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Eschweiler: Sertac Mutlu gewinnt „Lok“ und „Lökchen“

Eschweiler : Sertac Mutlu gewinnt „Lok“ und „Lökchen“

Schon vor vier Jahren zog er in das Finale des „Nightwash“-Talent-Awards ein. Am Mittwochabend feierte der „kölsche Jung“ nun auf der Bühne des Talbahnhofs einen Doppelsieg: „Stand-up-Comedian“ Sertac Mutlu überzeugte Jury und Publikum gleichermaßen.

Er sammelte während des vom Kleinkunstförderverein Talbahnhof Eschweiler und von der Sparkasse präsentierten Kabarett- und Comedywettbewerbs die im wahrsten Sinne des Wortes und in jeder Hinsicht schwergewichtige „Eschweiler Lok“ sowie das „Lökchen“ ein und steht somit in einer Reihe mit den Lok-Gewinnern Sebastian Pufpaff und Martin Zingsheim. Umso wertvoller werden diese Erfolge durch die starken und vielbeklatschten Auftritte der „Konkurrenz“. Die im Verlauf des 20. Jahrhunderts in Berlin geborene Komikerin Senay Duzcu, Klavierkabarettist Daniel Helfrich und der zu seinen Wurzeln zurückgekehrte 47-jährige „Jungspund“ Florian Simbeck boten abwechslungsreiche Kostproben ihres Könnens, die es den zahlreichen „Wertungsrichtern“ vor der Bühne alles andere als leicht machten, ihre „Urteile“ zu fällen.

Gewann „Lok“ und „Lökchen“: Sertac Mutlu.

Doch letztlich gab es eine bemerkenswerte Übereinstimmung zwischen den fünf kompetenzstrotzenden Jurymitgliedern Hubert vom Venn, Dieter Kamp (Stadt Eschweiler), Dieter Pieta (Kleinkunstförderverein Talbahnhof), Sascha Schaffrath (Sparkasse Aachen) sowie Gastgeber Walter Danz und den aufmerksam-kritischen Zuhörern im Zuschauerraum. Sertac Mutlu hatte nach einem alles andere als „unerhörten“ Wortfeuerwerk die Nasenspitze vorne. Und der von Daniel Helfrich wenige Stunden zuvor ausgesprochene Satz, dass „Kabarett auch schonmal weh tun müsse“, bewahrheitete sich zu später Stunde auf geradezu dramatische Weise.

Einzigartig

Denn mit der Bekanntgabe des Siegers musste der Fördervereinsvorsitzende Peter Adrian eben auch vermelden, wer am Mittwochabend nicht gewonnen hatte. „Auch bei der siebten Auflage eine Sch...-Situation“, drückte der Moderator seine Gefühle durchaus plastisch aus.

Zum Auftakt des Kabarett- und Comedywettbewerbs hatte Peter Adrian noch einmal auf die tatsächliche Einzigartigkeit der „Eschweiler Lok“ hingewiesen, die erneut vom indestädtischen Künstler Ricardo Oliveira als Unikat geschaffen worden war. Kurz darauf hieß es „Bühne frei“ für Daniel Helfrich, der am Klavier Platz nahm, musikalisch feststellte, dass das Leben zu kurz sei, „um sich nicht zu trauen“, seinen Zuhörern die eine oder andere unangenehme Frage stellte, sich outete, zu den eigenartigen menschlichen Exemplaren zu gehören, die an einer Tankstelle ausschließlich tanken und schließlich eines seiner Lieder zitierte, das sich ausgesprochen froh zeigte, kein Lied von Helene Fischer zu sein.

Senay Duzcu brachte dem Publikum sehr pragmatisch die Vorteile ihrer deutsch-türkischen Seele näher: „Ich komme hier und da zu spät zur Arbeit, achte aber peinlichst genau darauf, pünktlich Feierabend zu machen!“ Darüber hinaus seien die Redensarten „Hals- und Beinbruch“ sowie „es wird schon schiefgehen“ Ausdruck des sprichwörtlichen deutschen Optimismus. Ihren 20-minütigen Vortrag schloss Senay Duzcu dann aber mit einer Warnung in Sachen türkisches Temperament. „Wenn Muslime zu Christen werden, dann habt ihr keine Stille Nacht mehr.“

Florian Simbeck gab nach der Pause unumwunden zu, noch heute alberner zu sein als sein Sohn, der im Zeitalter der Playstation analogen Fußball auf echtem Gras spiele, hinter dem Wort Anorak jedoch ein Wesen aus der „Herr der Ringe“-Welt vermute.

Unter dem Motto „das beziehungsweise der Allerbeste kommt zuletzt“ eroberte dann Sertac (und keinesfalls Serkan oder Sanchez) Mutlu die Talbahnhofbühne. Der Wortakrobat, der auf Grund seiner Kulleraugen in seltenen Fällen mit Bambi verwechselt wird, setzt weniger auf seine tänzerischen Fähigkeiten als auf Masse. „Wenn ein Mann ohne Bauch wie eine Wohnung ohne Balkon ist, dann bin ich eine Terrasse“, bekannte der Comedian, der an den von Sparkassen-Gebietsdirektor Sascha Schaffrath überreichten Preisen „Eschweiler Lok“ und „Lökchen“ durchaus schwer zu tragen hatte.

Vom Vorgänger des Letztgenannten galt es am Mittwochabend Abschied zu nehmen. Vor der Pause bat Peter Adrian mit Klaus Wohnaut den sich seit einigen Wochen im Ruhestand befindenden ehemaligen Gebietsdirektor der Sparkasse auf die Bühne. „Sie haben unseren Förderverein bei der Umsetzung der Idee ‚Eschweiler Lok‘ von Anfang an unterstützt. Ohne sie wären wir alle heute nicht hier!“, erklärte der Fördervereinsvorsitzende.

„Ich bin stolz darauf, bei der Entstehung dieser Veranstaltung dabei gewesen zu sein“, erwiderte Klaus Wohnaut, der versprach, natürlich Mitglied des Kleinkunstfördervereins zu bleiben. Und während der achten Ausgabe des Kabarett- und Comedywettbewerbs „Eschweiler Lok“ im Jahr 2020 erneut als Zuseher und -hörer Teil des Publikums zu sein.

(ran)