Eschweiler: Schokolade, Familie, Internet: De Frau Kühne lässt den Talbahnhof lachen

Eschweiler : Schokolade, Familie, Internet: De Frau Kühne lässt den Talbahnhof lachen

Es war fast schon ein Heimspiel, denn de Frau Kühne fühlte sich bei ihrem bereits fünften Auftritt im Talbahnhof mit ihrem Programm „Wie war das no(r)chmal“ wie zu Hause. Und das — so versprach sie dem voll besetzten Saal — würde sie nicht bei jeder Veranstaltung sagen. Obwohl Ingrid Kühne aus dem mehr als 100 Kilometer entfernten Kerken stammt, fühlt sie sich vor dem Eschweiler Publikum sichtlich wohl.

„Hier ist es schön, ihr versteht meine Witze, ohne dass ich sie erklären muss“, sagte de Frau Kühne, bevor sie in ihr eigentliches Programm einsteigt.

Zuvor wollte sich die Kabarettistin erstmal vergewissern, dass das Publikum auch wirklich Lust auf Unterhaltung hatte. In ihrer bekannt eloquenten Art fragte sie ihre Gäste: „Na? Bock?“ Die etwas irritierten Gesichtszüge im Publikum zwangen Kühne dann doch zu einer kurzen Erläuterung. „Bei dem Wetter ist das ja schwierig. Du holst die Karten und hast dann so tolles Wetter. Ärgerlich!“ Die Zuhörer aber bereuten keineswegs, dass sie ihre sonnigen Plätze auf dem Balkon oder im Biergarten gegen die Stühle im Talbahnhof getauscht hatten, denn es dauerte nur wenige Minuten, bis de Frau Kühne ihren Zuhörern vor Lachen die Tränen in die Augen trieb.

Besonders gut ging das mit ihrem Lieblingsthema: dem Körpergewicht. Ihr Hausarzt dränge sie beständig darum, doch einmal abzunehmen. De Frau Kühne lässt gut gemeinte ärztliche Ratschläge aber lieber an sich abprallen. „90 — 60 — 90 habe ich auch. Das andere Bein ist genauso dick“, sagt sie und beschwert sich über eine Gesellschaft, in der der BMI wichtiger als der IQ sei. Nur wofür die Abkürzung BMI eigentlich stünde, sei ihr nicht so klar. „Body muss in die Inventur, heißt das, glaube ich“. Eine Frau aus dem Publikum korrigierte sie: „Das heißt Body-Mass-Index“. Doch de Frau Kühne war wenig begeistert: „Ich kann dich nicht sehen, aber ich weiß, dass du dünn bist. Ich dagegen kenne den Preis von Toffifee auswendig, das ist der Unterschied.“

De Kühne überzeugt Publikum

Damit war de Frau Kühne auch elegant der Übergang zu ihrem nächsten Aufreger-Thema gelungen: die Entwicklungen in der Lebensmittelindustrie. Wer bräuchte schon ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf Schokoladenverpackungen? Und warum sind die überhaupt wiederverschließbar? „Ich habe noch nie erlebt, wie eine Packung Schokolade in 30 Minuten austrocknet und länger hält die ja sowieso nicht“, grübelte de Frau Kühne. Die Kalorien später wieder loszuwerden, sei dagegen eine ganz andere Sache. Alles hätte sie schon versucht, sich sogar ein Spülmaschinen-Tab „gegen hartnäckiges Fett in den Bauchnabel gesteckt“. Ob das hilft? „Ich kann da noch nichts zu sagen, bin noch in der Erprobungsphase“, sagte sie.

Für Lacher sorgte auch der Ärger mit einem Internetanbieter. „Wäre der Mensch am anderen Ende der Hotline doch bloß aus Eschweiler gewesen. Der hätte nur gesagt ‚Och herm. Alles klar. Mach ich Dir. Tschö!‘. Es war aber ein Sachse …“, erzählt de Frau Kühne. Bei dem Telefonat lernte sie eine wichtige Lektion: „Erst auflegen, dann Arschloch sagen. So geht die Reparatur sehr viel schneller“, gab sie als Tipp an die Zuhörer weiter.

Beim Publikum konnte De Frau Kühne jedenfalls punkten. Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Zuhörer vor lachen die ein oder andere Träne aus den Augen wischten. Der Kabarettistin gelang es, die Stimmung konstant hochzuhalten. Ein Gag jagte den nächsten. Mit ihren Ausschweifungen darüber, dass früher alles besser war, schien sie beim Publikum einen Nerv getroffen zu haben.

Werbung, Telefonieren, Fotografieren — alles sei schöner und einfacher gewesen. „Damals haben sieben weiße Schlüpper noch sieben Mark gekostet. Heute kostet eine Unterhose von Calvin Klein 20 Euro. Wieso muss denn da drauf stehen, was drin ist?“, fragte sich die Kabarettistin. Aber ihr Sohn Sven bestehe auf solch eine Unterhose.

Komikerin will wiederkommen

Überhaupt sorgt Kühnes Familie für jede Menge Zündstoff — der ganz normale Wahnsinn eben. Der Ehemann Ralf trinkt gerne mal einen über den Durst. „Die Menge, die er an einem Wochenende trinkt, da kann ein Schiff drauf drehen.“ Auch den Sinn von wasserfesten Pflastern musste sie ihm erst erklären: „Wir sind Frauen, wir arbeiten mit solchen Verletzungen weiter“, hatte sie zu ihrem Mann gesagt.

Sohn Sven ist mit seinen 17 Jahren „zu jung, um auszuziehen und zu alt für die Babyklappe“ und hat all seine schlechten Eigenschaften vom Vater geerbt. Kühnes Mutter dagegen findet sich mit ihren 80 Jahren noch nicht zu alt für ein Smartphone, hat sich aber beim Versuch, die Freundin anzurufen, acht mal das eigene Ohr fotografiert.

Als de Frau Kühne am Schluss ihres Programms angekommen war, konnten sich die Zuschauer im Talbahnhof vor lauter Lachen kaum mehr auf den Stühlen halten. Kein Wunder also, dass auch de Frau Kühne die Atmosphäre in Eschweiler genoss und ihren Auftritt mit einem Versprechen beendete: „Ich fühle mich so sauwohl hier bei euch, ich komme auf jeden Fall wieder, ob ihr wollt oder nicht.“

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