Eschweiler: Schuppermalkurs in der Woche der Senioren

Eschweiler: Schuppermalkurs in der Woche der Senioren

Unter Leitung der Künstlerin Gerlinde Zantis hatten Bewohner und Freunde des AGO-Seniorenzentrums an der Bismarckstraße die Möglichkeit, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Im Rahmen der ersten Eschweiler Woche der Senioren, die Winfried Effenberg, Seniorenbeauftragter der Stadt, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Firmen ausgerichtet hat, fand ein Schnuppermalkurs statt.

Unter fachkundiger Beratung der freischaffenden Künstlerin Gerlinde Zantis konnten die Senioren malen und zeichnen, was das Zeug hielt. Der vorösterliche Sonnenschein und der gleichzeitig stattfindende Gymnastikkurs im Haus hielten so manchen allerdings davon ab, den Schnupperkurs aufzusuchen; über ein paar mehr Interessierte hätten sich die Veranstalter gefreut. Doch aus der Welt ist die Gelegenheit, sein Können im Seniorenzentrum auszuprobieren, nicht - der freitägliche Malkurs ist längst eine feste Institution.

Die Arbeit mit Senioren ist der Künstlerin vertraut; seit rund zehn Jahren gibt sie im AGO-Seniorenzentrum jeden Freitag Mal- und Zeichenunterricht. Davor hatte sie bereits Erfahrungen im Unterrichten sammeln können - an der Volkshochschule Eschweiler gibt sie ebenfalls Kurse. Die Arbeit im Seniorenzentrum ist allerdings etwas anders, meint sie. „Der Unterschied ist der, dass die Leute hier ein bisschen freier sind.”

Zuletzt in der Schule gemalt

Elisabeth Jansen, die heute 82 wird, belegt den Malkurs seit eineinhalb Jahren regelmäßig. Sie nutzte die Gelegenheit, und freute sich, den Kurs diese Woche gleich zweimal besuchen zu können. „Ich habe auch zuerst gesagt: Ich kann es nicht”, erinnert sie sich an die erste Zeit im Kurs. Zum letzten Mal hatte sie davor in der Schule gemalt. „Ich weiß schon gar nichts mehr davon, ob ich gut war, oder nicht”, erklärt sie und nimmt ein Stück dunkelgrüner Pastellkreide in die Hand. Konzentriert malt sie Gräser, setzt Akzente auf eine weite, hellgrüne Wiese im Vordergrund. Im Hintergrund des Bildes leuchten Berge im Abendrot. Neben ihr liegt ein Druck, der die gleiche Landschaft zeigt.

Die Kursteilnehmer arbeiten hauptsächlich mit Pastellfarben und Farbstiften. Mit diesen Materialien kann jeder mehr oder weniger gut arbeiten. Das ist in einem Kurs wie diesem wichtiger als experimentelles Arbeiten. Die Farben, erklärt Zantis, „sind nämlich auch besonders geeignet für Demenzkranke”, und auch diese erfahren im Malkurs die Möglichkeit, kreativ zu sein. Der Kurs sei bunt gemischt, von sehr fitten Leuten bis zu Demenzpatienten, Männer wie Frauen. Es sind die unterschiedlichsten Charaktere, die ihr Talent beim gemeinsamen Malen weiter entwickeln, oder, wie Elisabeth Jansen, erst entdecken. „Ganz viele haben motorische Probleme und arbeiten mit links”, obwohl sie doch eigentlich Rechtshänder seien, erzählt Zantis von einer weiteren Besonderheit in der Arbeit mit Senioren. Und doch können sich die entstandenen Bilder sehen lassen. Und das tun sie auch: „Alle Bilder, die Sie hier im Haus sehen, sind hier im Kurs entstanden”, berichtet die Kursleiterin.

„Ich mache alles mit”

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, aber die meisten Senioren, so Zantis, arbeiten lieber mit Vorlagen. So hat auch Elisabeth Jansen mit dem Malen angefangen. Kurz wendet sie den Blick von dem Alpenpanorama, das vor ihr liegt: „Das ist das erste Bild, das ich aus freier Hand mache”, sagt sie. Acht Bilder hat sie schon gemalt: „Damit kriegt man doch die Zeit um. Ich komme gern hierher. Ich mache alles mit im Haus.”

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