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Eschweiler: Schmuse-Balladen und Kehlkopfgesang

Eschweiler : Schmuse-Balladen und Kehlkopfgesang

„Etwas, was gesagt oder getan wird, das als Überbrückung dient, um vom eigentlichen Thema wegzuführen”, so beschreiben die vier A-cappella-Künstler von „Intermezzo” nicht nur, was sich hinter ihrem Künstlernamen.

Sondern auch, was sich hinter ihrer Interpretation von Musik verbirgt. Pop, Klassik, Tango, Salsa, Bluegrass, Funk oder gar mongolische Kehlkopfgesänge - „Intermezzo” zeigte sich auch am Sonntag im Talbahnhof allen möglichen musikalischen Richtungen offen - allerdings aus einer für den Hörer völlig ungewohnten Perspektive, halt nur mit Gesang und regelrechter „Körpersprache”.

Weg vom eigentlichen Thema

Jill Scotts „A long walk” stand am Anfang ihres Gastspiels, und ein langer Weg liegt bereits hinter „Intermezzo”, das von fünf holländischen Studenten 1984 in Utrecht gegründet wurde und kurz nach der ersten Albumveröffentlichung „In fool color” Anfang der 90er Jahre seinen internationalen Durchbruch erlebte. Viele Tourneen folgten, bevor es im Juni dieses Jahres zum Abschied der Gründungsmitglieder kam und Sänger Merijn Dijkstra aus dem A-cappella-Quintett mit Wouter Kronenberg, Wouter Hamel und Clemens Schweikhart ein Quartett machte.

Wie es sich für ein richtiges Intermezzo gehört, führen die vier professionellen Sänger ihre Zuhörer weg vom eigentlichen Thema, also von den festgefahrenen, bzw. gehörten Schemen klassischer und zeitgenössischer Musik.

Täuschend echte Song-Kopien

Ihre Version von Bob Marleys „I shot the sheriff”, das im Laufe der Zeit Musiker wie Eric Clapton und Joe Cocker inspiriert hat, ist dafür ein gutes Beispiel, beginnt es doch im relaxten Original-Reggaesound, unterstützt durch die Beatbox von Clemens Schweikhart, um dann in eine kitschig-ruhige Schmuseballade und schließlich in einen fast schon kirchlich klingenden Kanon überzugehen.

Eindrucksvoll war am Sonntagabend auch die Solovorstellung von Princes „Kiss” durch Clemens Schweikhart, der Beatbox und den hohen Gesang scheinbar fast gleichzeitig vortrug. Vom „Malocher aus dem Ruhrgebiet”, über die „Liebe der Matrosen” der Comedian Harmonists bis hin zu den 80er-Jahre-Klassikern „Final Countdown” oder „Maniac” gelang es den vier Sängern, ihr Publikum bestens zu unterhalten und vor allem mit ihrer Variabilität und Flexibilität, was die Stimmarrangements anging, zu begeistern. Allerdings beschreiben sich Dijkstra, Kronenberg, Hamel und Schweikhart selbst als „Freunde von Originalversionen von Songs” und kopieren diese oft täuschend echt ohne jegliche Instrumente, so dass das auf die Bühne mitgebrachte Banjo lediglich als Requisite galt.

Kreativität mit einer Portion Humor

Schade nur, dass diese Künstler, deren Stimmen sämtliche so genannte „Superstars” diverser Castingshows in tiefsten Schatten stellen würden, am Sonntag vor einem wohl karnevals- und stadtfestbedingt geschrumpften Publikum im Talbahnhof auftreten mussten. Jedenfalls werden „Intermezzo” als Alternativ-a-cappella-Musiker, die sich wohltuend von herkömmlichen Künstlern dieser Branche abheben, ihren „long walk” fortsetzen und bestimmt wieder den Weg in die Indestadt finden, im Gepäck vier Stimmgabeln, vier Mikros, unendlich viel Kreativität und eine Portion Humor, mit der sie ihr Bühnenprogramm präsentieren.