Eschweiler-Bergrath: Schach-AG: Kleine Profis unter sich

Eschweiler-Bergrath: Schach-AG: Kleine Profis unter sich

Spanische Partie, Rochade und Eröffnung: Wer Schach spielt, weiß, dass nicht nur Konzentration, sondern auch Durchhaltevermögen besonders wichtig ist. Das gilt aber nicht nur für die großen Talente, sondern bereits auch schon für die kleinen Spieler.

Doch wie beliebt ist Schach beim Nachwuchs heutzutage eigentlich überhaupt und wie können sich die Kleinen die komplizierten Spielzüge und Regeln, die das Spiel umfasst, überhaupt merken? Fragen wie diese kann Ludwig Lennartz bestens beantworten. Der Indestädter bietet schließlich seit sechs Jahren eine Schach-AG an der Katholischen Grundschule Bergrath an. Er meint: „Schach ist zwar eine schwere Kost, die aber didaktisch einen riesen Gewinn bringt.“

Genaue Vorbereitung

Es ist Mittwochnachmittag, kurz vor 15 Uhr. Akribisch bereitet Ludwig Lennartz in der Mensa der Schule die sechs Schachbretter vor, die er mitgebracht hat, überlegt sich verschiedene Spielsituationen und stellt die Figuren nacheinander dementsprechend auf. Angefangen hatte alles eher durch einen Zufall. Damals überlegte die Leiterin der Offenen Ganztagsbetreuung an der Bergrather Grundschule, welche Arbeitsgemeinschaften man an der Schule anbieten könne. Lennartz Frau schlug daraufhin vor, eine Schach-AG ins Leben zu rufen, die schnell in die Tat umgesetzt wurde.

In diesem Jahr sind neun Schüler mit von der Partei. Darunter auch vier Mädchen. Eine absolute „Ausnahme“, wie Lennartz weiß. Warum? Ganz einfach: Schließlich habe Schach viel mit Mathematik zu tun. „Kinder, die in Mathematik gut sind, begeistern sich auch für Schach“, meint Lennartz.

Der Unterricht sei taktisch, immer ausrechenbar und verlaufe parallel zum Mathematik-Unterricht der Grundschüler. Wie Lennartz dies den Teilnehmern vermittelt? „Mit ganz viel Enthusiasmus“, sagt Lennartz und begrüßt nur wenige Sekunden später die ersten Teilnehmer zu der knapp 45-minütigen AG.

Eine lange Begrüßung gibt es nicht. Vielmehr freuen sich Lennartz und die kleinen darauf, die verschiedenen Aufgaben zu lösen. Gespannt schauen die Kinder auf das schwarz-weiße Schach Brett, während Lennartz den schwarzen König und Turm bewegt. Dieser Doppelzug heißt Rochade. Sobald ein Spieler diesen ausführt, verfolgt er das Ziel, den König in eine sichere Position zu bringen und den beteiligten Turm zu entwickeln.

Für die Schüler der Katholischen Grundschule Bergrath ist dies allerdings nichts Neues. Sie sind bereits kleine Schach-Profis. Und wie ist es allgemein um den deutschen Schach-Nachwuchs bestellt? „Wir sind eine schlechte Schach-Nation, weil wir uns an die Regeln halten“, so Lennartz.

In Ländern wie Indien, das zwischen 2007 und 2013 die Weltmeisterschaft verteidigte, seien nur so erfolgreich, weil der Nachwuchs sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren könnte. Schule? Fehlanzeige.

Erfolge konnten auch die Bergrather Kinder feiern. Bei den Mittelrhein-Meisterschaften belegten sie bereits ein Mal den 2. Platz und zwei Mal den 1. Platz. Während an einer Schule in Würselen eine Stunde Mathematik in der Woche sogar durch das Fach Schach ersetzt wird, begnügt man sich in der Indestadt mit einer AG.

Schnelle Lösungen

Zu Beginn geht Lennartz mit den Schülern verschiedene Spielsituationen durch. Schnell können die Kleinen diese lösen. Dazu gehört nicht nur die Rochade, sondern auch die Eröffnung der Partie. Die Schüler bevorzugen die Variante e4. „Sie gilt als besonders aggressiv“, erklärt Lennartz, der diesen Zug mittlerweile in sein eigenes Spiel aufgenommen hat. Das Ziel der Eröffnung: die Figuren entwickeln.

Damit sich die Kinder, die zahlreichen Regeln merken können, gibt Lennartz ihnen Sprichwörter mit auf den Weg. „Springer am Rande bringt Kummer und Schande“, sagt er und die Kleinen wiederholen lachend das Sprichwort.

Nachdem alle Aufgaben gelöst sind, dürfen die Kinder sich selbst am Schach-Brett austoben. Den Neulingen erklärt Lennartz in aller Ruhe die verschiedenen Figuren und Regeln. „Ich möchte, dass im Kopf der Kinder ein Prozess angestoßen wird, selbst über eine Situation nachzudenken“, sagt Lennartz.

Konzentration endet

Nach rund 45 Minuten endet jedoch auch bei den kleinen Profis die Konzentration. Während auf dem einen oder anderen Brett am Ende doch noch ein Schachmatt zu erkennen ist, sammelt Lennartz die Figuren wieder ein. Bis zur nächsten Woche.