitägigen Siedlerfest in und um das Festzelt einzuladen. Sowohl am Freitag- als auch am Samstagabend unterhielt die Bergrather Show-, Tanz- und Partyband Surprise die Gäste. Weitere Höhepunkte waren die Auftritte des Kölner Bauchredners Klaus Rupprecht, der mit seinem frechen Affen Willi auf dem Arm so manchen Lacher auf seiner Seite hatte, des „Langen“ Alfred Wings aus Dürwiß sowie der Mundartgruppe Puddelrüh. Während des Familientags am Sonntag standen dann nicht zuletzt die jungen und jüngsten Siedler im Blickpunkt: Die Kinderliedermacher Ralf & Max aus Köln luden die kleinen Siedlerfestteilnehmer zum Mitmachen bei der Mini-Club-Party auf die Bühne ein. Ein Angebot, das die Kinder gerne annahmen. So standen nicht zuletzt singen und tanzen auf dem lustigen Programm, an dem Jung und Alt sichtlichen Spaß hatten.

Natürlich kam neben den Feiern auch ein Rückblick auf ein Dreivierteljahrhundert Siedlung Jägerspfad nicht zu kurz: Ein etwas 15 Hektar großes Gelände am nordöstlichen Rand des Stadtwaldes stellte die Stadt Eschweiler in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den ersten Siedlern zur Verfügung. Kinderreichen Familien die Gelegenheit zu geben, günstig Eigentum zu schaffen, lautete die Zielsetzung des Unterfangens. Eine der Bedingungen: Die Erschließung und Rodung des Ödlandes war von den Siedlern mit eigener Muskelkraft zu erbringen. Darüber hinaus sollte mit dem Anbau von Obst und Gemüse in den eigenen Gärten sowie mit Haustierhaltung eine weitgehende Eigenversorgung gesichert werden.

Im März 1939 bezogen die ersten Siedler ihre Häuser. Franz Quadflieg wurde Gemeinschaftsleiter und damit erster Vorgänger von Arndt Fielen. Sieben Jahre später, der Zweite Weltkrieg hatte in der Zwischenzeit auch unter den Siedlern zahlreiche Opfer gefordert, übertrug das Amtsgericht Eschweiler den Siedlern die Siedlerstellen als Eigentum. Geprägt von der gemeinsamen harten Arbeit blühte der Gemeinschaftssinn. Davon zeugten der gemischte Chor, Theatervorführungen und karnevalistische Abende im Veranstaltungsort Burghof. Im Juni 1964 konnte zum 25-jährigen Bestehen der Siedlung Jägerspfad das erste große Siedlerfest begangen werden. Neben dem Festzelt schmückten Riesenrad und Achterbahn (!) den Hermann-Löns-Anger.

Der 24. April 1966 stand dann im Zeichen des Gedenkens, als nach Gottesdiensten in der katholischen Pfarrkirche St. Barbara sowie in der evangelischen Friedenskirche die Gedenkstätte für die gefallenen und verstorbenen Siedler am oberen Rand des Angers eingeweiht wurde. Ende der 70er Jahre kündigte sich dann der erste „Generationenwechsel“ innerhalb der Siedlung an. „Altsiedler“ setzten sich zur Ruhe, ihre Kinder übernahmen die Siedlerstellen, Häuser und Grundstücke. Und auch zahlreiche neue Gesichter kamen in die Siedlung. Gesichter, die bis heute die Geschicke der Siedlung Jägerspfad mitbestimmen.

Die Wende

Doch im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ließ die Zahl der Aktivitäten spürbar nach. Eine Entwicklung, die den Vorstand im Jahr 1999 zu der Überlegung veranlasste, die Siedlergemeinschaft auf Grund des mangelnden Interesses aufzulösen. Doch das Siedlerfest zum 60-jährigen Bestehen brachte die Wende. Es ging wieder bergauf! Während der Versammlung am 3. Mai 2001 erfolgte schließlich der Beschluss, die Siedlergemeinschaft zum eingetragenen Verein werden zu lassen. Nach dem Rücktritt des Vorsitzenden Hans Hosang übernahm Walter Goy den Vorsitz zunächst kommissarisch, ab dem 31. Juli 2003 dann als gewählter Vorsitzender. Nach jahrelanger Abwesenheit bewarb sich die Siedlergemeinschaft noch einmal im Kreiswettbewerb des Deutschen Siedlerbundes (DSB) um die schönste Siedlung und belegte sogleich den zweiten Platz. Ein Ergebnis, das beim Kreisgartenwettbewerb 2006 mit Platz eins sogar noch übertroffen werden konnte. Nach der Ankündigung von Walter Goy im Jahr 2012, das Amt des Vorsitzenden niederzulegen, wurde Arndt Fielen während der Jahreshauptversammlung am 11. März 2013 zu seinem Nachfolger gewählt. „Unser Ziel ist es, den Gemeinschaftssinn als Grundgedanken der Siedler weiter aufrecht zu halten“, betont der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, der momentan 105 Haushalte angehören, während des Siedlerfestes am vergangenen Wochenende. „Im Zuge eines weiteren Generationenwechsels bemühen wir uns natürlich auch, auf Neuzugänge innerhalb der Siedlung zuzugehen und traditionelle Werte mit neuen Ideen zu verbinden. Unsere Gemeinschaft soll den Mitgliedern Schutz und Heimat bieten. Wir möchten nicht nebeneinander her-, sondern zusammenleben“, so Arndt Fielen weiter.

(ran)
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