Schüler der Europaschule Langerwehe lernen in Ausstellung über die DDR

Ausstellung an der Europaschule Langerwehe : Schüler lernen Mythos und Wirklichkeit der DDR kennen

Eine Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung, über den Mythos und die Wirklichkeit der DDR, gibt es bis Freitag an der Europaschule Langerwehe zu sehen.

Zur Eröffnung begrüßte Schulleiterin Regina Westermann Benedikt Jäger von der Konrad-Adenauer-Stiftung und als Zeitzeugen den Buchautoren und Filmemacher Roman Grafe, der sich im Rahmen einer Gesprächsrunde mit Oberstufenschülern über das Thema und seine eigenen Erlebnisse als Jugendlicher in der DDR unterhielt.

Grafe, der mit 17 Jahren einen Ausreiseantrag gestellt hatte und, wie er den staunenden Schülern erzählte, drei Jahre lang einmal in der Woche bei seinem Sachbearbeiter vorstellig wurde, um seinem Antrag Nachdruck zu verleihen, schilderte eindrücklich die Schikanen, denen er wie viele andere DDR-Bürger durch den Unrechtsstaat und seine Vertreter ausgesetzt war: So habe der Beamte jedes Mal demonstrativ-gelangweilt in sein Pausenbrot gebissen, sobald Grafe sein Büro betreten habe, nur um ihn mit der Begründung, „die Prüfung des Antrags sei noch nicht abgeschlossen“ immer wieder fortzuschicken.

Im Januar 1989 gelang es Grafe schließlich in die Bundesrepublik Deutschland überzusiedeln. Danach studierte er Journalistik an der Journalistenschule St. Gallen in der Schweiz. Seit 1993 arbeitet er als Autor und freier Journalist unter anderem für die ARD und die Süddeutsche Zeitung. Seine Bücher behandeln vor allem die Geschichte der Innerdeutschen Grenze und die Prozesse gegen die Mauerschützen und ihre Befehlsgeber.

Die Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit” wendet sich vorwiegend an Schüler und somit an Jugendliche, die die DDR nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen. Für sie ist der untergegangene zweite deutsche Staat „nur noch” Geschichte. Davon haben sie bisher vielleicht etwas aus Erzählungen ihrer Eltern und Verwandten, aus Nachrichten und historischen Berichten in den Medien oder schon aus einigen Unterrichtsstunden in der Schule wahrgenommen. Verschiedene Untersuchungen haben allerdings belegt, dass das Wissen über den SED-Staat bei vielen Jugendlichen oft recht schwach ausgeprägt ist, selbst in Ostdeutschland.

Teilweise verfügen sie zwar bereits über einige Kenntnisse, oft halten sich aber auch Fehleinschätzungen und langlebige Irrtümer, die die nachfolgende Generation übernimmt. Für die Einstellung zur Demokratie und zum parlamentarischen System, für die Einschätzung der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland können sich daraus erhebliche negative Folgen ergeben. Zur Stärkung des demokratischen Bewusstseins ist es deshalb wesentlich, dass die jungen Menschen über die Geschichte und das Herrschaftssystem der sozialistischen Diktatur auf deutschem Boden, über die Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten der Menschen in dieser Zeit Bescheid wissen.

Mehr von Aachener Zeitung