RWE-Pensionäre feiern bunten Nachmittag

Bunter Nachmittag : Hambacher Forst begleitet die Feier

Die Stimmung? Einerseits gemütlich, andererseits doch angefressen. Denn die Pensionäre des RWE-Kraftwerks Weisweiler vergessen auch über dem leckeren Vorspeisenteller die Querelen um den Hambacher Forst bei Düren nicht.

Und wenn sie bei ihrem alljährlichen Bunten Nachmittag zusammensitzen, sind die Ohren und Herzen offen für alles, was mit dem ehemaligen Betrieb („Alles, was wir haben, sind wir durch die RWE“, so ein Redner) zu tun hat. Darum wurde aus der mehrstündigen Veranstaltung, die am Freitag in der Festhalle von Weisweiler stattfand, ein politisches Forum, bei dem führende Akteure wie der Betriebsratsvorsitzende im Kraftwerk, Michael Lehmann, die rund 460 Zuhörer auf kommende Entwicklungen einschworen.

So ging zum Beispiel SPD-Ratsmitglied Dietmar Krauthausen mit einer Liste von Tisch zu Tisch. Darauf konnten sich Mitfahrer für die kurze Reise nach Bergheim, die am 24. Oktober morgens um 7 Uhr vor den Toren des Kraftwerks starten soll – in Richtung Erft, wo am Tag der Fahrt die Kohlekommission der Bundesregierung Station macht. Betriebsratschef Lehmann zu dem Leitgedanken der Art und Weise, wie sich die Pensionäre zusammen mit den aktiven Arbeitnehmern am Zielort ihrer Reise präsentieren wollen: „Wir wollen denen mal zeigen, um welche Menschen es geht.“

Dass die ehemaligen RWE-Angestellten und -Arbeiter die Entwicklungen im Forst kritisch bis argwöhnisch verfolgen: Das hatte schon der langjährige Vorsitzende der Pensionärsvereinigung, Helmut Winterlich, in seiner Begrüßungsansprache anklingen lassen: „Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster hat uns wirklich überrascht.“ Im Forst seien „Kollegen in inakzeptabler Weise beschimpft“ worden. Winterlich mit entschlossener Stimme und Gestik: „Wir kämpfen gemeinschaftlich für die RWE!“

Ähnlich argumentiere auch der Produktionsleiter des Kraftwerks, Guido Haag, der trocken bemerkte: „Wir haben momentan turbulente Zeiten.“ Besonders nahm Haag die Fraktionsvorsitzende der Grünen im NRW-Landtag, Monika Büker, aufs Korn. Viele Arbeitnehmer in Tagebau und Kraftwerk fühlen sich von der Politikerin verunglimpft, weil sie sich durch ihr Zitat „Ob Nazis oder Kohle – Braun ist immer Scheiße!" auf eine Ebene mit Rechtsextremen gestellt fühlen. Haag wörtlich: „Die Grünen-Politiker, die hauen vielleicht Dinger raus.“ Und: „Die stellen uns in eine Ecke, da sind wir nicht und da gehören wir auch nicht hin.“

Noch bevor das Team der Stadthalle die Vorspeisenteller auftrug und die Künstler die Bühne übernahmen, fesselte Michael Lehmann in seiner Eigenschaft als Betriebsratsvorsitzender im Kraftwerk die Zuhörer mit einem kämpferischen Grundton: „Die Region, die brennt energiepolitisch und die wird auch sozialpolitisch brennen.“ Überdies bekundete er eine große Dankbarkeit der Jüngeren den Älteren gegenüber: „Ihr habt uns groß gemacht.“ Generelle Unzufriedenheit den öffentlichen Debatten gegenüber hatte zudem die stellvertretende Eschweiler Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt bekundet: „Was mir in der Diskussion zu kurz kommt, das sind die Mitarbeiter.“

Uneingeschränkt gute Stimmung ließen am Nachmittag in der Halle sowieso nur die Künstler und mit ihnen die drei Bandmitglieder des Siggi-Prokein-Trios, das den RWE-Pensionären seit einer gefühlten Ewigkeit verbunden ist, erkennen. Mit Melodien zwischen Wiener Walzerseligkeit und Big-Band-Swing zählten ihre Beiträge zu den Glanzlichtern des Bunten Nachmittags im Herbst. Besonders gut kamen dabei Büttenrednerin Lieselotte Lotterlappen mit flinker Zunge und fast noch flinkerem Witz sowie die Puppenshow der „Dolls Company“ an.

(chh)
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