Eschweiler: Shakespeare-Workshop am Städtischen Gymnasium

Eschweiler: Shakespeare-Workshop am Städtischen Gymnasium

Wo anfangen, wenn es um William Shakespeare geht? Werke wie „Macbeth“, „Hamlet“, „Viel Lärm um nichts“, „Richard III.“ und natürlich „Romeo und Julia“ scheinen unsterblich zu sein. Dramen, Tragödien und Komödien von Weltruhm zählten zum unendlich erscheinenden Repertoire des Schriftstellers und gehören auch mehr als 400 Jahre nach seiner Schaffensperiode zum Bildungskanon.

Zur Freude oder zum Schrecken zahlreicher Schüler! Unter guter pädagogischer Anleitung ist bereits das Lesen von Shakespeares Werken ein Genuss. Doch noch viel attraktiver ist es, sich als Schauspieler auf die Spuren des Weltliteraten zu begeben und in dessen Welt ein- und abzutauchen. Am Montagvormittag erhielten nun einige Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q2 (12. Jahrgang) des Städtischen Gymnasiums die Gelegenheit, genau dies im Rahmen eines Shakespeare-Workshops zu tun.

Helen Mirren, Jude Law & Co.

Schauspieler und Schauspiellehrer Julius D‘Silva, der unter anderem dem Ensemble der Royal Shakespeare Company angehört, demonstrierte den Oberstufenschülern zweier Englisch-Leistungskurse Fähigkeiten, die auf den Brettern, die die Welt bedeuten, unerlässlich sind und mit den gleichen Übungen und Trainingsmethoden von Schauspielgrößen wie Helen Mirren, Alan Rickman oder Jude Law erarbeitet wurden.

„Für mich ist Shakespeare der wichtigste Schriftsteller englischer Sprache“, eröffnete Julius D‘Silva seinen jugendlichen Schülern zu Beginn des Workshops. Warum? „Er stellt Emotionen wie Liebe und Freude, aber ebenso Angst und Hass in den Mittelpunkt.

Emotionen, die unser Leben auch heute noch bestimmen. Er beschäftigt sich in seinen Werken auch mit Politik oder Familienproblemen. Themen, die uns aktuell genauso betreffen wie die Zeitgenossen Shakespeares“, erklärte der Bühnendarsteller die Zeitlosigkeit der Shakespeare-Klassiker, bevor er die Bedeutung der Sprache und die Fähigkeit des Zuhörens in den Vordergrund stellte.

Denn berühmte Zitate wie „To be, or not to be, that is the question“ („Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“) oder „My kingdom for a horse!“ (Mein Königreich für ein Pferd“) aus Hamlet beziehungsweise Richard III. entfalten ihre nachhaltige Wirkung nur bei richtiger Betonung und pointierter Aussprache, wie die Schüler erfuhren, ausprobierten und umsetzten. Doch genauso wichtig ist die körperliche Präsenz des Darstellers, die Julius D‘Silva durch Bewegungsübungen aus seinen Schützlingen herauskitzelte.

Dann nahmen Lehrer und Schüler anhand der Tragödie „Romeo und Julia“ die Geschichte des wohl berühmtesten Liebespaares der Literatur unter die Lupe, die die angehenden Abiturienten derzeit mit ihren Lehrerinnen Angela Luz und Ursula Schnalle im Unterricht behandeln.

„Habt ihr schon mal Meinungsverschiedenheiten mit euren Eltern, weil ihr euch den vermeintlich falschen Partner ausgesucht habt? Wenn ja, dann ist dies exakt die Situation, die Romeo und Julia erleben“, machte der Brite die Aktualität des Werks gerade für junge Menschen noch einmal deutlich, ohne zu vergessen, die unterschiedliche Bedeutung des Theaters zur Zeit Shakespeares im Vergleich zu heute herauszustellen. „Der moderne Mensch ist vor allem visuell geprägt. Damals stand aber vor dem Hintergrund, dass rund 80 Prozent der Menschen nicht lesen konnten, das gesprochene Wort hoch im Kurs.“

Von Scheinwerfern geblendet

Ein Theaterbesuch sei also eine außerordentliche Erfahrung gewesen. „Die Besucher saßen praktisch im Kreis um die Bühne herum, so dass die Schauspieler auf Grund der Nähe die Zuschauer direkt ansprechen konnten. Heute stehe ich als Schauspieler auf der Bühne dem Publikum frontal gegenüber und werde von Scheinwerfern geblendet, so dass ich die Zuschauer gar nicht sehen kann. Zwischen Darstellern und Theaterbesuchern wird also quasi eine Mauer aufgebaut“, so Julius D‘Silva.

Dagegen dürfte die Mauer zwischen Shakespeare sowie Romeo und Julia auf der einen und den Schülerinnen und Schülern des Städtischen Gymnasiums auf der anderen Seite, falls im Vorfeld des Workshops überhaupt vorhanden, durch diesen definitiv eingerissen worden sein.

(ran)