Eschweiler/Düsseldorf: Schüler entdecken ganz neue Seiten an sich

Eschweiler/Düsseldorf: Schüler entdecken ganz neue Seiten an sich

„Ehrenamtliches Engagement in der Schulpraxis” - zu diesem Thema wurde die Realschule Patternhof vor wenigen Tagen in den Landtag nach Düsseldorf eingeladen. Ausgewählt waren vier nordrhein-westfälische Schulen, die besondere Beispiele ehrenamtlicher Arbeit vorstellten.

In seinem Einleitungsreferat betonte Dr. Wolfgang Beutel als Vertreter der „Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik”, dass in der Schule Demokratie erlernt und erlebt werden muss. Bürgerliches Engagement ist eine Herausforderung für die gesamte Schulgemeinde, keineswegs Anliegen allein von Politik- oder Sozialkundelehrern.

Ehrenamtliches Engagement fußt auf Freiwilligkeit und Selbstbestimmtheit. Das Wohl der Gemeinde steht im Vordergrund, Geld kann man damit nicht verdienen. Nicht selten führen Schulen Projekte durch, für die die Gesellschaft keine „Lösungen” anbietet. Wichtig ist, dass ehrenamtliches Engagement eine angemessene Anerkennung erfährt. Dieses Anliegen verfolgte auch die Landtagsveranstaltung.

Für die Realschule Patternhof stellte die Projektleiterin Sigrid Hendryk die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Soziale Dienste vor. Ausgangspunkt für alle Aktivitäten dieser Gruppe ist die Frage: Wo können wir uns für andere Menschen engagieren? Als Schwerpunkte haben sich drei Aktivitäten heraus kristallisiert:

Seit zehn Jahren arbeitet an vier Nachmittagen in der Woche je ein Schüler im Tafel-Laden der Stadt. Inzwischen gehören die Realschüler zum festen Mitarbeiterstamm. Außerdem organisieren sie alljährlich in der Weihnachtszeit die Spielzeugaktion zu Gunsten bedürftiger Kinder. Seit drei Jahren übernehmen Realschüler Lesepatenschaften für die Schülerinnen und Schüler der Willi-Fährmann-Schule.

Ein weiterer Ort, an dem die Realschülerinnen und -schüler sich engagieren, ist das Senioren- und Betreuungszentrum in Eschweiler. Sigrid Hendryk betonte in ihrem Vortrag, dass sie als Lehrerin ihre Aufgabe darin sieht, Menschen anderer Generationen und mit Hilfebedarf in einen Dialog zu bringen.

Die Schüler selbst engagieren sich alle freiwillig in ihrer Freizeit, übernehmen Verantwortung, zeigen viel Empathie in den mit der Schule kooperierenden Einrichtungen und vor allen Dingen ein hohes Maß an Sozialkompetenz. Darauf ist sie als Lehrerin sehr stolz.

Mutig traten die sechs mitgereisten Schülerinnen und Schüler Marius Woller, Marius Cremer, Derya Bayrak, Melisa Koyuncu, Paskal Reddig und Jacques Engels ans Rednerpult und sprachen vor dem Plenum von ihren je eigenen Aktivitäten. Sie sagten u.a.: „Wir haben ganz neue Seiten an uns kennen gelernt und wussten gar nicht, dass wir das können.” (Jacques Engels) „Die Arbeit der Tafel ist sehr vielfältig und es wird nie langweilig, nur manchmal stressig, aber es lohnt sich.” (Marius Cremer)

Die Schulleiterin Michaela Silbernagel erläuterte abschließend, wie sich die Resonanz auf diese Arbeit in Schule und Öffentlichkeit zeigt. Sie betonte, dass die Akzeptanz auf Seiten des Kollegiums, der Schüler- und Elternschaft so groß ist, dass das Leitmotiv der Realschule Patternhof „Verantwortung für die Zukunft - Werte Leben” durch die Arbeit der Sozialen Dienste maßgeblich geprägt wurde.

So gelte natürlich auch der Grundsatz: „Tue Gutes und rede darüber! Soziales Engagement darf anstecken, denn vor Ort profitieren alle!” Michaela Silbernagel erwähnte, dass die örtliche Presse die Arbeit stets begleitet und die Schülerinnen und Schüler als „starke Truppe” charakterisiert.

Besonders wichtig ist der Realschule Patternhof, dass die Stadt Eschweiler die Aktivitäten und Schwerpunkte der Arbeitsgemeinschaft rege unterstützt. So wurden die Sozialen Dienste bereits 2006 mit dem Jugend-Plus-Preis für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet und der Bürgermeister der Stadt, Rudi Bertram, zeichnete sie im Jahre 2007 am Tag des Ehrenamtes für ihr langjähriges Engagement im Dienste der Allgemeinheit aus.

In Anlehnung an das Zitat des Philosophen Hegel „Die Wahrheit ist konkret” beendete Schulleiterin Michaela Silbernagel ihre Ausführungen mit den Worten: „Nicht nur die Wahrheit, auch das Ermuntern, Sensibilisieren, Anstoßen und Zupacken ist immer konkret.”

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