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Nach dem Hochwasser: Schwimmverein bringt Überdachung für das Freibad wieder ins Spiel

Nach dem Hochwasser : Schwimmverein bringt Überdachung für das Freibad wieder ins Spiel

Die Halle an der Jahnstraße bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der Schwimmverein bringt deshalb Pläne für eine Überdachung des Freibads, die vor 17 Jahren geschmiedet worden sind, noch einmal ins Spiel.

„Ich habe in den vergangenen Tagen viel Leid und Zerstörung in unserer Stadt erlebt“, betont Christoph Herzog. Das unterstreicht er gleich zu Beginn des Gesprächs mit unserer Zeitung. Denn er möchte, dass das, was im weiteren Verlauf folgt, richtig eingeordnet wird.

Herzog ist Vorsitzender der Wasserfreunde Delphin Eschweiler. Und damit in seiner ehrenamtlichen Funktion veranwortlich für fast 500 Mitglieder. Sie haben mit der Zerstörung der Schwimmhalle an der Jahnstraße ihre sportliche Heimat verloren. Und damit auch jegliche Möglichkeit, zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. „Ich bin mir mit Bürgermeisterin Nadine Leonhardt einig, dass die Schwimmhalle in der aktuellen Lage sicherlich nicht höchste Priorität haben sollte. Dennoch müssen wir auf längere Sicht schauen, wie es uns gelingen kann, in Eschweiler wieder eine dauerhafte Schwimmstätte anbieten zu können.“

Herzog denkt dabei, das stellt er klar, nicht nur an die vereinseigenen Schwimmer, Synchronschwimmer und Wasserballer. „Auch wenn die Folgen des Hochwassers für uns eine Katastrophe sind, unser komplettes Equipement zerstört ist und wir bis jetzt keine Ausweichmöglichkeiten haben.“ Es gehe ihm vielmehr auch um eine Perspektive für das öffentliche Schwimmen, den Sportunterricht der Schulen und die (Nicht-)Schwimmerkurse für Kinder.

Vor allem letzteres bereitet dem Vorsitzenden nach eigener Aussage große Sorgen: „Aufgrund der Coronavirus-Krise haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren fast keinem Kind das Schwimmen beibringen können. Wenn sich das jetzt wegen der Hallenschließung noch zwei Jahre oder länger fortsetzen wird, haben wir am Ende eine ganze Generation von Grundschülern, die keine Chance hat, das Schwimmen zu erlernen.“

Zuspitzung verhindern

Um eine solche Zuspitzung zu verhindern, hat Christoph Herzog einen alten Plan aus der Schublade geholt. Ziemlich genau 17 Jahre ist er alt und stammt aus einer Zeit, als nach der Schließung des Freibads in Weisweiler darüber diskutiert wurde, wie man die Anlage in Dürwiß besser und länger nutzen könnte. „Damals gab es Überlegungen, eine temporäre Überdachung zu installieren, eine Art Hangar“, blickt der Vorsitzende zurück. „Das ist natürlich nicht so komfortabel wie eine richtige Schwimmhalle. Aber so könnte zumindest eine ganzjährige Nutzung ermöglicht werden.“ Alternativ kann sich Herzog auch eine Traglufthalle vorstellen, wie sie beispielsweise der TK Blau-Weiß Aachen seit 2017 im Herbst und Winter zum Einsatz bringt und damit zwei Hallenplätze schafft.

Der erste gute Eindruck trügt: Das Hallenbad an der Jahnstraße wird langfristig nicht mehr genutzt werden können. Deshalb beginnt nun die Suche nach einer Alternative.
Der erste gute Eindruck trügt: Das Hallenbad an der Jahnstraße wird langfristig nicht mehr genutzt werden können. Deshalb beginnt nun die Suche nach einer Alternative. Foto: MHA/Michael Grobusch

Im einen wie im anderen Fall sehen die aktualisierten Pläne für das Freibad in Dürwiß vor, das 33 Meter lange Becken in zwei Bereiche zu unterteilen – ein 25-Meter-Schwimmerbecken sowie einen mit einem angehobenen Boden ausgestatteten Nichtschwimmerbereich, der mit einer mobilen Wand abgetrennt wird. Seriöse Kostenschätzungen zu diesem Modell gibt es noch nicht. „Damals waren für den Hangar rund 600.000 Euro veranschlagt worden. Allerdings inklusive einer wintertauglichen Ertüchtigung der Umkleiden, die in der Zwischenzeit schon erfolgt ist“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Ob die Stadt Eschweiler überhaupt Geld für die Überdachung des Freibads haben wird, steht wie so vieles in diesen Tagen und Wochen nach der Flutkatastrophe in den Sternen. Christoph Herzog möchte sich deshalb um mögliche Fördergelder bemühen. „Es gibt beispielsweise einen Hochwasserfonds beim Landessportbund. Und in einigen Tagen soll es ein Treffen von Vertretern verschiedener Verbände mit dem Land NRW geben, in dem es um mögliche Hilfs- und Aufbauprogramme gehen wird.“ Herzog will prüfen, ob sich daraus auch (finanzielle) Möglichkeiten für Eschweiler ergeben. Und er macht der Stadt schon jetzt ein Angebot: „Wir haben Architekten und Ingenieure in unserem Verein, die helfen könnten.“

Nichts dürfe unversucht bleiben, um in der Stadt wieder eine dauerhaft nutzbare Schwimmstätte zu schaffen. „Das muss uns einfach gelingen. Anderenfalls haben wir nicht nur ein sportliches, sondern auch ein großes gesellschaftliches Problem.“