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Eschweiler: Senioren auf dem Weg eines selbstbestimmten Lebens

Eschweiler : Senioren auf dem Weg eines selbstbestimmten Lebens

„Wir gehen pflegen, merken dabei aber, die Leute sind trotzdem einsam.” Monika Boden-Marin bringt das Problem auf den Punkt: Hilfsbedürftige ältere Menschen erhalten über die ambulanten Pflegedienste zwar die notwendige praktische Hilfe bei sich zu Hause, doch fehlen ihnen oft notwendige Ansprache und Gesellschaft.

Und ins Heim mit seiner pauschalen Rundum-Versorgung möchten viele auch nicht. Ein neues Projekt im Kreis Aachen, soll demnächst diese Lücke schließen: die „ambulant betreute Seniorenwohngemeinschaft für Pflegebedürftige” - in Laiendeutsch: eine WG für Pflegefälle.

Zuwendung vermisst

Initiiert wird dieses Projekt, für das bereits verbindliche Anmeldungen vorliegen, von Monika Boden-Marin und Gisela Becker-Bonaventura, welche seit über 16 Jahren einen ambulanten Pflegedienst für Eschweiler und Stolberg betreiben und daher mit der Problematik rund um die Pflege älterer Menschen bestens vertraut sind.

Ihrer Ansicht nach klafft eine große Lücke zwischen dem Dasein eines Pflegebedürftigen, der einerseits alleine zu Hause lebt und ambulant ganz oder teilweise gepflegt wird, oder der andererseits in der festen Struktur eines Heims untergebracht ist. Auf der einen Seite fehle die nötige Zuwendung und Kommunikation mit anderen Menschen.

Zu starr und unflexibel

Auf der anderen Seite sei das festgelegte Pauschalangebot der Heime manchmal zu starr und unflexibel und gehe nicht wirklich auf die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Menschen ein. „Wenn die Heime weiter bestehen wollen, müssen sie diese Individualität reinbringen”, urteilt Monika Boden-Marin.

Diese Individualität soll im neuen Projekt berücksichtigt werden, denn „wir heben die Selbstbestimmung der Menschen hervor”, so die Initiatorinnen.

Sechs pflegebedürftige Senioren sollen eine Wohnung miteinander teilen und ihren Alltag miteinander gestalten und verbringen. Diese Gruppe eignet sich besonders für Menschen, die gerne im Familienverband leben würden.

Ambulante Pflege

Geführt wird der Haushalt von einer Haushälterin, jeder einzelne Mitbewohner erhält seine ambulante Pflege gemäß der eigenen Bedürfnisse. Dinge wie Mietverträge, die Einstellung der Haushaltshilfe, die Möblierung der Zimmer, Haustierhaltung, Abläufe im Haushalt und Tagesablauf sollen von den Bewohnern soweit wie möglich eigenverantwortlich geklärt werden.

Täglicher Besuch

Unterstützt werden sie dabei von Monika Boden-Marin und Gisela Becker-Bonaventura, die im Rahmen der ambulanten Pflege täglich vorbeischauen und auch darüber hinaus für Organisatorisches zuständig sind.

Festgefahrene Strukturen gibt es in diesem Projekt nicht. Gute Erfahrungen haben gleichartige Projekte in anderen deutschen Städten bereits gemacht.

Deren Erfahrungen haben das Bundesfamilienministerium und das Kuratorium Deutsche Altershilfe in einem Ratgeber, den die Organisatorinnen nutzen, zusammengefasst.

„Tolles Projekt

„Alle, die im Bereich der Pflege arbeiten, finden das Projekt toll”, freut sich Gisela Becker-Bonaventura. Die Kosten im Vergleich zum Heim seien sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für die Krankenkassen niedriger.

Was nun noch fehlt, ist geeigneter Wohnraum. Anfragen bei der Stadt und bei Geschäftsleuten laufen jedoch, und man schätzt, dass der Einzug der ersten Gruppe in einem halben Jahr stattfinden kann.

„Wir stehen immer senkrecht.” Strahlende Gesichter bei zwei Damen, die über ein immenses Potenzial an Motivation und positiver Energie verfügen.