Eschweiler: Sextett regelt den Kampf um Notfallpraxis

Eschweiler: Sextett regelt den Kampf um Notfallpraxis

Seit Montagabend hat der Protest gegen die mögliche Schließung der Notdienstpraxis im St.-Antonius-Hospital ein Gesicht. Besser geschrieben: mehrere Gesichter, denn ein sechsköpfiger Sprecherkreis will den Kampf um den Erhalt der MQN-Praxis in geordnete Bahnen lenken.

Während der Versammlung im Saal des Talbahnhofs erklärten sich Kornelia Schmitz, Willi Greven, Georg Urbach, Jörg Erkens, Thomas Awihsus und Chantal Sieger bereit, den Protest der Bürgerinitiative zu koordinieren.

Dabei begann der Abend ein wenig enttäuschend für die Initiatoren um Jörg Erkens. Beteiligten sich an der Kundgebung vor dem Krankenhaus vor drei Wochen noch über 200 Menschen, so blieben im Saal des Talbahnhofs am Montag einige Plätze frei. Ein Großteil der Anwesenden vertrat zudem eine Partei oder eine Institution. Nur von der Eschweiler Ärzteschaft war niemand anwesend. MQN-Sprecher Dr. Jürgen Küpper hatte sich im Vorfeld entschuldigt.

Der Tenor an diesem Abend war klar: Eine Schließung der Notdienstpraxis im Krankenhaus, die vom Verein MQN geführt wird, soll unbedingt verhindert werden. „Es gibt keine Gründe, über eine Schließung nachzudenken, und man nennt uns auch keine, warum dies überhaupt zur Diskussion steht“, sagte Jörg Erkens, der den Abend moderierte. Ohnehin wisse man nicht so recht, an wen man sich wenden solle. „Wir kämpfen wie Don Quichotte gegen Windmühlen“, zielt er darauf, dass der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in der Städteregion Aachen, Dr. Lothar Nossek, bisher keine klare oder aus Erkens‘ Sicht unterschiedliche Aussagen getroffen hat.

Die Gemengelage bei der Neuregelung ist in der Tat nicht einfach, was auch der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD) bestätigte. „Es gibt einen Prüfbericht der Landesregierung zu den KV-Notfallpraxen, den ich nicht kenne und auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht bekommen kann“, berichtete der Landespolitiker. Auch die Kassenärztliche Vereinigung sage, dass er ihr nicht vorliege. Zwei Argumente sprechen in den Augen Kämmerlings für die MQN-Praxis am Eschweiler Krankenhaus: „Die Notdienstpraxis ist am Krankenhaus angedockt und die Abrechnungen erfolgen nach vorgegebenen Standards.“ Bliebe die auch von Kämmerling angesprochene „Gewinnmaximierung“. „Man will Geld sparen, indem man pauschal x Praxen schließt“, sagte er.

Widerspruch erntete Kämmerling für seine Worte nicht. Auch nicht von politischen Mitbewerbern. Ohnehin stand am Montagabend im Vordergrund, dass sich das Thema nicht für einen Parteienstreit eigne. Und auch nicht für eine Konkurrenzsituation der Städte. „Es geht nicht darum zu bewerten, ob Eschweiler besser ist als Stolberg oder nicht — Ziel muss eine breite Versorgung mit kurzen Wegen sein“, meinte Bürgermeister Rudi Bertram und erntete vor allem für den folgenden Satz Applaus: „Man hat schon über Nacht den Apothekennotdienst zum Nachteil der Bürger neu geregelt. Das darf uns mit dem ärztlichen Notdienst nicht passieren.“ Deswegen sei er im stetigen Kontakt zu dem MQN-Sprecher Dr. Jürgen Küpper und dem Geschäftsführenden Vorstand des Hospitals, Elmar Wagenbach.

Letzterer zählt ebenfalls zu den Unterstützern der Bürgerinitiative. Er wertete die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung als „Einschränkung der Notfallversorgung“. Für Wagenbach ist die Vorgehensweise sogar Kalkül: „Je weiter man fahren muss, desto weniger Menschen gehen in die Notfallpraxis.“ Dabei geht er davon aus, dass maximal ein Fünftel der Patienten ihren Arztbesuch auf den nächsten Tag verschieben könnten. „Die Mehrheit wird also mit einer Schließung bestraft“, sagte er.

Deutliche Worte fand Georg Urbach, der sich am Ende der Veranstaltung auch dem Sprecherkreis anschloss: „Wer demnächst krank ist, lernt die Städteregion kennen: Er muss zur Notdienstpraxis nach Würselen ins Medizinische Zentrum und anschließend nach Breinig zur Apotheke.“ Beifall. Wenig später ergriff er nochmals das Wort, als Parteivertreter darüber diskutierten, wer in der Politik Ansprechpartner ist: „Wenn wir den Sumpf trockenlegen wollen, dann dürfen wir nicht nur mit den Fröschen der KV reden.“ Deswegen müsse die Stoßrichtung sein, auch die Landesregierung anzusprechen und die Bundesebene einzubinden. Schließlich seien es Bundesgesetze, die einer eventuellen Neuregelung der Notdienste von Hausärzten zugrunde liege. Vor der Bürgerinitiative liegt also eine Herkulesaufgabe, der man sich gemeinsam stellen will.