Rudi Bertram tritt bei Eschweiler Bürgermeisterwahl 2020 nicht mehr an

Bürgermeisterwahl 2020 : Rudi Bertram tritt nicht mehr als Kandidat an

Bürgermeister Rudi Bertram (SPD) tritt im September 2020 nach dann 21 Jahren im Amt nicht mehr zur Wiederwahl an. Diese Entscheidung hat er am Mittwochmittag bekannt gegeben.

Bis zum offiziellen Pressegespräch dauert es noch ein paar Minuten, also geht es um Fußball. Am Vorabend war DFB-Pokal, Köln ist ausgeschieden, und Rudi Bertram hört in die kleine Runde, ob es denn wirklich noch keine Trainerdiskussion gibt. Augenblicke später reibt er sich kurz die Hände, dann das Gesicht, Punkt 12.30 Uhr – Themenwechsel. Es geht offiziell um: ihn. Der Bürgermeister wirkt ungewohnt erleichtert und locker. Und dann sagt er den Satz, weswegen er für Mittwochmittag ins Rathaus geladen hat: „Für die Bürgermeisterwahl 2020 in Eschweiler werde ich nicht mehr antreten.“ Die Diskussionen und Gerüchte haben jetzt ein Ende.

Insbesondere die um seine Gesundheit, denn immer wenn es in der Vergangenheit um seine persönliche Entscheidung für die Wahl 2020 ging, war Bertrams körperlicher Zustand ein Thema. Das verwundert nicht, hatte der Bürgermeister im November 2018 doch einen „Crash“ erlitten, wie er es selbst beschreibt. Die relative kurze, aber heftige Krankheit von vor einem Jahr taucht nur noch in den Akten auf, nicht im Alltag, betont der Bürgermeister. „Es ist alles behoben, absolut, ich fühle mich fit. Die Gesundheit ist nicht der Grund.“ Punkt.

Was dann? Es ist eine einfache Rechnung, die er nach vielen sortierenden Gesprächen mit seiner Frau Hedi aufgestellt hat: 65 + 5 = 70. Hätte er wieder kandidiert und die Wahl gewonnen, wäre er mit 65 vereidigt worden und wäre nach fünf Jahren Amtszeit 70 Jahre alt. Dieses Ergebnis fällt mehr ins Gewicht als das einer anderen Rechnung. Denn ein Rudi Bertram hätte auch anders kalkulieren können: 2004 ist er mit 72,5 Prozent wiedergewählt worden, 2009 mit 72 Prozent und vor fünf Jahren mit mehr als 68 Prozent.

Bertram gilt als volksnaher Sympathieträger, pflegt den Eins-zu-eins-Kontakt mit den Bürgern. Auf der anderen Seite fremdelt er mit den sozialen Medien, die es heute anders als früher ermöglichen, ihn einfacher und ohne Rücksicht persönlich zu kritisieren oder gar anzugreifen. Seine politischen Gegner sagen aber auch: Es ist schwer, gegen Bertram zu gewinnen. „Das selbstbestimmte Zurückgehen ist mir genauso wichtig wie vier Mal wiedergewählt zu werden.“ Punkt.

Ab September 2020 haben die Sieben-Tage-Arbeitswochen ein Ende für Rudi Bertram, den Bürgermeister. 21 Jahre ist er dann rund um die Uhr ansprechbar gewesen, mit dem Smartphone heutzutage mehr als früher, ohne seine Frau als Rückhalt unmöglich, sagt er. Bis zu seinem endgültigen Abschied sind es noch rund zwölf Monate, die Rudi Bertram die Treppe im Rathaus in sein Büro mit der Nummer 132 im ersten Stock hinaufgehen wird.

Er werde in dieser letzten Zeit aber keinen Abschied feiern, jeden Tag werde er genau so weiter arbeiten wie zuvor. „Ich habe den Job gerne gemacht, es ist eine Superaufgabe trotz aller Schwierigkeiten. Wäre ich 40, würde ich volle Pulle einsteigen und wieder kandidieren. Die Stadt hat Potenzial.“ Punkt.