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Vorhaben der Bundesregierung: Schließungspläne für Sprach-Kitas lösen Sorge und Empörung aus

Vorhaben der Bundesregierung : Schließungspläne für Sprach-Kitas lösen Sorge und Empörung aus

Die Bundesregierung will das Förderprogramm für Sprach-Kitas am Jahresende auslaufen lassen. Das sorgt vielerorts für Entsetzen – auch bei der Eschweiler CDU-Bundestagsabgeordneten Catarina dos Santos.

Die Bundesregierung hat mit ihrer Ankündigung, das Förderprogramm für Sprach-Kitas zum Jahresende auslaufen lassen zu wollen, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Auch in der Städteregion Aachen gibt es deshalb mächtige Turbulenzen. Groß sind die Sorgen nach Informationen unserer Zeitung vor allem in den betroffenen Einrichtungen. Und von denen gibt es in Stolberg gleich sechs – die Stadt wäre damit von den angekündigten Veränderungen besonders stark betroffen. Auch in Eschweiler würden sich diese bemerkbar machen. Hier werden aktuell zwei Kindertagesstätten als Sprach-Kitas geführt und unterstützt.

Seit 2011 gibt es das Programm zur Förderung von Sprachkompetenz, seit 2016 wird es vom Bund finanziert. Es greift dort, wo Einrichtungen einen besonders hohen Anteil an förderbedürftigen Kindern verzeichnen. Den Kitas werden im Falle einer Anerkennung jährlich 25.000 Euro für die Einstellung einer zusätzlichen halben Fachkraft zur Verfügung gestellt, die sprachliche Bildung stärker in den Alltag integriert.

Dass dies ab dem 1. Januar 2023 nicht mehr so sein soll, sorgt für Empörung und ruft viele Kritiker auf den Plan – in Fachkreisen, aber auch in der Politik. Am vergangenen Freitag nun hat der Bundesrat ein deutliches Zeichen gesetzt. Nach einem einstimmigen Beschluss fordert die Länderkammer die Bundesregierung dazu auf, das Förderprogramm für Sprach-Kitas fortzusetzen. Grundlage des Beschlusses war ein Antrag der Länder Mecklenburg-Vorpommern und Saarland, der den Auftrag an die Bundesregierung enthält, auch weiterhin die Mittel zur Verfügung zu stellen.

Catarina dos Santos kann diese Forderung nur unterstreichen. Die CDU-Bundestagsabgeordnete für den Altkreis Aachen hat laut eigener Aussage keinerlei Verständnis für die Pläne der Bundesregierung. „Sprache ist der Schlüssel zu einer gelungenen Integration. Gerade an dieser Stelle zu kürzen, ist ein Fehler mit weitreichenden Konsequenzen. Der Beschluss des Bundeskabinetts ist völlig unverständlich“, betont die Eschweilerin. In ihrem Koalitionsvertrag habe die Ampel aus SPD, FDP und Grünen noch versichert, dieses Programm weiterzuentwickeln und zu verstetigen. „Da etwa 40 Prozent der Kita-Kinder einen Migrationshintergrund haben, war dieser Ansatz gut und richtig.“

Nun aber sei die Kehrtwende erfolgt. Und die will Catarina dos Santos nicht akzeptieren. In der Bundestagsfraktion der CDU hatte die 28-Jährige das Thema deshalb frühzeitig auf die Agenda gesetzt. Und mit ihren Fraktionskollegen ruft sie dazu auf, sich an der noch bis Dienstag, 20. September, laufenden Bundestagspetition zu beteiligen. Mit ihr soll erreicht werden, dass sich zunächst der Petitionsausschuss und danach Bundesregierung und Bundestag mit dem Thema beschäftigen müssen. Dafür sind die Stimmen von mindestens 50.000 Unterstützenden erforderlich.

Catarina dos Santos zeigt sich zuversichtlich, dass diese Marke fristgerecht erreicht wird. Und sie sieht den Widerstand gegen das Vorhaben als breit an. „Das ist kein rein politisches Anliegen. Ich habe eine ganze Reihe von Einrichtungen kontaktiert und sie um ihr Feedback gebeten. Das ist genauso eindeutig ausgefallen wie bei dem von unserer Fraktion am 3. August organisierten digitalen Kita-Gipfel mit über 500 Teilnehmern.“

Will das geplante Ende der Förderung für die Sprach-Kitas nicht akzeptieren: Die Eschweiler CDU-Bundestagsabgeordnete Catarina dos Santos.
Will das geplante Ende der Förderung für die Sprach-Kitas nicht akzeptieren: Die Eschweiler CDU-Bundestagsabgeordnete Catarina dos Santos. Foto: Privat

Eine klare Stimmung gegen die Abschaffung der Förderung von Sprach-Kitas hat auch Jochen Emonds ausgemacht. Der Stolberger CDU-Fraktions- und Parteivorsitzende und stellvertretende Kreisvorsitzende sieht die klare Erwartung, „dass die bewährten Strukturen erhalten bleiben“. Und: „Diese Strukturen sind bei den aktuellen Plänen der Bundesregierung nicht anschlussfähig. Ich habe die große Sorge, dass daraus dann ein Flickenteppich resultieren wird.“

Und nicht nur das: „Bundesweit sind derzeit 8000 Fachkräfte in den Sprach-Kitas beschäftigt. Sie müssen sich im Oktober arbeitssuchend melden, wenn bis dahin nicht erreicht worden ist, dass es doch weitergehen wird“, stellt Catarina dos Santos kopfschüttelnd fest. Und setzt deshalb darauf, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Wenn die Petition Erfolg hat, wird das Thema öffentlich behandelt“, blickt sie nach vorne und nimmt dann noch ein anderes Ziel ins Visier: „Wir wollen Familienministerin Lisa Paus sowie Christian Lindner und Olaf Scholz an einen Tisch bringen und sie davon überzeugen, dass die Förderung der Sprach-Kitas langfristig fortgesetzt werden muss.“

Dies käme nicht nur den Kindern, sondern auch deren Familien zugute. „Und zwar vor allen denjenigen, die in einem Brennpunkt leben und es deshalb ohnehin schon schwer haben“, unterstreicht Jochen Emonds.