Eschweiler-Röhe: Röher Sportplatz wird zu Solarpark

Eschweiler-Röhe: Röher Sportplatz wird zu Solarpark

Dort, wo heute noch die Hunde kacken, sollen künftig Sonnenkollektoren elektrischen Strom erzeugen. Auf dem alten Sportplatz von Röhe möchte die Stadt flächendeckend Solaranlagen bauen lassen. Sie nennt das vornehm „Solarpark“.

Schon vor knapp einem Jahr hatte die Stadt ihren Plan der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehrere Organisationen meldeten daraufhin Bedenken an: Westlich des Sportplatzes liegt ein schützenswertes Gehölz, nördlich zur Autobahn hin eine Bachaue, die als „geschützter Landschaftsbestandteil“ nicht bebaut werden darf. Außerdem verläuft dort eine in den 50er Jahren verlegte militärische Rohrleitung für Flugzeugbenzin. Auch über dieser Kerosin-Fernleitung darf auf einem zehn Meter breiten Streifen nichts gebaut werden, noch nicht einmal Fundamente für Zaunpfosten.

Aufgrund dieser Einwände beschloss jetzt der Planungsausschuss des Stadtrats, den im vorigen Jahr gefassten Aufstellungsbeschluss für die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans aufzuheben und diese Plan mit einem etwas kleiner gefassten Gebiet erneut auf den Weg zu bringen. Für die Photovoltaik-Anlagen in Röhe sind jetzt der Sportplatz und ein östlich davon gelegenes Grundstück vorgesehen. Zusammen sind es rund 1,3 Hektar.

„Ist das denn noch wirtschaftlich?“ fragte der CDU-Stadtverordnete Bernd Schmitz die Stadtverwaltung. Dezernent Hermann Gödde nickte: „Wir haben noch keinen Betreiber, aber es gibt Interessenten.“ Obwohl die Gewinnerwartungen durch die gedrosselte öffentliche Förderung geringer geworden ist, scheint es sich noch zu rechnen.

Kein Platz mehr für ein Festzelt

Wenn der Sportplatz am Ende der Erfstraße voller Sonnenkollektoren steht, steht er nicht mehr für die Bevölkerung zur Verfügung. Das trifft vor allem die vielen Herrchen und Frauchen, die dort täglich ihre Hunde ausführen. Welche Nutzungen sonst noch alles nicht mehr möglich sein werden, listete ein Bürger aus Röhe schriftlich auf: Röhe verliert dann den einzigen ebenen Platz, auf dem ein Festzelt aufgestellt werden könnte, die Jugend hat keinen Bolzplatz mehr, bei Aufzügen zu größeren Festen ist kein Sammelplatz mehr vorhanden. Und auch das Martinsfeuer ist dann nicht mehr möglich.

Die Stadtverwaltung weist diese Vorwürfe zurück. Der Platz werde sei Jahren nicht mehr als Stellplatz für ein Festzelt oder als Sammelplatz genutzt. Vereinsfeiern und Brauchtumsfeste finden in der Sporthalle der Grundschule statt. Und da das Vereinsleben der Sebastianusschützen seit 1993 ruht, „sind größere Aufzüge auf absehbare Zeit nicht zu erwarten“.

Als Alternative für den Bolzplatz nennt die Stadt das Mini-Spielfeld auf dem Schulhof der Grundschule. Das Fußballspielen dort ist zwar nur für Kinder bis 14 Jahren erlaubt, aber „die Anwesenheit von älteren Jugendlichen wird geduldet, solange sie sich pfleglich verhalten“ — so die Stadtverwaltung. Bleibt das Martinsfeuer. Da will die Stadt Ersatz schaffen. Sie bietet eine landwirtschaftlich genutzte Fläche am Schubbendenweg für das jährliche Feuerspektakel an.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat gegen die Planung des Solarfeldes keine Einwände, weist aber auf die schmale Bachaue zwischen Sportplatz und Autobahn hin. Der Bach mündet in einen Angelweiher. Diese Biotope sollen geschützt werden, und „nach der Fertigstellung der Photovoltaikanlage sollen wöchentliche Kontrollen durchgeführt werden, die die Flächen auf fehlgelandete Wasservögel absucht“. Das sicherte die Stadt in ihrer Stellungnahme auch zu.

In der Diskussion im Planungsausschuss setzte sich Dietmar Widell (Grüne) dafür ein, zumindest einen kleinen Bereich des Sportplatzes als Bolzplatz zu erhalten. Das wurde abgelehnt. Die Aufstellung der Flächennutzungsplan-Änderung wurde mit einer Gegenstimme beschlossen.

Als nächster Schritt werden die Bürger zu der Planung gehört. Der Plan soll öffentlich ausgelegt werden, damit Anregungen und Bedenken geäußert werden können.

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