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Schulentwicklung: Ein Zahlenwerk mit reichlich Zündstoff

Von: Patrick Nowicki
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Wie geht es weiter mit den Eschweiler Schulen: Der Ausschuss spricht am Mittwoch darüber. Foto: Patrick Nowicki/imago/JOKER

Eschweiler. Nach Auffassung der Stadtverwaltung und der Schulaufsicht sollen in der Innenstadt zwei Gemeinschaftsgrundschulen vorhanden sein. Der Haken: Dafür müssten zwei derzeitige Bekenntnisschulen umgewandelt werden.

 „Langfristig stellt sich die Frage, ob der Umfang an katholischen Grundschulen noch zeitgemäß ist“, heißt es unter anderem im Schulentwicklungsplan (SEP), den die Verwaltung zur Beratung dem Schulausschuss vorlegt. Über eine solche Umwandlung entscheiden letztlich die Eltern. Die einzige Grundschule in der Innenstadt, in der aktuell die Zahl der nicht-christlichen Kinder überwiegt, ist jedoch keine katholische: Betroffen wäre die einzige evangelische Grundschule in Eschweiler.

Der Schulentwicklungsplan muss alle fünf Jahre aufgelegt und aktualisiert werden. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben. Aus „verwaltungsinnerorganisatorischen Gründen“ kommt der SEP mit einem Jahr Verspätung auf den Tisch – der letzte datiert aus dem Jahr 2010. Er bewertet auch die voraussichtlichen Anmeldezahlen in den Schulen und legt bei Grundschulen unter anderem die Geburtenrate zugrunde. Anhand dieser Zahlen werden auch die Grenzen für Klassengrößen gesteckt.

In Dürwiß wandte sich nun Schulleiterin Renate Topp-Klein in einem Brief an Schulamtsleiterin Petra Seeger. Sollte der Plan von den Kommunalpolitikern abgesegnet werden, führt dies in der KGS Dürwiß dazu, dass im Schuljahr 2017/18 vier Kinder abgewiesen werden müssen. Die Stadtverwaltung nimmt dies in Kauf: „Die abgewiesenen Schüler müssten dann andere Schulen besuchen. So bestünden z.B. an der KGS Kinzweiler und auch an der KGS Röhe ausreichende Kapazitäten, die hier abgewiesenen Schüler aufzunehmen“, heißt es in der Vorlage.

Bei Schulleiterin Topp-Klein stoßen diese Gedanken auf wenig Verständnis. In einem Schreiben an die Schulamtsleiterin Petra Seeger fragt sie unter anderem nach den Kriterien, welche Kinder letztlich abgelehnt werden, die aus dem Einzugsgebiet der Schule stammen. „Wie kommen sechsjährige Kinder von Dürwiß nach Röhe oder Kinzweiler?“, will sie wissen. Bei einer Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, müsste das Kind am Bushof zunächst noch umsteigen. Als persönliche Anmerkung ergänzt sie: „Als Mutter hätte ich größte Sorge, wie mein sechsjähriges Kind das alleine bewältigen soll.“ Sie sieht das Prinzip „Kurze Beine – kurze Wege“ untergraben.

Deutliche Worte finden sich im SEP auch zur Situation des Städtischen Gymnasiums. Wörtlich heißt es: „Wenngleich der Bestand des Gymnasiums noch nicht als dauerhaft gefährdet angesehen werden kann, ist die niedrige Anmeldezahl am Städtischen Gymnasium für das Schuljahr 2016/17 schon alarmierend.“ Stand März lagen 58 Anmeldungen für das kommende Schuljahr vor.

Hinzu kommen drei Flüchtlingskinder, die bisher eine internationale Klasse am Gymnasium besuchen und dann als Fünftklässler zukünftig am Regelunterricht teilnehmen. Dies gewährleiste die Bildung von drei Eingangsklassen. „Für die Folgejahre der Prognose ist wieder mit höheren Anmeldezahlen zu rechnen, wobei die Schülerzahlen insgesamt einen sinkenden Trend aufweisen“, teilt die Stadtverwaltung mit.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt Eschweiler kräftig in das Gymnasium investiert. Unter anderem wurde ein modernes Gebäude an der Preyerstraße mit Mensa und Selbstlernzentrum errichtet, auch die naturwissenschaftlichen Räume wurden neu ausgestattet.

Bei der Suche nach Lösungen für das Städtische Gymnasium erwägt die Verwaltung auch, zu G9, also dem Abitur nach neun Schuljahren, zurückzukehren. Dies sehe man als „Standortvorteil“ an. Zunächst muss allerdings die Schulkonferenz gefragt werden und letztlich muss der Stadtrat zustimmen. Die Signale von der Bezirksregierung in Köln geben allerdings wenig Anlass zur Hoffnung: Der zuständige Dezernent habe diesem Schulversuch in einem Gespräch im März dieses Jahres wenig Chancen auf eine Genehmigung eingeräumt, schreibt die Verwaltung.

Die Möglichkeit, zu G9 zurückzukehren, bestand letztmalig im Jahr 2010. Vor sechs Jahren entschied sich die Schulkonferenz – allerdings unter einem anderen Schulleiter – mit einer Dreiviertelmehrheit dagegen. Dieser Meinung schloss sich der Stadtrat an.

Bleiben interne Lösungen, um die Attraktivität der Schule zu steigern. Die Schule müsse sich intern verändern, heißt es. Eine solche Veränderung soll es im Schuljahr 2017/18 geben, wenn der gebundene Ganztag eingeführt wird. Damit wolle man den Kindern mehr Förderungs- und Unterstützungsmöglichkeiten in der Schule anbieten. So will man vor allem den bilingualen Zweig stärken, der unter G8 und den damit „verbundenen höheren Anforderungen“ an Bedeutung verloren hat.

Die kleinste Grundschule in der Stadt, die Grundschule Röhe mit 92 Schülern, muss laut Prognose weiterhin bangen. Die Stadtverwaltung schreibt von „flankierenden Maßnahmen“, die zu ergreifen seien. Ansonsten „wäre der Bestand der KGS Röhe ab dem Schuljahr 2017/18 als selbstständige Grundschule gefährdet“, heißt es im Schulentwicklungsplan.

Die Stadtverwaltung schlägt in Absprache mit der Bezirksregierung vor, Anmeldezahlen zu begrenzen. Ansonsten sei damit zu rechnen, dass „es ein Ungleichgewicht geben wird zwischen extrem gut nachgefragten Grundschulen mit extrem vollen Klassen und Schulen mit kleinen Klassen“.

Zwar besteht laut Schulgesetz ein Rechtsanspruch auf Aufnahme in die seiner Wohnung nächstgelegenen Grundschule, aber der Schulträger kann die Zahl der aufzunehmenden Schüler begrenzen. „Dies könnte im Einzelfall dazu führen, dass Schüler ihre wohnortnahe Grundschule nicht besuchen können“, heißt es im Schulentwicklungsplan dazu. Die ersten konkreten Fälle zeichnen sich in Dürwiß ab.

Am kommenden Mittwoch wird das Schriftstück vom Schulausschuss ab 17.30 Uhr im Ratssaal diskutiert. Der Rat beschließt den Schulentwicklungsplan voraussichtlich in seiner Sitzung am 29. Juni.

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