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Austausch auf Augenhöhe: Schulpartnerschaft zwischen Eschweiler und dem ghanaischen Keta

Austausch auf Augenhöhe : Schulpartnerschaft zwischen Eschweiler und dem ghanaischen Keta

Es ist ein außergewöhnliches Projekt: Die Realschule Patternhof Eschweiler und das Keta Business College aus dem westafrikanischen Ghana gehen eine Schulpartnerschaft ein.

Akwaaba! Herzlich willkommen lautete das „Zauberwort“, das Michaela Silbernagel in der zweiten Oktoberhälfte immer wieder entgegengerufen wurde. Elf Tage lang weilte die Leiterin der Realschule Patternhof an der Spitze einer Delegation, der ebenso die Lehrerinnen Kathrin Gillessen und Sigrid Hendryk, Lehrer Elmar Christoffels, Schülerin Laura Offermanns, Schülersprecher Can Akkurt, Elternvertreterin Yvonne Pauli sowie Peter Silbernagel, der für die Dokumentation verantwortlich war, in Ghana. Auf „Anbahnungsreise“ für eine außergewöhnliche Kooperation.

Denn die Realschule Patternhof geht eine Schulpartnerschaft mit dem Keta Business College (Ketabusco) ein, an dem 1800 Schülerinnen und Schüler von 125 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Mit dem Gegenbesuch, der noch bis zum kommenden Samstag andauert, wird die Partnerschaft nun endgültig beschlossen.

„Die Herzlichkeit, mit der wir von den Menschen in Keta begrüßt und im wahrsten Sinne des Wortes aufgenommen wurden, ist kaum in Worte zu fassen“, ist Michaela Silbernagel auch eineinhalb Wochen nach der Rückkehr tief beeindruckt. Und erntet energisches Kopfnicken von Schülersprecher Can Akkurt und dessen Mitschülerin Laura Offermanns, die als Vertreterin der Schülerversammlung die weite Reise antrat.

 Die Klasse 5b brachte mit ihrem Liedvortrag die nun besiegelte Schulpartnerschaft zwischen der Realschule Patternhof und dem Keta Business College auf den Punkt.
Die Klasse 5b brachte mit ihrem Liedvortrag die nun besiegelte Schulpartnerschaft zwischen der Realschule Patternhof und dem Keta Business College auf den Punkt. Foto: Andreas Röchter

Beiden Zehntklässlern ist vor allem die Lebensfreude der Menschen in Ghana im Gedächtnis geblieben. „Obwohl die Lebensbedingungen sich doch deutlich von denen in Deutschland unterscheiden“, haben Laura Offermanns und Can Akkurt übereinstimmend festgestellt. Die Beiden sind stolz darauf, dass „ihre“ Schule Teil dieser außergewöhnlichen Partnerschaft ist und sie ihren Teil zur Anbahnung und Besiegelung beitragen konnten, auch wenn die eigene Schullaufbahn an der Realschule Patternhof in absehbarer Zeit endet.

Doch wie kam es eigentlich zur Anbahnung der Schulpartnerschaft? „Der Ursprung liegt in einem Gespräch mit Jan Schuster, der bei der Stadt als Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik agiert, zum Thema Fairtrade-AG und Nachhaltigkeit an unserer Schule. Wir beide verfügen über eine Affinität zu Afrika. So entstand die Idee. Die Tatsache, dass seit 2007 ein Partnerschaftsabkommen zwischen Nordrhein-Westfalen und Ghana besteht sowie die Vernetzung der Stadt Eschweiler, die Teil des kommunalen Fachaustauschs NRW – Ghana ist, half bei der Konkretisierung des Vorhabens, das vom Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert wird“, erläutert Michaela Silbernagel, die am Dienstagvormittag gemeinsam mit der Schulgemeinschaft die Delegation aus Keta um Schulleiterin Matilda Dzotefe und ihren Vorgänger Godstime Etse Seake-Kwawu im hochwasserbedingten Ausweichquartier in Würselen empfing.

 Vereint im Willen, die Schulpartnerschaft mit Leben zu erfüllen: die Schulleiterinnen Michaela Silbernagel und Matilda Dzotefe.
Vereint im Willen, die Schulpartnerschaft mit Leben zu erfüllen: die Schulleiterinnen Michaela Silbernagel und Matilda Dzotefe. Foto: Andreas Röchter

Umrahmt von einem Fahnenspalier und Musikbeiträgen, betonte die Schulleiterin, dass sich die Partnerschaft nicht in erster Linie durch gegenseitige Unterrichtsbesuche auszeichnen werde. Vielmehr gehe es um Einblicke in das Leben junger Menschen beider Länder, um die verschiedenen Blicke auf die Welt und Umwelt sowie um Verständnis für andere Kulturen und gemeinsame globale Herausforderungen.

„Unsere beiden Städte Keta und Eschweiler haben Fluterfahrungen hinter sich. Keta aufgrund der Lage am Meer regelmäßiger als wir. Bei diesen Überschwemmungen wurde Menschen vieles genommen. Nicht aber der Wille, immer wieder neu anzufangen, nach vorne zu blicken und dankbar dafür zu sein, keinen körperlichen Schaden erlitten zu haben“, so Michaela Silbernagel.

Darüber hinaus habe die gemeinsame Erfahrung der Corona-Pandemie gelehrt, darüber nachzudenken, was im Leben wirklich wichtig sei. „Gewiss nicht Macht, Reichtum oder allein beruflicher Erfolg. Wohl aber Gesundheit, Zufriedenheit, Familie und persönliche Beziehungen.“ Eine Schulpartnerschaft könne auch einen Beitrag zur Lebensbewältigung leisten.

Doch automatisch und selbstverständlich sei das Gelingen keinesfalls. „Wir alle müssen für neue, ungewohnte und ungewöhnliche Erfahrungen offen sein“, richtete die Schulleiterin einen Appell an alle Beteiligten. „Wir haben Großes am Keta Business College erleben dürfen: eine unüberbietbare Gastfreundschaft, eine ansteckende Fröhlichkeit, keine Berührungsängste, Offenheit, Ehrlichkeit und ernsthafte Freundschaften, die schon nach Stunden entstanden“, so der Rückblick der Schulleiterin, die in Ghana zur „Mama Ketabusco“ ernannt worden war.

Die nun besiegelte Schulpartnerschaft lebe von Menschen, dem zukünftigen gemeinsamen Erleben und dem Bemühen um bestmögliche Lösungen für weltweite Herausforderungen. „Menschliche Beziehungen helfen einander, egal wie jung oder alt jemand ist. Sie eröffnen Perspektiven und Hoffnungen in einer Welt, die komplexer wird und neue Herausforderungen mit sich bringt“, machte Michaela Silbernagel deutlich.

Gemeinsam mit Ketabusco-Leiterin Matilda Dzotefe hofft sie auf eine „lebenslange Partnerschaft auf Augenhöhe“. Deren nächstes Kapitel soll im kommenden Jahr aufgeschlagen werden. Mit einem Besuch von Schülerinnen und Schülern der neunten Jahrgangsstufe der Realschule Patternhof in Keta. Doch zunächst werden noch bis Samstag gemeinsame Aktivitäten in Eschweiler und Umgebung unternommen. Dann heißt es „Auf Wiedersehen“. Verbunden mit einem gegenseitigen Danke! Akpe!